Alzheimer - und dann?

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Lange nichts geschrieben ...

4. Juli 2010

... zumindest nicht hier im Blog. Oft fehlt die Zeit, aber noch öfter die Worte. In den letzten Wochen war Mama oft sehr aggressiv. Diese Aggressivität ist gepaart mit viel Ungeduld (Geduld war noch nie ihre Stärke), einem nörgelnden Tonfall und der Anspruchshaltung, alles habe sich jetzt, gleich und sofort ausschließlich um sie zu drehen. Dazu kommt noch, daß ihr das Zeitgefühl immer mehr abhanden kommt.

Beim letzten Besuch waren wir im Cafe, weil sie dort gern Eis ißt. Sie wollte dahin, aber schon der Weg war aufreibend, denn dauernd beschwerte sie sich, daß sie "nicht hier lang" will (einen anderen Weg zum Aufzug gab es nicht), daß sie nicht Aufzug fahren will, daß sie nicht aus dem Haus will, daß sie nicht das tun will, was ich ihr vorschreibe. Ich wurde als ihre - dominante - Zwillingsschwester abgekanzelt. Wenn ich gute Nerven habe und mich innerlich etwas distanzieren kann, dann amüsiert mich das manchmal sogar etwas, aber nicht an diesem Nachmittag. Ich erklärte ihr dann immer: "Mama, du wolltest doch Eis essen". "Ja!". "Dann müssen wir jetzt den Gang entlangfahren ...". Das ganze Prozedere wiederholte sich alle 30 Meter.

Dann kamen wir ins Cafe. Außer uns war nur ein Ehepaar da, das schon den Kuchen ausgesucht hatte. Der Kuchen war schon eingepackt und der Bezahlvorgang eingeleitet. Ich hatte mit Mama geschätzte 10 Sekunden gewartet, da fing sie schon an sich zu beschweren und die Bedienung anzuraunzen: "Wie lange dauert das denn noch. Ich habe keine Lust eweig zu warten ...". Die junge Frau ließ sich von den Tiraden nicht beeindrucken. Ich war einigermaßen genervt, weil ich in der Hitze schon eine lange Fahrt hinter mir hatte. Statt knappe zwei Stunden und mit einem Mal Umsteigen war ich drei Stunden mit vier Mal Umsteigen unterwegs gewesen und entsprechend dünnhäutig...
4.7.10 14:23


emotionale Achterbahn, die ich-weiß-nicht-wie-vielte

31. Mai 2010

Im April sah es so aus als Mama bald sterben würde. Niemand hat gedacht, dass sie noch länger als einige Tage leben würde. Gegessen hat sie gar nicht mehr und getrunken nur noch wenig.

Sie hat das selber auch so gesehen. Wir hatten intensive Gespräche. Sie hat auch noch sehr klar einige Wünsche geäußert: Der Pfarrer sollte kommen. Der Pfarrer kam. Vom Therapiehund Largo wollte sie sich verabschieden. Largo trat zum Abschiedsbesuch an. Dann wünschte sie sich noch, daß sie Günter noch mal sehen will. Der war im Ausland und nicht erreichbar - zumindest bis Ende April nicht. Im Warten auf ihn kam dann doch noch die Wende.

Sie lebt. Dass es ihr gut geht, kann man nicht sagen. Im Moment hat sie wieder große Schmerzen. Die Medikation greift wieder mal nicht richtig. In den letzten Wochen war sie bei den Besuchen immer sehr aggressiv. Als ich gestern zu ihr kam, trank sie gerade im Gruppenwohnzimmer Kaffee und sagte vor versammelter Mannschaft, was sie bis jetzt immer nur in Zweiergesprächen äußerte: Kann ich nicht eine kurze, schwere Krankheit bekommen, damit ich endlich sterbe.

Ich bin müde und erschöpft und finde, daß das alles an der Grenze des Erträglichen ist. Und als ob das nicht alles schon mehr als genug wäre: Vor vier Wochen hatte Günter einen Fahrradunfall ...
31.5.10 21:00


Glück im Vergessen...

28. April 2010

... heißt eine Sendung, die heute abend und morgen mittag auf 3sat ausgestrahlt wird:

Demenz macht zuerst einmal Angst. Doch Demenzkranke können in Würde leben, durchaus noch Lebensqualität haben und sogar glücklich sein. Das ist für viele ebenso schwer vorstellbar wie die Tatsache, dass auch Angehörige, die Kranke pflegen, Glücksmomente erleben können. - Der Film zeigt, dass Glück im Vergessen möglich ist, wenn den Menschen entsprechend geholfen wird. Demenz macht zuerst einmal Angst. Doch Demenzkranke können in Würde leben, durchaus noch Lebensqualität haben und sogar glücklich sein. Das ist für viele ebenso schwer vorstellbar wie die Tatsache, dass auch Angehörige, die Kranke pflegen, Glücksmomente erleben können. In der Memory-Klinik des Zürcher Waidspitals werden Demenzkranke und ihre Partner betreut. Dank frühzeitiger Diagnose und entsprechender Behandlung können sie lange ein gutes Leben führen: Eine Patientin darf sogar noch Auto fahren, ein anderer hat trotz Demenz gelernt, das Internet zu nutzen. Das Glück darüber teilen die Demenzkranken mit ihren Angehörigen, die ohne Hilfe hoffnungslos überfordert wären. Der Film "Glück im Vergessen?" zeigt, dass Glück im Vergessen möglich ist, wenn den Menschen entsprechend geholfen wird, und dass selbst Patienten mit fortgeschrittener Demenz nicht früh ins Pflegeheim müssen, wenn eine gute Tages- oder Nachtklinik einspringt.

28. April um 20.15
29. April um 13.40 in 3 sat
28.4.10 13:47


Autofahren und Alzheimer

18. April 2010

Aus der Angehörigenselbsthilfegruppe weiß ich von Leuten, die ihre kranken Ehepartner noch zu Hause pflegen, was für ein schwieriges Kapitel die Frage "Autofahren mit Demenz" ist und wieviel Streit und Auseinandersetzungen es darüber gibt. In unserer Kultur ist das Auto ein Zeichen von Selbständigkeit, Unabhängigkeit und Autonomie und oft auch ein Statussymbol. Verständlich, daß es dementiell veränderten Autofahrern schwer fällt, nicht mehr ein Auto zu steuern. Und oft merken die Angehörigen die Einschränkungen früher als der Erkrankte. Er will sich ja auch beweisen, was er kann, daß es doch nicht so schlimm ist. Und auf vertrauten Wegen geht Autofahren auch relativ lang.

In den letzten Wochen war immer wieder davon zu lesen, daß Demenzkranke Unfälle verursacht haben, bei denen die Unfall"gegner" zu Tode kamen. Anfang dieser Woche ging folgender Vorfall durch die Berliner Lokalpresse:

Auf dem Berliner Ring Höhe Hohenschönhausen ereignete sich ein tragischer Verkehrsunfall.

Ein 82-jähriger hatte sich wahrscheinlich falsch auf der A10 orientiert und fuhr in Geistefahrersicht auf der zweiten Überholspur ganz recht. Dort stiess er frontal mit einem anderen Fahrzeug zusammen.

Die Fahrerin des anderen Fahrzeuges, eine 54-jährige Frau, erlag im Krankenhaus ihren Verletzungen. Der 82-jährige Geisterfahrer war sofort tot.

Wie es bei der Polizeiwache in Bernau hieß, war der alte Mann am Sonnabend von seinen Verwandten in Sachsen-Anhalt als vermisst gemeldet worden. Diese hatten ihn als „hilflos und zeitweise orientierungslos“ geschildert, er litt an der Alzheimer-Krankheit.

Noch ist ungeklärt, warum sich der Mann den Wagen seines Sohnes nahm und wo er auf die falsche Fahrbahn geriet.

Trotz allem: Es macht mich wütend, wenn ich sowas lese. Autoschlüssel gehören so aufbewahrt, daß niemand anders darauf Zugriff hat, weder ein abenteuerlustiger jugendlicher Sohn noch ein dementiell veränderter Vater. Wegen eines solchen leichtsinnigen Verhaltens mußte eine 54jährige Frau sterben.
18.4.10 13:28


Wie erklärt man Demenzkranken, was Auferstehung ist?

14. April 2010

Seit etwas mehr als einer Woche geht es Mama sehr schlecht. Sie ißt nur noch minimal bis gar nicht und trinkt zwischen 250 und 400 Milliliter. Auf den monatlichen Gottesdienst, der gestern stattfand, hat sie sich schon lange gefreut. Der war dem Thema "Auferstehung" gewidmet. Als Geschenk gab es für jede/n einen Weidenkätzchenzweig, weil der ein Symbol für Auferstehung sei.

Und als der Herr Pfarrer erzählte, wie man sich das mit der Auferstehung vorstellen muß, da hätte man in der Kirche eine Stecknadel fallen hören können. Er tat das anhand einer Geschichte, in der Zwillinge im Mutterleib sich unterhalten. Der eine ahnt, daß es noch mehr geben muß als das, was sie im Mutterleib erleben: Licht, Luft etc. Der andere hält sich immer an das, was er jetzt erlebt und was für ihn völlig ausreichend und in Ordnung ist. Mama hat das sehr gefallen, denn sie ist ein zweieiiger Zwilling.

Als dann zum Abschluß des Gottesdienstes "so nimm denn meine Hände" gesungen wurde, da war sie ganz glücklich. Am Abend davor wollte sie das nämlich singen und konnte die Melodie und die ersten drei Zeilen. Sie war ganz enttäuscht, dass ich das Lied nicht kannte. Als ich das dem Pfarrer erzählte, durften wir ein Gesangbuch mitnehmen.
14.4.10 19:00


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