Alzheimer - und dann?

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9.4.09 23:09


Kirche ja - Gottesdienst nein!

6. März 2009

Diese Woche war wieder Gottesdienst. Als ich ins Gruppenwohnzimmer kam, wollten gerade zwei Mitarbeiterinnen Mama für den Gottesdienst eine Jacke anziehen. Das gestaltete sich schwierig, weil Mama sagte, daß sie nicht in den Gottesdienst will. Großes Erstaunen, denn Mama geht immer gern in die Kirche. Ich tat so, als ob ich nichts gehört hätte, begrüßte sie und meinte, wir wollten doch heute in die Kirche gehen. Ja, klar! "Der Gottesdienst fängt bald an, wir müssen langsam los, aber Du brauchst noch eine Jacke, weil es draußen kalt ist". Nein, in den Gottesdienst wollte Mama nicht, denn "das war letztes Mal ganz anders". "Günter wartet unten auf uns, damit wir gemeinsam in die Kirche gehen. Das wolltest Du doch." Ja, klar.

Das Ganze hörte sich etwas verquer an. Aber inzwischen hatte Günter den Sozialarbeiter getroffen, und der erzählte, daß der Gottesdienst letztes Mal leider nicht in der Kirche stattgefunden hatte, weil man verhindern wollte, daß jemand auf der glatten Straße auf dem Weg zur Kirche ausrutscht. Deshalb war der Pfarrer ins Haus gekommen, und der Gottesdienst hatte im Atrium stattgefunden. Das Atrium ist ein schön gestalteter Raum mit einem Fenster in der Decke, gemütlichen Möbeln und einem Klavier. Mama war dort schon öfter zu Veranstaltungen, und ich bin auch gelegentlich mit ihr dort. Aber die Kombination Atrium und Gottesdienst (besonders ohne Orgel, aber mit Klavier) war offensichtlich nicht ihr Fall.

Der kleine Kirchenraum war zu zwei Dritteln gefüllt ohne daß wie sonst meistens noch Teilnehmer von Demenzwohngruppen aus der Gegend oder aus Familien da gewesen wären. Sonst reicht der Altarraum völlig aus um dort diejenigen hinzubringen, die im Rollstuhl sitzen. Dieses Mal aber stand noch ein großer Teil des Mittelganges mit Rollstuhlfahrerinnen voll.

Auch wenn der Gottesdienst im Atrium nicht Mamas Fall war, so hatte er offensichtlich eine gewisse Werbewirksamkeit, denn viele waren heute zum ersten Mal dabei. Der Gottesdienst für die Demenzkranken jagt die Gottesdienststatistik der Gemeinde ziemlich in die Höhe.

Als alle ihre Plätze gefunden hatten, begannen die Glocken einige Minuten zu läuten. Nach der Begrüßung wurde ein Lied gesungen. Danach kommt als Eingangspsalm meistens der Psalm 23 (der Herr ist mein Hirte), das unter reger Beteiligung der Anwesenden gesprochen wird. Das Thema war "Rosen". Auf dem Altar standen zwei große Vasen mit roten Rosen, auf die der Pfarrer immer wieder Bezug nahm. Er brachte Situationen in Erinnerung, zu denen die Teilnehmerinnen Rosen geschenkt bekommen haben. Und die Blume als Symbol für Leben an sich wurde auch thematisiert.

Photobucket


Gegen Ende wurden die Blumen dann verteilt. Es wurde auch wieder recht viel gesungen. Strophe 14 oder 15 von irgendeinem Choral ist überhaupt kein Problem. Ich finde das bei Liedern, die ich nicht kenne, durchaus nicht immer einfach, mir die längeren Strophen nach einmaligem Vorsprechen vom Pfarrer zu merken, aber ich kann ja auf das Liederbuch zurückgreifen. Aber für viele von denen, die nicht mehr lesen können, scheint das keine Schwierigkeit zu sein. Es wird immer sehr kräftig mitgesungen.

Da Günter und ich Mama unsere Rosen überließen, saß sie dann in ihrem Zimmer ganz glücklich vor den drei Rosen und meinte: "Hier würde ich am liebsten jeden Tag fünf mal in die Kirche gehen". Übernächsten Sonntag wäre wieder Gemeindegottesdienst, aber da kann ich leider nicht. Leider habe ich immer noch keine Lösung dafür, wie Mama am Gemeindegottesdienst teilnehmen kann.
6.3.09 16:23


2.3.09 04:08


Brief von Mama

1. März 2009

Bei demenzkranken Menschen taucht immer wieder die Frage auf, was sie von ihrer Krankheit mitbekommen, wie sie die Veränderungen an sich wahrnehmen und wie sie das selber erleben.

Schon lange hat Mama nichts mehr geschrieben, was mehr mit der eingeschränkten Bewegungsfähigkeit ihrer Hände als mit der Demenz zu tun hat. Heute fand ich auf dem Tisch in ihrem Zimmer einen Brief an mich vor. Die ersten Worte waren etwas krakelig geschrieben, aber dann war alles ganz deutlich und klar:

Liebe ...
Es geht nur so wenig
mehr ist nicht.
Es tut mir leid, es war einmal!!!
mußt halt gucken,
es war einmal, tschau!
1.3.09 00:47


Pflegeheimskandal in Zürich: Demenzkranke nackt gefilmt

26. Februar 2009

Ich bin fassungslos. Gerade kam ein Bericht in den Nachrichten über das größte Pflegeheim in Zürich. Mit Handys haben Pflegepersonen demenzkranke Frauen gefilmt.
Mehr dazu in diesem Bericht.
27.2.09 00:28


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