Alzheimer - und dann?

  Startseite
    alltäglich
    Bücher / Medien
    tierisches
    merkwürdig
    künstlerisch
    lyrisch-literarisch
    personelles
    medizinisches
    Humor
    Begehren
    spirituell-religiös
    Praktisches
    wissenschaftlich
    Rechtliches
    Amtsschimmel
    Politisches
    Projekte
    Promis
    Veranstaltungen
    Interkulturelles
    Kurioses
    Meta-Blog
  Über...
  Archiv
  Blogroll
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



  Links
   Alzheimer und Demenz
   Alzheimerforum
   Altern in Würde
   Kunst des Alterns
   Patientenleitlinien Demenz
   Deutsche Alzheimer Gesellschaft
   Betreuungsrecht
   Spirituality and Dementia Ressources
   Nahrungsverweigerung bei Demenzkranken



gratis Counter by GOWEB
Gratis Counter by GOWEB
Locations of visitors to this page

http://myblog.de/alzheimer

Gratis bloggen bei
myblog.de





Kann wirklich jeder einen Demenzkranken pflegen?

31. August 2008

Immer in der Sonntagsausgabe des Tagesspiegel darf ein Leser einen Politiker nach seiner Meinung zu einer Fragestellung des aktuellen Tagesgeschehens fragen. So auch heute. Dieses Mal schreibt Maria Schulze an Ulla Schmidt. Sie beendet ihre Anfrage mit folgender Einschätzung:

... Jetzt sollen Laienpflegekräfte mit einem 160-Stunden-Lehrgang auf Menschen mit Demenzerkrankung losgelassen werden. Diese Erkrankten brauchen aber erst recht professionelle Pflege, um zu fördern und das Wenige, was noch da ist, zu erhalten. Es ist nicht realistisch zu glauben, dass diese Laienpfleger nur zum Zeitungvorlesen oder Ähnlichem herangezogen werden würden. Die besten Beispiele zeigen die Zivildienstleistenden in den Einrichtungen.

Die Zivis werden als vollwertige Arbeitskraft eingesetzt und sind oft eigenverantwortlich auf Stationen eingesetzt. So würde es jedem Laienpfleger auch gehen. Und es werden Fehler gemacht, viele Fehler. Aber man kann es diesen armen, völlig überforderten Laienpflegekräften nicht übel nehmen, denn sie tun wirklich ihr Bestes. Aber das allein reicht eben nicht.

Menschen zu pflegen ist eine hochqualifizierte Arbeit. Dies werden Menschen, welche von qualifizierten Pflegekräften gepflegt wurden, bestätigen.

Was Ulla Schmidt antwortet, steht hier.

Die Bundesagentur für Arbeit hat sich inzwischen dazu geäußert, wie der Verdienst diese Pflegeassistenten sein soll: Regional unterschiedlich, und zwar ist an sieben bis acht Euro brutto gedacht.

Letzte Woche hat mir eine Mitarbeiterin von Mamas Wohngruppe erzählt, daß ihr Erschöpfungsgrad um Einiges höher ist, wenn sie mit Aushilfen arbeiten mußte.
31.8.08 15:22


Wer pflegt erbt mehr ...

28. August 2008

Unter dieser Überschrift berichtet die taz über eine geplante Gesetzesänderung:

Das Justizministerium plant eine Reform des Erbrechts. Wichtigste Neuerung: Persönliche Pflegeleistungen sollen bei der Verteilung des Erbes berücksichtigt werden. Konkret heißt das: Erst wird die Pflegeleistung honoriert, dann das Erbe geteilt. Profitieren werden davon viele Frauen

Bis jetzt allerdings nur die blutsverwandten. Die Schwiegertöchter, die ihre Schwiegermütter pflegen, fallen bis jetzt noch durch das Raster. Das Interview mit Justizministerin Zypries steht hier.
28.8.08 21:29


Ihre Realität - unsere Realität - gemeinsame Realität

25. August 2009

Manchmal staune ich, dass die dementiell veränderte und die „normale“ oder gemeinsame Realität nur zwei Sätze auseinanderliegen. Am Samstag hatte Helga, Kollegin von Margit, als Servicekraft Dienst. „Dass die Helga jetzt heute hier arbeitet“ sinniert Mama vor sich hin. „Die wäre jetzt am Wochenende wahrscheinlich auch lieber bei ihrer Familie“. Helga, die das gehört hat, dreht sich zu Mama und schlägt vor: „Sie können mir ja freigeben“. Mama überlegt. Ich gebe zu Bedenken: „Wenn Helga aber jetzt heimgeht, wer soll sich dann um das Abendessen kümmern und was sonst noch so im Haushalt hier anfällt?“ Helga sagt: „Heute gibt es zum Abendessen belegte Brote. Aber morgen ist Sonntag. Da machen wir dann was Besonderes zu Abend. Wenn Ihnen was einfällt, worauf Sie Lust haben, dann sagen Sie bescheid.“

(Anmerkung: Das Mittagessen wird in einer zentralen Küche gekocht, wobei jeden Tag zwei Gerichte zur Auswahl stehen. Das Frühstück und das Abendessen bereitet die Servicekraft in der Wohngruppe zu. Außerdem wird dreimal wöchentlich in der Wohngruppe gebacken, an den anderen Tagen kommt der Kuchen auch aus der Küche)

„Die Helga ist eine ganz Nette. Die bekommt eine Wohnung hier sobald was frei ist. Wollen Sie hier einziehen?“ fragt Mama Helga. „Gerne, aber im Moment ist ja alles besetzt“. Ich kann überhaupt nicht einordnen, was der Wortwechsel bedeutet. Helga klärt mich auf: „Ihrer Mutter gehört doch das ganze Haus hier“. Ach so, das wusste ich bis jetzt noch nicht. Mir war in der letzten Zeit nur aufgefallen, dass Mamas Verarmungsängste nicht mehr Thema waren.

Etwas später sind wir ein Stockwerk höher, weil Mama nachschauen wollte, ob „dort alles in Ordnung ist“. Als ich mich in einer Sitzgruppe niedergelassen habe, fragt mich Mama: „Sag mal, wie haben wir das eigentlich gemacht mit der Finanzierung von diesem großen Haus?“ Ich schnappe nach Luft und sage: „Und das soll ich jetzt im Detail wissen, wo Du doch immer für die finanziellen Sachen zuständig warst.“ Mama ist mit dieser Auskunft zufrieden und stellt fest: „Das ist wirklich ein Glücksfall, dass wir den Alex, die Helga und die Julia hier haben“. Das sind die Mitarbeiter, die gerade Dienst haben, wobei ihr alle Namen eingefallen sind ohne dass wir akut über sie gesprochen haben.

In solchen Momenten lüge ich gern, weil es Mamas Lebensqualität steigert. Und ich brauche kein Buch darüber veröffentlichen „warum ich meine demente Mutter belüge“, wobei ich gar nichts gegen das Buch von Cyrille Offermans sagen will. Ich kenne es schlicht und einfach nicht.


Rezensionen: Cyrille Offermans: Warum ich meine demente Mutter belüge
25.8.08 10:06


Abgefertigt

23. August 2008

"Ihre Mutter hat den Neurologen diese Woche aber ganz schön abgefertigt" erzählt mir eine Mitarbeiterin, die das hörbar amüsiert hat. Ich kann es verstehen, denn der Herr Doktor ist manchmal schon etwas von oben herab - so nach dem Motto Ich-und-die-nicht-medizinische-Welt. Das Ganze hat sich folgendermaßen abgespielt:

Mama war gerade mit einer Zeitschrift beschäftigt als der Neurologe kommt, der vierzehntägig in der Wohngruppe ist um mit den Mitarbeiterinnen zu besprechen, wie man welche Bewohnerinnen fördern kann. Er ist von seiner ganzen Art her etwas hölzern.

An diesem Morgen stellt er Mama einige Fragen. Er ist überrascht, denn aus ihren Antworten ist an diesem Tag überhaupt nicht erkennbar, daß sie an Demenz leidet. So bleibt er neben ihr etwas unschlüssig stehen. Soll er noch weiterfragen oder sich verabschieden.

Mama hat genug von der Fragerei. Sie will ihre Lektüre fortsetzen und läßt den Herrn Doktor wissen: "Das reicht jetzt. Ich will weiterlesen. Wenn Sie noch was wollen, dann rufen Sie an und lassen sich einen Termin geben. Schönen Tag noch", greift zu ihrer Zeitschrift und liest weiter.


Mehr von Mama, dem Neurologen und dem Mini-Mental-Statustest steht hier.
23.8.08 21:57


30 Stunden Crash-Kurs sind genug

21. August 2008

Nun ist das AlibiAusbildungskonzept der Krankenkassen raus: 30 in Worten d r e i s s i g Stunden Crash-Kurs sind zumindest bis 2009 genug:

Die Krankenkassen legen das Ausbildungskonzept für Arbeitslose vor, die künftig Demenzkranke betreuen sollen. Bis Ende 2009 gilt: Nach 30 Stunden Schulung sind sie Pflegeassistent.
schreibt die taz von heute und kommt zu dem Fazit:
... Die Wohlfahrtsverbände warnen darum vor einer Schmalspurschulung. Die gesetzlichen Krankenversicherungen haben bei der Ausbildung in den vergangenen Wochen offenbar Abstriche gemacht: Der Bundesverband privater Anbieter pochte im Juli auf eine weniger umfangreiche Ausbildung, etwa beim theoretischen Unterricht.

Vor allem aber, so fordern es die Privaten, sollen die Betreuungskräfte gleich und nicht erst nach Abschluss der Ausbildung eingesetzt werden. Die Richtlinie der Kassen kommt diesem Wunsch der privaten Heimbetreiber entgegen: Bis Ende 2009 gilt eine Übergangsreglung, nach der die angehenden Pflegeassistenten schon nach einem 30-stündigen Einführungskurs auf den Stationen mitanpacken. Die restlichen Qualifikationen erwerben sie neben der Arbeit.
Also an den privaten Heimbetreibern liegt es. Das heißt es geht um Gewinnmaximierung.

Und der Artikel endet:
Bernhard Roth graust es vor solchen Crashkursen. Er ist Geschäftsführer eines Pflegeheims des Arbeiter-Samariter-Bundes in Homburg im Saarland. Seit April setzt er zwei 1-Euro-Jobber als zusätzliche Betreuer auf der Demenzstation ein. "Wir wollten wissen, ob Langzeitarbeitslose den Pflegebedürftigen einfache Unterhaltungsmöglichkeiten wie Vorlesen oder Spazierengehen bieten können."

Roths Fazit: Besser nicht. Die Stellen müssten seiner Meinung nach mit professionellen Altenpflegern, am besten mit Sozialpädagogen besetzt werden. Die Betreuung von Demenzkranken sei eine anspruchsvolle Aufgabe. "Es geht ja nicht nur ums Basteln."

Der vollständige Artikel ist hier .
21.8.08 22:01


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung