Alzheimer - und dann?

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Und bist du nicht willig ... Gewalt im Alter

7. April 2010

Unter diesem Thema findet am Mittwoch den 14. April das 15. Gütersloher gerontopsychiatrische Symposium statt.

Vorträge gibt es zu folgenden Themen:
- Gewalt und moderne Gesellschaft – ein Gegensatz?
- Wer ist hier eigentlich gewalttätig? Ausdruck, Ursachen, Möglichkeiten der Gewalt gegen Pflegende
- Tatort Altenheim: Das Klima ist Leitungssache
- Gewaltdeeskalation durch Architektur
-Alterssuizid ein Gewaltphänomen der modernen
- Jung in den Krieg – Alt mit Trauma?

Auch die neun Workshopthemen hören sich sehr interessant an:

W1: Freiheit und / oder Sicherheit Freiheitsentziehende Maßnahmen im Alter

W2 Häusliche Gewalt erkennen und verhindern Mut zur Offenheit

W3 Ethik in der Altenhilfe – welche Gewalt tun wir uns und den Altenmenschen an

W4 Gewaltphänomene im Heim

W5 Gewalt-Deeskalation in der Gerontopsychiatrie

W6 Warum ist sie/er so wütend? Aggression und Gewalt in der Pflege

W7 Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg

W8 Friss oder stirb!

W9 Home, sweet Home?

Wer noch mehr Infos braucht, findet sie hier .
7.4.10 12:58


Suchanfragen

6. April 2010

Der Herr Kinderdoc hat sie. Und die Frau Pharmama auch: die Rubrik „Suchanfragen“. Nachdem die meisten Leser über Suchmaschinen zum Alzheimer-Weblog kommen, habe ich mir mal angeschaut, was denn die häufigsten Suchbegriffe oder Formulierungen sind, die hierher führen. Witzige und schlagfertige Kommentare habe ich leider nicht zu bieten, denn die Suchbegriffe bilden vorwiegend Situationen ab, in denen Menschen wegen der Demenz an ihre Grenzen kommen und nicht mehr weiterwissen. Hinter den meisten Suchanfragen vermute ich eine Not, Hilflosigkeit oder Ratlosigkeit. Gelegentlich ist es eine Informationssuche, wenn beispielsweise „Beschäftigungsangebote bei Demenz“ eingegeben wird.

Der Spitzenreiter unter den Suchbegriffen ist:
herausforderndes Verhalten: Früher sprach man von Verhaltensstörungen später von Verhaltensauffälligkeiten oder Aggressionen, dann wurde verhaltensoriginell politisch korrekt und jetzt sind wir bei herausforderndem Verhalten. Wie auch immer: Demenz bringt Betroffene, Angehörige und Fachkräfte an ihre Grenzen, und oft in Kontakt mit Aggressionen, was eines der großen Tabus ist. Holen Sie sich Hilfe von außen bei Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen oder als Fachkraft in der Supervision. Manche Wohlfahrtsverbände bieten Sorgentelefone für pflegende Angehörige an. Leider sind die nicht immer dann besetzt, wenn jemand in einer akuten Krisensituation Hilfe braucht. Dann rufen Sie die Telefonseelsorge an. Die ist bundesweit rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar unter 0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222.

Pflegeheim rechtsfreier Raum hoffentlich nicht. Wenn Gespräche mit Mitarbeitern oder der Heimleitung nicht weiterführen, dann gibt es den Heimbeirat. Bei Mißständen im Pflegeheim ist die Heimaufsicht zuständig.

Altersaggressivität eine der größten Belastungen für Betroffene und Angehörige. Pauschal kann man so nichts dazu sagen.

Frühdemenz kommt ab dem 5. Lebensjahrzehnt, manchmal sogar früher vor.

Sparkonto auflösen kann derjenige, der es eingerichtet hat oder die Person, die eine Bankvollmacht oder eine Generalvollmacht hat. Wenn jemand vom Gericht unter Betreuung gestellt wurde, regelt das Gericht, wer die Vermögenssorge hat. Diese Person kann dann das Sparkonto auflösen.

Wie lange dauert die Auflösung eines Sparkontos Das hängt davon ab, wie das Geld festgelegt ist. Da gibt es Kündigungsfristen die einzuhalten sind. Und wenn man Pech hat, dann muß man sich mit der Bank herumärgern, weil die versucht zu bluffen – zu ihren Günsten natürlich. Deshalb: Genau die Vertragsbedingungen lesen.

Ziegenhusten Ich kenne nur Ziegenpeter - so nannte man früher auch die Kinderkrankheit Mumps. Vermutlich hat die Lieblingsziege meiner Mutter (Foto hier) , die Husten hatte, den Fragesteller hierher gebracht. Aber über Ziegenhusten befragen Sie am besten den Tierarzt Ihres Vertrauens.

Einverständniserklärung zur Fixierung versuchen sich manche Heime von Angehörigen, die gesetzliche Betreuer sind, geben zu lassen. Das ist jenseits der Legalität, denn über die Art und Dauer einer Fixierung darf nur ein Richter nach persönlicher Inaugenscheinnahme entscheiden. Wenn jemand in einer aktuen Notsituation fixiert wird, dann muß der Richter innerhalb von 24 Stunden hinzugezogen werden. Wenn Sie als Angehöriger bedrängt werden einer Fixierung zuzustimmen, dann bestehen Sie darauf, dass Fachleute hinzugezogen werden.

Firmenname Bauchgurt Bitte nicht! Ich sag’s wie es ist, auch wenn es sich unappetitlich liest: Bauchgurt ist das fieseste, was man sich vorstellen kann. Wer mit einem Bauchgurt fixiert ist, kann sich nicht bewegen und liegt in seiner Scheiße. Und da wird er auch ziemlich lange liegengelassen. Denn wer fixiert wurde, löst in den Fachkräften nicht unbedingt positive Gefühle aus. Einmal habe ich Mama so im Krankenhaus vorgefunden. Das wünscht man nicht einmal seinem schlimmsten Feind.

Wohnungskündigung geht auch bei Dementen, die unter Betreuung stehen nur über die Zustimmung des Amtsgerichts. Selbst wenn man uneingeschränkt die Betreuung für alle Lebensbereiche hat, darf man als Betreuer eine Wohnung nicht auf eigenen Beschluß kündigen, weil das gegen das Interesse des Betreuten sein künnte, und der Betreuer das vielleicht nur aus Eigeninteresse tut. Wegen dieses möglichen Interessenkonflikts muß das Amtsgericht eingeschaltet werden und eine Zustimmung erteilen. Dieses benennt einen Verfahrenspfleger. Dieser spricht dann mit den verschiedenen Parteien (Kranker, Angehörige / Betreuer, Arzt) und erstellt dann ein Gutachten, in dem er das befürwortet oder ablehnt. Der Verfahrenspfleger hat in diesem Fall den Auftrag herauszufinden, ob und inwieweit der Erkrankte noch alleine in seiner Wohnung leben könnte.

Was tun bei Nahrungsverweigerung So viel wie möglich motivieren. Um auf die nötige Kalorienmenge zu kommen hilft möglicherweise hochkalorische Nahrung, die es von unterschiedlichen Firmen in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen gibt. Da Heime oft Verträge mit bestimmten Herstellern haben, sollten Sie – das geht auch übers Internet – Proben von verschiedenen Herstellern bestellen. Ihr Angehöriger muß nicht unbedingt die Geschmacksrichtungen der Firma mögen, mit denen das Heim verbandelt ist. Vielleicht kann Ihnen auch eine Ernährungsberaterin weiterhelfen? Auch auf der Internetseite Nahrungsverweigerung bei Demenzkranken finden sich hilfreiche Hinweise.

Muss ich Magensonde zustimmen Nein. Allerdings sollten Sie vorsorgen, dass Sie sich nicht in einer Situation wieder finden, in der Sie vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Wenn eine Magensonde gelegt ist, ist deren Entfernung bei Dementen nicht mehr durchsetzbar. Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie ein Dokument des Kranken aus gesunden Tagen haben, in dem eine entsprechende Willenserklärung mit Unterschrift zweier Zeugen niedergelegt ist. Wenn Ihr Angehöriger sich im Anfangsstadium der Krankheit befindet, dann versuchen Sie möglichst noch Regelungen herbeizuführen, am besten mit Hilfe eines Notars.

Warum läuft Wäsche ein Wahrscheinlich weil sie zu heiß gewaschen wurde. Wenn Sie keine größeren Probleme im Zusammenhang mit Alzheimer haben, dann herzlichen Glückwunsch.
6.4.10 20:32


Rollenwechsel: Ach, der Herr Pfarrer ...

5. April 2010

... freut sich Mama in letzter Zeit immer wieder, wenn mein Freund mitkommt oder sie alleine ohne mich besucht, obwohl er überhaupt keine Ähnlichkeit mit dem Pfarrer hat, an dessen Gottesdiensten sie gern teilnimmt. Vor vierzig Jahren hatte sie mal einen positiven Kontakt mit einem evangelischen Pfarrer, der sah aber völlig anders aus. Ansonsten hat sie in ihrem Erwachsenenleben die kirchlichen Erfahrungen ihrer katholischen Kindheit, der Klosterschule und eines katholischen Internates hinter sich gelassen, denn da spielte die Hölle eine zentrale Rolle. In die kommt man, wenn man eine "Todsünde" begangen hat. So hat sie es gelernt und so wurde es auch vielen anderen vermittelt. Und Todsünde war beispielsweise, wenn man der "Sonntagspflicht" nicht genüge getan hat. "Sonntagspflicht" hieß in katholischen Kreisen vor einigen Jahrzehnten die verpflichtende Teilnahme an der Sonntagsmesse. Auch wenn man vor dem Empfang der heiligen Kommunion etwas gegessen hat, dann war das Todsünde. Todsünde war aber auch, wenn man als Katholik eine evangelische Kirche betreten hat.

Ich erinnere mich an ein Praktikum während meines Studiums in einer Beratungsstelle. Eine katholische ältere Frau war völlig verzweifelt, weil sie am Karfreitag - der nach katholischem Verständnis ein Fastentag ist - beim Zähneputzen versehentlich einen Schluck Wasser verschluckt hatte. Sie sah nun die "Feuer der ewigen Verdammnis" - so nannte sie das - auf sich zukommen. Ihr halfen Gespräche mit einem verständnisvollen Priester, den ich ihr vermitteln konnte.

Wenn in den letzten Wochen in den Medien viel über Mißbrauch in der katholischen Kirche die Rede ist, so gehören meiner Meinung nach auch solche Erfahrungen dazu. Zwar ist das kein sexueller Mißbrauch, aber ich würde es als "spirituellen Mißbrauch" bezeichnen. Und auch der ist schlimm, denn meiner Meinung nach sind Sexualität und Spiritualität die Lebensbereiche, in denen wir Menschen am verletzbarsten sind.

Einen Ausweg gab es aus der Todsünde: Die persönliche Beichte bei einem katholischen Priester. Im Religionsunterricht wurde auswendig gelernt und es wurden Horrorszenarien gemalt: "Wer hat letzten Sonntag nicht seiner Sonntagspflicht genügt? Der muß so schnell wie möglich zur Beichte gehen. Denn stellt Euch vor, wenn ihr auf dem Weg von der Schule nach Hause einen Unfall habt und sterbt und eine Todsünde habt, die ihr nicht gebeichtet habt, dann kommt ihr in die Hölle." Diesen Gott hat Mama in ihrem Erwachsenenleben also hinter sich gelassen und nur an etwas geglaubt, was sie "ausgleichende Gerechtigkeit" genannt hat, und was ich - ehrlich gesagt - nicht verstanden habe.

In Mamas Pflegedokumentation der letzten Wochen steht vom Nachtdienst-Mitarbeiter mehrmals der Eintrag: "Bewohnerin verlangt nach Pfarrer".

So ist also mein Freund, klassisch evangelisch aufgewachsen, nicht allzuviel mit Kirche am Hut und in völlig anderen Bereichen beruflich tätig, immer wieder der "Herr Pfarrer". Er verabschiedet sich dann nach einer Viertelstunde, weil ja auch "andere auf mich warten", dreht eine Runde im Garten. Wenn er dann wieder kommt, erkennt sie ihn und spricht ihn mit seinem realen Namen an.

Vor zwei Jahren hatte sie mit ihm - als meinem Freund - da war er nicht der "Herr Pfarrer" einige Gespräche über ihre Ängste vor der Hölle. Er sagte ihr, dass wir alle in unserem Leben Dinge falsch machen. Wenn ihr solche Dinge einfallen, die ihr leidtun, dann soll sie einfach Gott sagen, dass ihr das leid tut.

Und das reicht? fragte Mama.
Ja, das reicht, meinte mein Freund.

Das hat ihr anscheinend geholfen, denn Angst vor der Hölle war seitdem kein Thema mehr. Und sie lebt bei ihm bestimmte Bedürfnisse aus.

Als er bei einem gemeinsamen Besuch sich als "Herr Pfarrer" verabschiedet hat, frage ich:

Den Herrn Pfarrer, den magst Du gern, gell?
Ja, der hat so viel Verständnis und strahlt so viel Geborgenheit aus.

Nun sei es denn so.
5.4.10 22:51


Osterbesuch

4. April 2010

Der heutige Besuch bei Mama ist schwer in Worte zu fassen, und vielleicht spiegelt sich in meiner Sprachlosigkeit ihre Sprachlosigkeit. In den letzten Wochen haben ihre sprachlichen Fähigkeiten rapide abgenommen. Die meisten ihrer Sätze blieben in der Luft hängen und gaben gar keinen Sinn. Sie quält sich und sucht Worte, die sie nicht mehr zur Verfügung hat. Dann greift sie auf Textbausteine zurück. Damit ist sie aber auch nicht zufrieden, weil sie eigentlich was anderes ausdrücken will. Das macht sie verständlicherweise aggressiv. Sie möchte sich ja mitteilen und verstanden werden. Immer wieder begann sie die hartgekochten Ostereier und die Schokoladenkäfer zu zählen und kam zu keinem Ergebnis. Dann versucht sie den Titel des Buches auf ihrem Tisch zu entziffern und sie - die einstige Leseratte - buchstabiert mühsam: "Geröstet und geborgen" und schüttelt den Kopf, weil sie diese Welt nicht mehr zusammenbringt. Soll ich ihr jetzt mit "getröstet" helfen oder fühlt sie sich dann bevormundet und bloßgestellt. Ist Ablenken besser, aber wie? Und mir wird klar, daß sie das Wort "geborgen" nicht mehr kennt. Ich erinnere mich daran, dass für sie der zentrale und wichtigste Wert in der Beziehung mit meinem Vater "Geborgenheit" war.

Die Farben der Eier haben ihr gefallen, und ihre Stimme klang sehr ratlos als sie mich fragte, wie man an das Ei herankommen kann, wenn man es essen will. Ich sagte: "Wenn Du ein Ei essen magst, dann schäle ich es Dir". "Ach, schälen muß man das" fragte sie stockend nach. Das war einer von zwei für mich verständliche Gedankengängen während des ganzen Besuchs. Als ich das Ei schäle, mumelt sie versonnen: "ach, so macht man das". Als ich es ihr hinhalte - was sie aufgrund der Bewegungseinschränkung in den Händen nicht mehr selber kann - damit sie abbeißen kann, weiß sie nicht, was ich jetzt von ihr will. Sie schaut mich fragend an. "Magst Du abbeißen?" Sie schüttelt den Kopf. Ich lege das Ei auf einen Teller und zerkleinere es mit einem kleinen Löffel und biete es ihr an. Sie nimmt es.

Weil es draußen kühl ist, sind wir im Haus unterwegs. Wir kommen an einem schwarzen Klavier vorbei. "Unser Klavier" sagt sie und will wissen, wann denn die Oma, bei der sie aufgewachsen ist und die 1959 gestorben ist, kommt. "Die backt jetzt noch Kuchen, weil heute Sonntag ist, dann kommt sie". Mama ist mit dieser Antwort zufrieden. Es sind kurze Momente, in denen es eine Brücke gibt.


Ostern 2010
4.4.10 23:37


Alzheimer & You ...

14. März 2010

heißt ein Internetangebot der Deutschen Alzheimergesellschaft, das sich speziell an Jugendliche richtet. Neben einem reichhaltigen Informationsangebot gibt es auch ein Forum, in dem Fragen gestellt werden können sowie Hinweise, wo sich die nächstgelegene Beratungsstelle findet

Alzheimer & You im Internet
14.3.10 17:06


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