Alzheimer - und dann?

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Frau Sonnenschirms Tochter

5. August 2008

Normalerweise ist der Altenheimblogger für Berichte über nervige Angehörige zuständig. Aber heute habe ich auch mal einen Beitrag zu dieser Spezies.

Mit anderen Angehörigen von Bewohnern habe ich wenig Kontakt. Wenn ich sie sehe, dann grüße ich sie. Und das war es dann schon. Frau Sonnenschirm heißt natürlich nicht so, aber der Liebste und ich nennen sie so, weil sie früher - als sie noch gesprochen hat - dauernd "Sonnenschiiiiirm" sagte, wenn ihr ein Wort nicht einfiel oder sie stärkere Zuwendung beanspruchen wollte.

Monatelang hat Frau Sonnenschirm die Mitarbeiter in besonderer Weise beansprucht. Wenn sich nicht eine Person ausschließlich mit ihr beschäftigte, dann brachte sie mit ihrem durchdringenden "Wo ist denn der Sonnenschiiiirm" die ganze Gruppe auf die Palme. Es war am Rande des Erträglichen.

Gelegentlich versucht Frau Sonnenschirms Tochter mit mir Kontakt aufzunehmen. Sie war mir immer eine Spur zu freundlich. Vor drei Wochen ließ mich Tochter Sonnenschein wissen, daß sie die Zustände im Heim skandalös finde. Sie sei regelmässig beim Heimbeirat vorstellig. Ob ich nicht auch fände, da müsse man was ändern.

Ich wußte nicht, was Tochter Sonnenschirm meint. Nun ist es am Wochenende - gerade in den Ferienzeiten so - dass immer wieder Aushilfskräfte eingesetzt werden. Finde ich auch nicht ideal, ist aber nicht zu vermeiden. Die Heimleitung will den Mitarbeitern, die im Wochenendfrei sind, Familienzeit gewährleisten.

Aber Tochter Sonnenschirm findet, die Wochenenddienste seien zu schwach besetzt, so rein zahlenmässig. Am beanstandeten Wochenende waren sechs Bewohnerinnen da. Für diese sechs Bewohnerinnen standen zwei Mitarbeiter zur Verfügung. Außerdem war auf dem ganzen Stockwerk für alle drei Wohngruppen noch die Wohnbereichsleitung anwesend. Ob Tochter Sonnenschirm weiß, was so üblich ist in deutschen Altenheimen?

Tochter Sonnenschirm läßt mich wissen, daß sie zwei bis dreimal wöchentlich käme, um "zu kontrollieren, dass hier alles richtig läuft". Ja, das ist der Unterschied zwischen uns: Ich komme um meine Mutter zu besuchen und sehe die Mitarbeiter als mein Gegenüber, mit denen ich dafür sorgen will, dass es Mama möglichst gut geht. Wenn ich was zu beanstanden habe, dann sage ich das direkt. Da brauche ich nicht den Umweg über den Heimbeirat.

Übrigens hat sich die Tochter Sonnenschein eine gute Einleitung für ihr Gespräch gesucht. Ob Mama denn neue Medikamente bekäme. Nein, wie sie darauf käme. "Weil Ihre Mutter viel besser drauf ist als vor eineinhalb Jahren als sie hierherkam" Woher das wohl kommt? Von Vernachlässigung bestimmt nicht.
5.8.08 23:14


Beschäftigungstherapie mal anders

23. Juli 2008

Frau Elsa hat uns gebeten zu fragen, ob Ihre Mutter früher gern gebadet hat - will eine Mitarbeiterin wissen. Ja, sage ich - warum?

Frau Elsa hat vorgeschlagen mit Ihrer Mutter therapeutisches Baden zu machen. Wir haben da ein spezielles Bad, aber das macht nur Sinn, wenn Ihre Mutter früher gern gebadet hat. Da Mama in den letzten Wochen wieder mehr Probleme mit chronischen Schmerzen hat, fand ich Entspannungsbäder eine prima Idee.

Aber Frau Elsa? Wer war gleich nochmal Frau Elsa? Der Name kommt mir bekannt vor, aber ich muß erst einmal in meinem Gedächtnis fischen.

Vor einigen Wochen kam ich - außer der Reihe - mal Montag nachmittags zu Besuch. Montag Nachmittag vermeide ich, weil da ist Beschäftigungstherapie. Mama hat es zwar nicht mit Kleben, Schneiden, Malen, Reißen, Kneten, Formen und was dergleichen mehr ist, aber sie sitzt bei der Gruppe, und was die anderen machen, das dient dann als Gesprächsanlaß, denn Mama ist verbal die mit Abstand Kommunikativste und legt ihren Schwerpunkt dann auf diesen Aspekt der Veranstaltung.

Als ich nun neulich just zu dieser Zeit in das Gruppenwohnzimmer kam, saß Mama mit dem Rücken zu mir und neben ihr eine Frau Anfang fünfzig, die ich noch nicht kannte. Da die anderen Bewohnerinnen mit allerlei Kreativem beschäftigt waren und entsprechendes Material auf den Tischen plaziert war, mußte das Ganze etwas mit Beschäftigungstherapie zu tun haben.

Frau Elsa - wie sie mir später erzählte seit einigen Wochen für das montagnachmittägliche Beschäftigungsangebot verantwortlich, saß neben Mama und wollte gerade aufstehen als sie mich bemerkte. Ich schüttelte den Kopf und hielt mich im Hintergrund.

Frau Elsa hatte die reichen Kräuterbestände ihres Gartens geplündert und war mit ihrer Ernte und Mama zugange. Sie rochen Kräuter, rieben Kräuter, schmeckten Kräuter und unterhielten sich über die Geruchs- und Geschmacksempfindungen und was man mit den einzelnen Kräutern machen kann. Meiner Mutter hat es offensichtlich gefallen, obwohl sie in frischer Form sicher nur Petersilie und Schnittlauch kennt. Alles andere gab es in meiner Kindheit nur im getrockneten Zustand.

Als nun die kräuterkundliche Sitzung beendet war, erklärte mir Frau Elsa auf meine Nachfrage, daß auch meine Mutter ein Recht auf Beschäftigungstherapie habe. Und wenn sie keine Lust auf Malen, Zeichnen, Kleben und dergleichen habe, dann müsse man sich für sie etwas anderes einfallen lassen. Ihr - Frau Elsa - würde da mit der Zeit sicher einiges kommen.

Dann wurde ich von Frau Elsa rangenommen, leider nicht auf dem Gebiet des Malens, Bastelns, Klebens und dergleichen, wo ich Spitze bin, sondern auch in der Kräuterkunde. Aber ich hatte mir einiges aus dem vorherigen Durchgang gemerkt, und konnte damit punkten. Nur den Waldmeister erkannte ich nicht. Frau Elsa konstatierte dann Mama gegenüber: "Ihre Tochter ist gartentauglich. Wir können Sie beide in den Garten entlassen", und damit durften wir Leine ziehen.
23.7.08 23:28


Abschied in Raten ...

21. Juli 2008

... ist ein neues Weblog zum Thema Demenz.
21.7.08 10:00


Ihr spinnt doch alle komplett!

10. Juli 2008

Als gesetzlicher Betreuer muß man in einem Heim alles mögliche unterschreiben, damit das Haus rechtlich abgesichert ist. So habe ich unter anderem unterschrieben:

- welche Impfungen bei Mama regelmässig durchgeführt werden sollen
- welche Apotheke die Medikamentenversorgung übernimmt
- daß sie an den Fahrten zum Tierbauernhof teilnehmen darf
- daß sie bei Ausflügen mitmachen darf
- daß nachts ihr Zimmer abgeschlossen werden darf, damit sie nicht von nachtaktiven Bewohnern im Schlaf gestört wird
- daß sie mit einem Dokumentarfilmprojekt mitwirken darf

Solche Unterschriften sind für mich mit einigen emotionalen Turbulenzen verbunden, weil sie einen mit der Veränderung der eigenen Rolle konfrontieren.

Heute ging es um Mamas nächsten Friseurbesuch. Sie fand nun endlich auch, daß es Zeit für einen neuen Haarschnitt ist. Als ich einen Mitarbeiter bat, sie für einen Friseurtermin anzumelden, fragte er mich: "Haben wir dafür eine schriftliche Genehmigung?"

Mamas lautstarker Kommentar: "Eine Genehmigung für den Friseur. Wir sind doch hier nicht bei einer Behörde. Ihr spinnt doch alle komplett!". So ganz unrecht hat sie damit ja nicht.
10.7.08 17:24


Hilfe von der Diakoniegruppe?

9. Juli 2008

Eine Bekannte, der ich von der ablehnenden Reaktion des Pfarrers erzählt hatte, wies mich darauf hin, daß es in vielen Gemeinden Diakoniegruppen gäbe. Da könnte ich doch mal fragen, ob jemand helfen könnte.

Nach einigen Fehlversuchen erreichte ich dann die Leiterin der örtlichen Diakoniegruppe und erzählte ihr, daß Mama den Gottesdienst gelegentlich besuchen möchte und dazu Hilfe braucht. Die Leiterin versprach, sich umzuhören, meinte aber, daß mir ein Anruf beim Pfarrer womöglich schneller helfen könnte.

Was tun? Ich erzählte ihr in abgemilderter Form, daß von dieser Seite keine Unterstützung zu erwarten sei. Nun bin ich gespannte, was weiter passiert.
9.7.08 21:37


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