Alzheimer - und dann?

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Verwurzelung - Entwurzelung (2)

bäume
sensibel ist die erde über den quellen:
kein baum darf gefällt,
keine wurzel
gerodet werden.
die quellen könnten versiegen.
wie viele bäume wurden gefällt?
wie viele wurzeln gerodet?
in uns


reiner kunze
21.5.08 12:04


Verwurzelung - Entwurzelung (1)

20. Mai 2008

Ich war ganz erstaunt zu sehen, daß es fast einen Monat her ist, daß ich zuletzt etwas hier im Blog geschrieben habe. Ich war beruflich viel unterwegs, und ich hatte Computerprobleme. Aber der wesentlichste Grund ist, daß ich durch die Hilfe eines Freundes ein vertieftes Verständnis dessen gewonnen habe, was Demenz ihrem Wesen nach ist, und zwar nicht nur für den dementiell veränderten Menschen, sondern auch für die, die ihm nahestehen.

Ich mußte das alles ganz neu durchdringen und durchdenken und bin auch noch nicht fertig damit. Langsam kommt die Fähigkeit, das was ich verstanden habe, in Worte zu fassen, und dann kann ich es auch hier im Blog schreiben.

Der Freund, der mir soviel geholfen hat, lebt in Amerika, weswegen wir uns so alle ein oder zwei Jahre sehen. Er hat viele Jahre als Psychotherapeut in einer psychiatrischen Klinik gearbeitet. Das ist deswegen wichtig zu wissen, weil ich durch ihn verstanden habe, wie sehr unser Verständnis von Krankheiten - in diesem Fall Alzheimer - kulturell geprägt ist. Auch sein Vater hatte Alzheimer gehabt. Wir sprachen darüber, was diese Krankheit für mich bedeutet bzw. für ihn bedeutet hat, und wie sie die Beziehung(en) verändert.

Demenz bedeutet für den davon Betroffenen einen zunehmenden Prozeß der Entwurzelung - aus Beziehungen, aus Fähigkeiten, aus Möglichkeiten der Teilhabe (durch veränderte intellektuelle Fähigkeiten), aus der Kontinuität (zeitlich, örtlich und situativ). Sie können sich nicht mehr sich nicht mehr eingebettet fühlen in eine Kontinuität von Gemeinschaft(en), in ein größeres Ganzes, zu dem sie gehören, von dem sie ein Teil sind, in dem sie sich aufgehoben fühlen und das ihrem Leben Struktur gibt und wodurch sie einen größeren Sinn erfahren können, der über sie persönlich hinausgeht.

Diese Entwurzelung betrifft aber nicht nur den dementiell veränderten Menschen, sondern auch die Angehörigen und Freunde.

Der Freund war ganz erstaunt, als er von mir hörte, daß wir hier in Deutschland Demenz niemals unter dem Aspekt der Entwurzelung ( er sprach von de-rootedness ) betrachten. Er vermutete als Ursache davon, daß das in Deutschland möglicherweise deshalb ein Tabu ist, weil es mit einem kollektiven Trauma behaftet sein könnte, nämlich der Erfahrung der vielen Deutschen, die nach dem zweiten Weltkrieg vertrieben worden sind. Auch für diejenigen, die selber nicht von Vertreibung betroffen gewesen seien, sei es ein Trauma gewesen, denn sie waren vor die Frage gestellt, eine große Zahl von Menschen aufzunehmen und zu integrieren - und das in einer außerordentlich schwierigen Gesamtsituation nach dem 2. Weltkrieg.

Beim Durchdringen dieser Gedankengänge mußte ich immer wieder an die französische Denkerin Simone Weil denken, die 1943 folgende Gedanken niedergeschrieben hat:


Die Entwurzelung ist bei weitem die gefährlichste Krankheit der menschlichen Gesellschaft.
Wer entwurzelt ist, entwurzelt.
Wer verwurzelt ist, entwurzelt nicht.
Die Verwurzelung ist vielleicht das wichtigste und meistverkannte Bedürfnis der menschlichen Seele.
20.5.08 03:58


Freigehege für Moppel

22. April 2008

Nach vielen feuchten und kühlen Tagen waren wir heute endlich wieder mal draußen. Wir wollten auch sehen, wie es Mamas Lieblingskaninchen Moppel geht.

Photobucket


Leider kamen wir an den Käfig nicht ran, denn einige Männer von der Handwerkergruppe bauten gerade ein Freigehege für Moppel und seinen Kaninchenkollegen. Bilder gibt es dann beim nächsten Besuch.
22.4.08 23:41


Kein Bock auf Malen

9. April 2008

Mamas Lieblingspraktikant aus Österreich ist den letzten Tag da. Als ich in die Wohngruppe komme, heißt es, sie sei im Mehrzweckraum mit einigen anderen zum Kaffeetrinken und irgend einer Veranstaltung.

Mama sitzt mit einigen Bewohnerinnen um den Tisch. Manche haben noch Kaffee und Kuchen vor sich. Andere sind schon mit dem Ausmalen von Tulpensträußen beschäftigt. Der Lieblingspraktikant und eine Mitpraktikantin haben ein großes Plakat als Wiese mit Horizont und Sonne vorbereitet. Da sollen wohl die ausgemalten Tulpen als Gemeinschaftsarbeit zum Thema "Frühling" aufgeklebt werden.

Als Mama gefragt wird, ob sie Blumen ausmalen mag, sagt sie deutlich nein. Ein paar Minuten später fragt mich der Lieblingspraktikant mit seinem charmanten österreichischen Akzent: "Können Sie vielleicht Ihre Frau Mama zum Malen motivieren?"

Ich antworte ihm: "Das schafft keiner. Meine Mutter hat ihr ganzes Leben nicht gemalt und gebastelt. Da ist es unwahrscheinlich, daß sie jetzt mit 81 damit anfängt.".

Mama beobachtet das Treiben um sich herum. Ich sitze zwischen ihr und Frau Hahn. Frau Hahn malt mit großer Hingabe und Begeisterung alle ihre Tulpen blau aus.

Mit vor Verachtung triefender Stimme kommentiert Mama: "Blaue Tulpen". Damit ist von ihrer Seite alles gesagt. Wir verlassen den Ort des Geschehens und finden um die Ecke in einem bordeaurotem Sessel Katze Pinky, die gerade hingebungsvoll mit Fellpflege beschäftigt ist. Mama schaut ihr mit Begeisterung zu. "Das ist eher was für Dich als Tulpen ausmalen" meine ich zu ihr.

"Mir gefallen die selber gemalten Bilder von den anderen schon, aber ich habe keine Lust dazu" stellt Mama klar.
9.4.08 13:16


Themenabend bei Arte

8. April 2008

Heute abend wird es bei Arte ab 21.00 h einen Themenabend zu "Erinnern und Vergessen - unser Gehirn im Alter" geben. Nähere Infos gibt es hier.

Schon der Text zur ersten Sendung um 21.00 h hört sich sehr interessant an:

In Europa leiden drei Millionen Menschen an der Alzheimerkrankheit. Obwohl Mediziner und Pharmaindustrie seit Jahren mit großem Aufwand und viel Geld nach Mitteln suchen, die Krankheit zu heilen oder den geistigen Verfall der Patienten zu verlangsamen, blieben alle Anstrengungen bislang erfolglos. Sind die gängigen Vermutungen über die Ursachen der Alzheimer-Erkrankungen falsch?

Die Dokumentation stellt erstmals eine ganze Reihe von Studien vor, die ein völlig neues Licht auf die Entstehung der Alzheimerkrankheit und mögliche Therapien werfen. Aufwendig recherchiert, beschreibt der Film zum Beispiel den Fall der Nonne Bernadette und ihrer Mitschwestern, die in einem US-amerikanischen Kloster lebten und starben. David Snowdon, ein renommierter Demenzforscher, durfte über Jahre hinweg die geistige Fitness der Schwestern testen und nach ihrem Tod die Gehirne auf Anzeichen einer Demenzerkrankung untersuchen. Das überraschende Ergebnis zeigte, dass die Gehirne einiger Nonnen, obwohl sie bis ins hohe Alter geistig fit waren und ein ausgezeichnetes Gedächtnis hatten, die Spuren einer schweren Alzheimererkrankung aufwiesen - Demenzgrad 6, das absolute Alzheimer-Endstadium. Wie lässt sich dieser verblüffende Befund erklären?

Forschungsergebnisse aus den USA, Kanada und Deutschland rücken die Alzheimerkrankheit aktuell in ein anderes Licht. Doch die viel versprechenden Forschungsansätze werden von der Pharmaindustrie nicht verfolgt, weil sie zu wenig Gewinn versprechen. Schlimmer noch: Die Dokumentation berichtet von aktuellen Versuchen an Demenzkranken, bei denen sogar das Wohl der Patienten auf der Strecke zu bleiben droht.
8.4.08 16:11


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