Alzheimer - und dann?

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Ich sehe seinem Entschwinden zu

3. April 2008

Im aktuellen Stern erzählt Inge Jens, wie sie die Demenz-Erkrankung ihres Mannes, dem Denker und Schriftsteller Walter Jens, erlebt. Online gibt es leider nur eine kurze Zusammenfassung .
3.4.08 21:18


Richtig peinlich

26. März 2007

... fand Mama mich heute. Sie wußte heute gar nicht so recht, was sie wollte. Rausgehen, um die Frühlingsblumen anzuschauen.? Ja. Als ich ihr die Jacke anziehen wollte, war ihr das nicht recht: "Wegen den paar Blumen, die es jetzt erst gibt rausgehen?". Wir können auch im Haus spazieren gehen. Ja, dann machen wir das.

Wir schauen uns also Bilder in den Gängen an, kommen an den Osterdekorationen vorbei und landen schließlich bei den Zebrafinken an, die Mama sonst so liebt. Aber heute nicht. Auch die kriegen ihr Fett ab.

"Warum schauen wir eigentlich das alles zum 50. Mal an, was ich schon 49 mal gesehen habe? Und was wollen wir eigentlich bei den Zebrafinken." Ich schaue mir die Zebrafinken gern an - lasse ich sie wissen. "Du bist ganz schön im Niveau gesunken. Richtig peinlich" raunzt sie mich an.
26.3.08 21:32


Osterdeko

24. März 208

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24.3.08 22:52


Verloren ...

22. März 2008

Mama wäre heute gerne rausgegangen. Aber weil es regnete und sehr naßkalt war, mußten wir im Haus bleiben. Wir waren in den verschiedenen Wohngruppen und haben uns die Osterdekorationen angeschaut.

Als wir bei Mama im Zimmer waren, habe ich ihr einen Osterstrauch gemacht und die Sachen ausgepackt, die ich ihr mitgebracht habe.

Sie vermißt Andi sehr. Andi ist Altenpflegeschüler und hat die letzten Monate in ihrer Wohngruppe gearbeitet. Als Mama kaum noch gegessen hat, waren er und Margit die einzigen, die sie noch zum Essen animieren konnten. Jetzt muß er für einige Monate seine Ausbildung in der ambulanten Altenhilfe fortsetzen. Mama hat sich von Andi seine Anschrift und Telefonnummer aufschreiben lassen. Ich weiß gar nicht, wie viele Zettel und Servietten ich heute gefunden habe, auf denen sie das abgeschrieben hatte oder nur seinen Vornamen mit einigen Fragezeichen.

Sie sagte zu mir: "Ich fühle mich so unendlich verloren. Von ganz vielen Dingen in meiner Umgebung weiß ich gar nicht mehr, wozu sie da sind." Neben ihr auf dem Tisch standen zwei Dosen mit Leberspäzlesuppe, die ich mitgebracht hatte. "Zum Beispiel die Dosen mit der Leberspätzlesuppe auf dem Tisch. Ich weiß nicht mehr, wie man an die Leberspätzle in der Dose rankommt". Mama hat Kochen immer gehaßt wie die Pest. Deshalb war es ihr wichtig, daß ich als Kind in den Hort gehen konnte und dort ein warmes Mittagessen bekam. Zuhause gab es hauptsächlich Essen aus der Dose. Durch ihre Kontakte zur Bundeswehr gab es bei uns neben den Dosen, die man im Supermarkt kaufen konnte, immer einen ziemlich großen Bestand an Bundeswehrkonserven. Die wurden regelmäßig einige Wochen vor Ablauf des Verfallsdatums zu Schleuderpreisen verkauft. Wenn ich an Mamas Speisekammer denke, dann sehe ich hauptsächlich Dosen vor mir und einige Tüten. Wenn sie am Sonntag einen Kuchen machte, dann wurde eine Obstkonserve geöffnet und ein gekauft Biskuitboden damit belegt. Darüber kam dann noch Tortenguß. Das höchste der Gefühle war, daß zwei Bananen geschält und halbiert wurden, die dann den Rand des Kuchens bildeten. Und in seltenen Fällen wurde ein solcher Biskuitboden mit frischen Erdbeeren belegt. Und jetzt weiß Mama nicht mehr, was ein Dosenöffner ist und wie man an den Inhalt einer Dose kommt.

Etwas später bat Mama mich, meine Adresse und Telefonnummer auf einen Zettel zu schreiben. Den sollte ich dann in ihre Handtasche tun. Aus der Handtasche ragte noch die Zeitschrift einer Krankenkasse. Ich fragte sie, ob sie die Zeitschrift noch braucht. "Nein, die kannst Du wegwerfen". Als ich die Zeitschrift auseinanderklappe, sehe ich daß dazuwischen ein Artikel aus einer anderen Zeitschrift liegt, den sie herausgerissen und sorgfältig zusammengefaltet hat.

Es ist ein Bericht aus der Super-Illu, einer Zeitschrift, die hauptsächlich in den neuen Bundesländern gelesen wird und viel von in der DDR prominenten Leuten aus dem Showgeschäft berichtet. Der Artikel, den Mama herausgerissen hat, ist überschrieben mit:

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Erzählt wurde von einem Sänger aus der Ex-DDR, von dem Mama sicher noch nie zuvor in ihrem Leben was gehört hatte. Wegen einer unheilbaren Krankheit wollte er nicht mehr weiterleben und hat Suizid begangen. In dem Artikel wurde noch im Detail beschrieben, wie er dabei vorgegangen ist. Ich war fassungslos. Mama, die ihre Hände nur mit Mühe bewegen kann, reißt diesen Artikel aus der Zeitschrift, faltet ihn zusammen und hebt ihn in ihrer Handtasche auf.
22.3.08 23:21


neulich ... im Urlaub

18. März 2008

Gar nicht weit weg von Mamas Heim gibt es ein kleines Café, das mit einem Geschenkeladen kombiniert ist. Mama gefallen die Nippes dort sehr gut. Deswegen gehen wir immer wieder hin. Beim letzten Besuch schaute Mama sich ausgiebig eine Strandlandschaft, gemalt von der Betreiberin des Cafés-und-Geschenkeladens und meinte: Das schaut auf wie da, wo ich neulich im Urlaub war.

Mama war in den sechziger Jahren einige Male an der Adria, deshalb sage ich: Du meinst wie in Italien?
Nein, meint sie ganz ungehalten. Nicht Italien, sondern da, wo ich neulich im Urlaub war.
Die Strandlandschaft schaut mehr nach Ostsee aus, und etwas mit meinen Gedanken beschäftigt sage ich: "Ostsee". Ja, ganau - Ostsee, meint Mama. "Heringsdorf" frage ich ahnungsvoll.

Genau, bestätigt Mama: "Heringsdorf an der Ostsee" und freut sich, daß ich sie verstanden habe. In Heringsdorf war sie 1942. Ein Urlaub war es mit Sicherheit nicht. Ihr Aufenthalt dort war nicht freiwillig, und im Winter 1942 sind ihr dort die Füße erfroren. Unter den Folgen leidet sie noch heute. Ich bin ganz froh, daß sie sich jetzt so an Heringsdorf erinnert.
18.3.08 16:09


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