Alzheimer - und dann?

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Vom Aufgang der Sonne ...

19. Februar 2008

Vor einigen Tagen war wieder mal Gottesdienst. Die "Damen von der Kirche" kamen in die Wohngruppe und fragten Mama, ob sie mitkommen will, aber sie wollte nicht. Nun dann nicht! Dann kam Günter. Er sagte zu ihr: "Du gehst doch sonst immer so gerne. Und ich bin jetzt extra wegen dem Gottesdienst gekommen. Wir schauen jetzt rüber in die Kirche, und wenn es Dir nicht gefällt, dann gehen wir wieder zurück. Den Pfarrer magst Du doch auch so gerne". Mama ließ sich beim Anziehen helfen, und sie zogen in die Kirche ab, d.h. Günter fuhr sie im Rollstuhl hin.

Im Eingangsbereich erfuhr er dann, daß der Pfarrer plötzlich erkrankt sei und die Kantorin mit den Ehrenamtlichen kurzfristig etwas vorbereitet hat. Er befürchtete, daß Mama jetzt wo der Pfarrer nicht da ist, wieder zurück will. Aber keine Spur davon.

Im Gottesdienst ging es um die Sonne, die an diesem Tag glücklicherweise schien. Es wurden viele Lieder gesungen, in denen die Sonne vorkam. Und auch dieses Mal bekamen alle Teilnehmenden etwas zum Mitnachhausenehmen. Es ist schon erstaunlich, welche Wirkungen so kleine Dinge auslösen können.

Auf ein postkartengroßes blaues Blatt war eine Sonnenscheibe aufgeklebt worden. Darüber steht ein Psalmvers: "Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn". Das haben sie dann als Lied eingeübt und sogar als Kanon gesungen.

Photobucket


Mama, die in ihrem ganzen Leben mit Religion nichts am Hut hatte - wie ich schon einige Male hier im Blog erzählt habe - hat es gut gefallen. Als Günter sie wieder ins Heim zurückbrachte, meinte sie auf der Straße: "Ich will hier her ziehen - schon allein wegen der Kirche". Und später sagte sie, daß sie in der Kirche mal schlafen will, weil sie sich in dem Raum so geborgen fühlt.

Als ich sie einige Tage später besuchte, lag die Karte auf ihren Tisch. Als ich sie fragte, wo sie die her hat erzählte sie: "Das ist das Gedicht von der Kirche. Das haben wir dann auch gesungen. Und am besten hat mir gefallen, daß die Melodie so geht wie der Text. (Hier kann man die Melodie hören).

Danach haben wir das Lied gesungen. Seitdem will sie es immer singen, wenn ich komme und ich soll dem Pfarrer bescheid sagen, daß es doch öfter gesungen werden soll, weil sie doch die Lieder, die sonst in der Kirche gesungen werden, nicht kennt. Außerdem will sie, daß ich ihr einen Wechselrahmen besorge und das Gedicht von der Kirche aufgehängt wird.
19.2.08 23:49


Kontrollhenne

16. Februar 2008

Als ich komme, ist Mama noch mit einer Pflegekraft im Bad zugange. Die will sich bestimmte Hautstellen anschauen, ob alles in Ordnung ist. Mama dauert das alles zu lange, und sie kommentiert das Geschehen ungnädig mit: "Du bist eine Kontrollhenne".
16.2.08 21:57


Mamas Film

15. Februar 2008

Der Dokumentarfilm, in dem alte Menschen erzählen, wie sie ihr Alter wahrnehmen, ist vor einigen Tagen gezeigt worden - zumindest die Rohfassung. Studenten einer Filmhochschule hatten ein Projekt zum Thema "Alter" gemacht, und eine Gruppe war auch eine Woche in Mamas Heim.

In einer Szene ist Mama zu sehen, wie sie sich die Kiste mit ihrer Post anschaut. Bei manchen Briefen oder Karten weiß sie nicht mehr, wer die Personen sind, die ihr geschrieben haben. Sie kommentiert das so: "Die Luise, meine Kusine aus Amerika, die kenne ich. Aber sonst weiß ich nicht, wer die Leute sind, die mir geschrieben haben. Da fragt man sich dann schon, ob man noch alle Tassen im Schrank hat?"

An anderen Tagen kann sie einzelne Briefschreiber mit ihrem früheren Leben im Verbindung bringen. Für mich ist es ziemlich viel Aufwand, Kontakte zu ihren früheren Kollegen oder Nachbarn aufrecht zu erhalten. Und in solchen Momenten wie dieser Filmszene frage ich mich dann schon, ob das sinnvoll ist, und in welchem Verhältnis das Ergebnis zum Aufwand steht. Erschütternd war diese Szene schon für mich, denn sie macht deutlich, auch wenn ein Heim noch so gut ist oder auch Angehörige sich noch so sehr zuhause bemühen, es gibt diese Momente der Einsamkeit in der Verwirrung, die man einem Kranken nicht ersparen kann - so gerne man das möchte.


Zum Weiterlesen:
Mama goes Hollywood
15.2.08 12:35


Wann werde ich entlassen?

4. Februar 2008

Das Heim ist so eingerichtet, daß die Bewohner ihre Defizite nicht so merken. Mama will von mir wissen, wann sie entlassen wird. Sie will zurück in ihre alte Wohnung. Ich versuche ihr zu erklären, daß sie nicht mehr allein leben kann, weil sie ständig Hilfe braucht. Es geht bei ihr nicht nur um Demenz. Selbst ohne Alzheimer könnte sie nicht mehr allein leben, weil sie sich kaum noch bewegen kann. Ich schließe meine Erklärung mit dem Satz: "Wenn man älter ist, dann werden die ganzen Krankheiten, die man hat, ja nicht unbedingt besser." Mama im Brustton der Überzeugung: "Bei mir schon!".
4.2.08 08:25


3.2.08 11:59


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