Alzheimer - und dann?

  Startseite
    alltäglich
    Bücher / Medien
    tierisches
    merkwürdig
    künstlerisch
    lyrisch-literarisch
    personelles
    medizinisches
    Humor
    Begehren
    spirituell-religiös
    Praktisches
    wissenschaftlich
    Rechtliches
    Amtsschimmel
    Politisches
    Projekte
    Promis
    Veranstaltungen
    Interkulturelles
    Kurioses
    Meta-Blog
  Über...
  Archiv
  Blogroll
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



  Links
   Alzheimer und Demenz
   Alzheimerforum
   Altern in Würde
   Kunst des Alterns
   Patientenleitlinien Demenz
   Deutsche Alzheimer Gesellschaft
   Betreuungsrecht
   Spirituality and Dementia Ressources
   Nahrungsverweigerung bei Demenzkranken



gratis Counter by GOWEB
Gratis Counter by GOWEB
Locations of visitors to this page

http://myblog.de/alzheimer

Gratis bloggen bei
myblog.de





Schmerztherapie - Helden des Alltags

6. März 2010

Heute habe ich mir Mamas Pflegedokokumentation genauer angeschaut. Seit Herbst letzten Jahres wurde wegen der chronischen Schmerzen ein auf Schmerztherapie spezialiserter Facharzt hinzugezogen. Der hat die Mitarbeitenden instruiert, eine bestimmte Übung mit ihr zu diagnostischen Zwecken durchzuführen, um Veränderungen im Schmerzerleben möglichst frühzeitig erkennen und entsprechend beeinflussen zu können. Die Auswertung dieser Übung wird auf einem zweiseitigen Fragebogen mit multiple-choice-Fragen erhoben.

Im Herbst hat nämlich - wie es alle paar Jahre bei Mama vorkommt - von einem Tag auf dem anderen die schmerztherapeutische Medikation nicht mehr gegriffen. Auch die Kooperation von Hausärztin, Neurologen und Orthopäden brachte dieses Mal kein Ergebnis. Nun war die Schwierigkeit, einen Arzt zu finden, der auf Schmerztherapie spezialisiert ist und zu Heimbesuchen bereit ist. Fachärzte und Heimbesuche, das ist ein ausgesprochen schwieriges Kapitel, weil die Bezahlung dieser Diagnostik und Behandlung in unserem Gesundheitssystem, wie es derzeit organisiert ist, absolut indiskutabel ist.

Aus dem dokumentierten Behandlungsbeginn sehe ich, daß mehr als zwei Monate nach dem Doktor gesucht worden ist. Und als ich im Internet nach seiner Praxis- und seiner Privatanschrift recherchiere, sehe ich, daß er, egal von wo er zum Heim fährt, knapp 45 Kilometer Anfahrt hat.
6.3.10 23:14


Lesetipp: Richard Taylor - Alzheimer und ich

1. März 2010

Ein Psychologieprofessor erkrankt an Alzheimer und bekommt die Diagnose in einem relativ frühen Stadium gestellt. Seitdem sind mehrere Jahre vergangen, und er schreibt täglich auf, wie dieser Zustand - er weigert sich von "Krankheit" zu reden - ihn und seine Beziehungen zu seiner Frau, seinen Kindern, Enkeln, ehemaligen Kollegen und Freunden verändert. Daraus ist ein Buch geworden, dessen englischer Orgninaltitel "Alzheimer's From the Inside Out" ist. Nun gibt es auch eine deutsche Fassung, nämlich "Alzheimer und ich". Die hat der Spiegel zum Anlaß genommen mit Professor Richard Taylor ein ausführliches Gespräch zu führen, das am 1. März 2010 publiziert wurde, aber bisher leider nur in der Printausgabe vorliegt.

Die Website des Autors ist hier.
1.3.10 16:41


Post von der Kirche

14. Februar 2010

Beim letzten Besuch fand ich auf Mamas Kommode einen Brief von der Kirche - nein, nicht von der Kirchengemeinde, bei der sie regelmäßig am Gottesdienst für dementiell veränderte Menschen einmal monatlich teilnimmt, sondern von der Evangelischen Kirche von Berlin, die einen noch viel längeren Namen hat (EKBO = Evangelische Kirche von Berlin, Brandenburg und Schlesische Oberlausitz). Dieser Brief ist an 369 000 Menschen zum Jahreswechsel im und um Berlin verschickt worden, und ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll.

Es geht folgendermaßen los:

Liebe Frau Mustermann-Doppelname,
heute bekommen Sie Post von Ihrer Kirche, und die will nichts von Ihnen. Vielmehr möchte ich Ihnen Danke sagen. Als Mitglied unserer Kirche gehören Sie zu denen, die diese Stadt gerechter und menschlicher machen. In der Pauluskirche in Zehlendorf und der Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg, in der Obdachlosenhilfe in Kreuzberg und der Kindertagesstätte am Leopoldplatz im Wedding und an unzähligen Orten verändern Sie und viele andere Christen das Antlitz Berlins: mit leidenschaftlichem Einsatz, mit Zeit und Geld. Das ist wunderbar. Dankeschön!...

"Ich" ist der Unterzeichner Ralf Meister, "Generalsuperintendent und leitender Geistlicher der Evangelischen Kirche in Berlin" - wie es unter der Unterschrift heißt.

Warum schreibt die Kirche Briefe, wenn sie doch angeblich nichts will und richtet für diesen "Berliner Brief" und die dazugehörende Aktion "willkommen in der Kirche" eine Website ein?

Aber erst einmal zu den einleitenden Briefzeilen an sich: Mir ist nicht klar, was das soll. Wenn man das ehrenamtlich tätigen Leuten schreibt, dann ist es mir noch einigermaßen verständlich, aber was soll meine dementiell veränderte Mutter damit anfangen?

Die meisten Leute sind in der Kirche ohne groß darüber nachzudenken und nehmen den kirchlichen Service zu bestimmten Lebensereignissen in Anspruch (Taufe, Hochzeit, Begräbnis, Weihnachten). Diesen Leuten zu sagen "... und an unzähligen Orten verändern Sie und viele andere Christen das Antlitz Berlins: mit leidenschaftlichem Einsatz, mit Zeit und Geld. Das ist wunderbar. Dankeschön" ist meiner Meinung nach deshalb Schleimerei.

Und dann geht es folgendermaßen weiter:

Diese Stadt wird nicht nur von Ereignissen bewegt, die in den Zeitungen stehen, sondern auch von himmlischen Bildern.
„Guck mal, ein Schaf, Papi!“. Ich gehe mit meinem Sohn über den Alexanderplatz; weit und breit ist kein Tier zu sehen. „Da oben!“ Er schaut zum Himmel. Und tatsächlich, hinter dem Fernsehturm zieht eine riesige schneeweiße Wolke vorüber: ein Schaf...

Was soll man dazu noch sagen? Aber es wird noch banaler. Wer mag, findet den kompletten Text hier. Und diesem Schreiben ist tatsächlich ein leeres Blatt mit Wolkenrand und Psalmspruch beigelegt (nach der Unterschrift von Herrn Meister einfach weiterscrollen).

Näheres zu dieser Aktion erläutert die evangelische Kirche hier. In der "kirche" vom 14. Februar ist auf Seite 8 nachzulesen, daß die Briefe in den nächsten Jahren vom Fond "missionarische Dienste" finanziert werden sollen.

Ich möchte nicht wissen, was diese Aktion gekostet hat. Und ich muß gestehen, ich habe Probleme, wie ich den Inhalt dieses Briefes Mama vermitteln soll. Die Gottesdienste für Demenzkranke gefallen ihr so gut, daß sie gerne gelegentlich in den Sonntagsgottesdienst gehen würde. Das ist aber nicht möglich, weil es niemanden gibt, der sie vom Heim, das gegenüber von der Kirche liegt, abholen und zurückbringen kann.
Diese Brief-Aktion der evangelischen Kirche wirkt auf mich konfus und hilflos nach dem Motto: "Hauptsache - irgendwas tun".

Einige evangelische Leute aus meinem Bekanntenkreis habe ich auch gefragt, ob sie das Schreiben bekommen haben. Die meisten wissen noch ganz dunkel, daß da irgendwas war, aber was in dem Brief stand, daran haben sie keinerlei Erinnerung mehr.


Website der Aktion "Willkommen in der Kirche"
14.2.10 18:54


Des Rätsels Lösung oder: Wie läuft das mit der Wäsche?

13. Februar 2010

Für diejenigen, die noch nicht so lange mitlesen (bald hat das Blog fünften Geburtstag): Als ich Mama vor fast fünf Jahren nach Berlin holte, war sie in einem Heim ganz in meiner Nähe. Dort hat es ihr aus verschiedenen Gründen nicht gefallen, weshalb ich für sie ein anderes Heim suchte, in dem sie immer noch lebt. Leider ist dieses Heim relativ weit entfernt, sodaß ich einfach fast zwei Stunden unterwegs bin.

Nun wird Angehörigen, die einen Heimplatz suchen, immer wieder geraten, sie sollen darauf achten, daß die Wäsche im Heim gewaschen wird und nicht "nach außerhalb" gegeben wird, weil sonst zuviel wegkomme.

Daß es ganz anders laufen kann, zeigen meine Erfahrungen. Im ersten Heim mußte ich als erstes sechzig Euro bezahlen, damit Mamas Kleidung eingemerkt wird. Dazu ließ das Heim Wäschezeichen anfertigen, die eingenäht werden sollten. Ich spreche im Konjunktiv, denn das Einmerken erfolgte nur bei der Unterwäsche und den Nachthemden sowie wenigen Stücken der Oberbekleidung. Es wurde von Praktikantinnen durch Einnähen vorgenommen - soweit es vorgenommen wurde.

Über Monate habe ich immer wieder darauf hingewiesen, daß die Kleidung immer noch nicht eingemerkt ist. Das wurde meist ignoriert. Immer wieder pakte ich die nicht eingemerkte Kleidung in Plastiktüten, die ich mit Zetteln beschriftete: "Bitte einmerken" und die anwesenden Mitarbeitenden darauf angesprochen. Die Tüten mit den Zetteln wurden ignoriert und die Kleidung wieder uneingemerkt ausgepackt und eingeordnet. Begründung: Keine Zeit ... wichtig ist nur, daß die Bewohnerinnen ihre eigene Unter- und Nachtwäsche tragen, ansonsten sei es nicht so wichtig, ob da mal ein Kleidungsstück angezogen werde, das jemand anderen gehört. Mama, die ihr Leben lang auf gediegene und chice Kleidung Wert gelegt hat, war "not amused". Nach und nach verschwand mehr und mehr von der Kleidung. "Wird sich schon wieder finden. Hier verschwindet nichts."

Ich war skeptisch, aber was sollte ich machen. Mehr als immer wieder freundlich daran erinnern konnte ich auch nicht. Selbst wenn Kleidung mit eingenähten Namensschildern gezeichnet ist, ist es nicht schwierig, diese schnell mit einer Schere zu entfernen. Heute weiß ich, daß auf Berliner Flohmärkten - böse Zungen reden in diesem Zusammenhang von "Polenmärkten" - eben auch immer wieder Kleidung aus Pflegeheimen auftaucht. Langer Rede kurzer Sinn: Als nach 15 Monaten Mamas Umzug ins zweite Heim stattfand, war 80 Prozent ihrer Oberbekleidung nicht mehr auffindbar. Mama kommentierte das mit: "Mir ist soviel gestohlen worden" und mir schnitt es ins Herz. Heute rate ich im Zweifelsfall zu Aufnahmen mit der Digitalkamera.

Da in Mamas jetzigem Heim auswärts gewaschen wird, wäre eigentlich zu erwarten, daß ich ihre Kleidung schon mehrfach ersetzen mußte, was nicht der Fall ist. Das, was gelegentlich weg ist, fällt dem natürlichen Verschleiß zum Opfer. Ich habe mich immer wieder gefragt, wie es geht, daß in einer Einrichtung, die eine hauseigene Wäscherei hat, soviel Kleidung weg kommt und eine andere, die auswärts waschen läßt keine Verluste aufzuweisen hat.

Ein Punkt ist, daß das jetzige Heim die Wäschekennzeichnung, für die ich eine einmalige Gebühr von 10 Euro zahlen mußte, durch Namensetiketten, die durch ein spezielles Bügelverfahren eingebrannt werden, durchführt. Diese Etiketten können nicht entfernt werden. Aber die eigentliche Lösung des Rätsels sah ich diese Woche als ich Mama besuchte. Vor dem Heim standen riesige Lastwagen und die Firmenanschrift brachte gleich einige Glocken bei mir zum Klingeln. Die Wäsche wird an einen Träger von Behindertenwerkstätten gegeben, wo geistig Behinderte dann im Rahmen von hauswirtschaftlichen Tätigkeiten die Wäschepflege durchführen. Und da die geistig Behinderten in der Einrichtung leben, kommt da auch nichts weg.

Fazit: Wer einen Heimplatz sucht, sollte klären:
- wie wird die Wäsche gezeichnet
und
- wo und von wem wird die Wäsche gewaschen
13.2.10 20:57


Verwandtschaftsverhältnisse: Generationendurcheinander

12. Februar 2010

"Wie sind wir eigentlich miteinander verwandt?" fragt mich Mama nach der Begrüßung. "Du bist meine Mama und ich bin Deine Tochter" antworte ich. "Und was ist mit unseren Eltern?" will sie weiter wissen.
12.2.10 13:32


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung