Alzheimer - und dann?

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ein schwerer Nachmittag

16. Februar 2007

Gestern hatte Mama einen schweren Tag. Es war sehr feucht und Gelenkschmerzen setzten ihr sehr zu. Außerdem mußte sie zum Zahnarzt, weil ein Abdruck für die Prothese gemacht werden mußte. Das ging glücklicherweise über die Bühne, denn das letzte Mal als ich zum Zahnarzttermin nicht kommen konnte, war sie nicht dazu zu bewegen den Mund aufzumachen.

Als wir mit dem Krankentransport zurückfuhren war sie total sauer. Sie geht niemehr zum Zahnarzt. "Der war ganz furchtbar", obwohl es wieder die nette Zahnärztin gewesen war.

Dann beschimpfte sie mich sehr heftig: "Du widerliche Drecksau. Was Du mir antust. Ich hoffe nur, daß Deine Kinder es Dir später einmal genauso machen wie Du es mir machst. Dauernd lügst Du mich an. Ich will Dich nie wieder sehen."

"Wenn Du mich heute nicht mehr sehen willst, dann gehe ich."

"Ich habe gesagt nie wieder."

Ich beschloß, einen Kaffee trinken zu gehen und eine Stunde später wieder zu kommen, verabschiedete mich von ihr und informierte eine Mitarbeiterin, daß ich jetzt etwas Abstand bräuchte und später wieder käme.

Als ich dann wieder kam, war sie zwar noch ungnädig, aber nicht mehr so aggressiv. Sie wollte eine Zigarette und sich dann hinlegen. Der Tag hatte sie sehr angestrengt und dazu noch die Schmerzen.

Ich machte Flötenmusik an und setzte mich neben ihr Bett. Sie konnte tatsächlich einschlafen. Nach zwanzig Minuten schreckte sie hoch. Und sagte: "Wer wird das sein?"

"Was denn?"
"Es hat drei Mal geläutet. Machst Du mal auf?"
"Erwartest Du jemand?"
"Nein, nicht daß ich wüßte".
Ich gehe zur Zimmertür und öffne sie.
"Es war nur Werbung"
"So eine Unverschämtheit. Und dafür jemand aufwecken".

Ein paar Minuten später meint sie:
-"Wie sind wir eigentlich zu dieser Wohnung gekommen?"
-"Wir haben doch was für Dich gebraucht, damit Du nicht mehr die vielen Treppen steigen mußt. Hier kannst Du mit dem Rollstuhl unterwegs sein, wenn es Dir zuviel wird. Außerdem mußt Du nicht mehr selber einkaufen, wenn Du nicht magst und auch nicht mehr kochen und die Wäsche machen. Und es ist immer jemand da, wenn Du was brauchst".
- "Ich habe so Schmerzen in der linken Schulter. Lang wird das hier wohl nicht mehr gehen. Dann muß ich ins Heim".

Mein erster Impuls ist zu sagen: "Mama, Du bist doch hier im Heim - seit fast fünf Monaten". Aber ich unterdrücke diesen Impuls.

Sie fragt weiter: "Wie kommt man denn zu einem Heim?"
- "Man schaut sich Prospekte von Heimen an. Wenn man meint, eines könnte was sein, dann macht man ein Gespräch aus und schaut sich das Ganze an. Und wenn es einem gefällt, dann macht man Probewohnen."
Sie nickt.
"Soll ich Dir nächste Woche Prospekte mitbringen?"
"Ja" sagt sie "aber ich möchte hier bleiben so lange es geht".
"Du kannst auch hier bleiben solange Du willst" sage ich "wir schauen dann, daß Du immer die Hilfe bekommst, die Du brauchst. Und morgen kommt wieder der große schwarze Hund zu Besuch."

Als ich mich verabschiede, besteht sie darauf, daß ich ihr aufschreibe, wann ich wieder komme.

Offensichtlich stellt sich Mama unter "Heim" etwas anderes vor als den Ort, an dem sie ist.

Als ich im Erdgeschoß den Aufzug verlasse, laufe ich dem Sozialarbeiter über den Weg. Wir unterhalten uns kurz, und er meint: "Morgen ist ja Freitag. Da ist Ihre Mutter ja beim Hundebesuch dabei. Kommen Sie auch dazu?". Sie haben es also wirklich auf Dauer im Blick.
16.2.07 00:44
 



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