Alzheimer - und dann?

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Zwischen Kreativität und Nicht-Wissen

30. Mai 2007

Ich sitze mit Mama am Frühstückstisch und habe eine große Smily-Kaffeetasse vor mir. Die oberen vier Zentimeter Kaffee habe ich abgetrunken. Nun erscheint eine Schrift in der Kaffeetasse: "Du bist meine ... Morgensonne". Ich zeige es Mama. Sie liest: "Du bist meine ..." und schaut mich an, denn das letzte Wort ist ihr zu lang. Ich sage: "Morgensonne".

"Stimmt gar nicht" sagt sie. Da muß stehen: "Ganztagssonne - Du bist meine Ganztagssonne". Mamas Tasse ist leer. Eine Mitarbeiterin fragt, ob sie noch Kaffee mag. "Ja, schon, aber der ist hier nie richtig süß".

Mama bekommt hier immer 3 Teelöffel Zucker und Milch in die Tasse. Die Mitarbeiterinnen kennen die Vorlieben der einzelnen Bewohnerinnen. Ich sage zu ihr: "Also, wenn ich da war, hast Du Deinen Kaffee immer süß bekommen. Die Mitarbeiterinnen, die regelmäßig da sind, wissen, wie Du Deinen Kaffee magst. Nur wenn jemand Aushilfe ist und das noch nicht weiß, dann sagst Du halt, daß Du noch Zucker reinhaben willst." Mama nickt.

"Bei Deiner Arbeit früher hast Du ja auch die Leute, mit denen Du in der Abteilung zusammengearbeitet hast, besser gekannt als die anderen, und ihr habt voneinander gewußt, wer was wie gemacht haben mag."

Mama fragt: "Habe ich gearbeitet?" und setzt nach einigen Momenten nach: "Was habe ich denn gearbeitet?"

Mich reißt es innerlich und ich versuche mir nichts anmerken zu lassen. Ich bin fassungslos. Von ihrem siebzehnten bis zu ihrem sechzigsten Lebensjahr hat Mama ganztägig gearbeitet. Eine kurze Unterbrechung gab es nur zu meiner Geburt. Über zwanzig Jahre hat sie in einer Abteilung einer Bundesbehörde gearbeitet. Diese Arbeit, von der wir oft sprechen, war über viele Jahre ihr wichtigster Lebensinhalt.

Eine halbe Stunde später sind wir unterwegs zu den Kaninchen. Bei denen geht es heute etwas turbulent zu, weil ein Frühschoppen mit Grillen und Musik stattfindet. Mama gefällt die Musik. Neben uns sitzt eine Frau, die wissen will, wie alt Mama ist. Weil sie nicht antwortet, tue ich es und sage: "achtzig".

"Du lügst vielleicht heute wieder", sagt sie entrüstet. "Ich bin doch keine achzig Jahre alt". "Und wie alt bist Du?" frage ich zurück. Im Brustton der Überzeugung sagt sie: "Vierzig". Und einige Minuten später ist sie froh, daß heute Sonntag ist, weil man sich da noch ausruhen kann, denn morgen am Montag muß sie ja wieder in die Arbeit gehen.
30.5.07 12:43
 



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