Alzheimer - und dann?

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Bitte einen Apfelkorn ...

4. August 2005

ruft Frau H. Schwester S. bringt ihr ein Gl?schen Eierlik?r. ?Was macht das?? fragt Frau H. und z?ckt die Geldb?rse. ?Einszwanzig? antwortet S. Einige Minuten sp?ter ordert Frau H. den zweiten Apfelkorn. Und wieder kommt ein Gl?schen Eierlik?r. Bei der dritten Bestellung sagt Schwester S: ?Tut mir leid, Frau H. Sie hatten schon zwei Apfelkorn. Die Polizei war schon da. Wir d?rfen nur zwei pro Person ausschenken. Mehr hat die Polizei verboten?. Frau H. ist mit dieser Auskunft zufrieden, denn sie lebt innerlich in der Nachkriegszeit. Lebensmittel sind rationiert, aber meine Mutter nicht: ?I siech koa Polizei. Siegst Du oane? fragt sie mich (Ich sehe keine Polizei? Siehst Du eine)?

Wir sind im Wohnzimmer von Mamas Alzheimer-Wohngemeinschaft. Aber f?r Frau H. ist das jetzt eine Gastst?tte, wo sie Abendbrot gegessen hat. Wegen der Lebensmittelrationierung will sie vorsorgen. Ein Teil der Mahlzeiten verschwindet in ihrer Tasche ? entweder der Handtasche oder den Taschen der Kleidung. F?r die Pflegepersonen ist es oft gar nicht so einfach sie zum essen zu bringen, weil sie ?f?r sp?ter? hamstern und aufheben m?chte. Was sie jetzt isst ? so ihre Vorstellung ? fehlt ihr sp?ter. Und sie muss doch was f?r den Mann und die Kinder mit nach Hause bringen. Dass ihr Mann lange tot ist , die Kinder erwachsen sind und die Lebensmittel vor 60 Jahren rationiert waren, das wei? sie nicht. Die Kinder haben Hunger und denen muss sie was Gutes mitbringen. Da kann sie nicht einfach hier Abendbrot essen. Niemand darf merken, dass das eine oder andere Brot in ihrer Tasche verschwindet.

Die 10 Bewohner ? mehr Frauen als M?nner ? sitzen um zwei Tische. Sie haben ihre festen Pl?tze. An einem Tisch sitzen die, die noch mit Messer und Gabel umgehen k?nnen und sich verbal aufeinander beziehen k?nnen. Jede sitzt derjenigen gegen?ber, mit der sie das Zimmer teilt.

Am zweiten Tisch sitzen die Bewohner, die nicht mehr oder nur noch gelegentlich ein Wort sprechen. Sie brauchen mehr Unterst?tzung beim Essen, sind teilweise im Rollstuhl und werden gef?ttert. Dort sitzt auch Herr R und m?chte etwas. Er kann sich nicht mehr mit Worten verst?ndlich machen. Schwester S. bem?ht sich um ihn. Zwischendurch deutet er immer wieder zu unserem Tisch und st??t einige Laute aus.
Herr R., m?chten Sie noch etwas trinken? Er sch?ttelt den Kopf. M?chten Sie noch etwas zu essen? Er nickt. M?chten Sie ein Wurstbrot? Er sch?ttelt den Kopf. Ein K?sebrot? Er sch?ttelt den Kopf. Pudding? Auch Fehlanzeige. Joghurt? Auch nicht. Herr R. deutet auf unseren Tisch ? zum Brotkorb.
Ach Herr R. , Sie m?gen heute kein Graubrot (im Brotkorb auf Herrn R?s Tisch liegen nur noch Brotscheiben). M?chten Sie das halbe Br?tchen von dr?ben? Herr R. nickt und strahlt. Herauszufinden, was er auf sein Br?tchen haben m?chte, ist nun der einfachere Teil der ?bung.

Neben diesen ganz gew?hnlichen Abl?ufen m?ssen zwei der Bewohner auf die Toilette und brauchen Hilfe, weil sie allein nicht hin- und zur?ckfinden w?rden. Von einer anderen Wohngruppe kommt ein Bewohner. Er wird freundlich begr??t und schaut sich um. Einige Minuten sp?ter wird er zur?ck begleitet, weil auch er ohne Hilfe den Weg nicht finden w?rde.
Am Schluss des Abendessens werden die Medikamente ausgegeben. Jeder Bewohner wird aufgerufen und mit Namen angesprochen, denn jeder Impuls aktiviert das Gehirn und z?gert das Vergessen hinaus. Und Frau H. ordert ihren Apfelkorn.

4.8.05 16:27
 
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