Alzheimer - und dann?

  Startseite
    alltäglich
    Bücher / Medien
    tierisches
    merkwürdig
    künstlerisch
    lyrisch-literarisch
    personelles
    medizinisches
    Humor
    Begehren
    spirituell-religiös
    Praktisches
    wissenschaftlich
    Rechtliches
    Amtsschimmel
    Politisches
    Projekte
    Promis
    Veranstaltungen
    Interkulturelles
    Kurioses
    Meta-Blog
  Über...
  Archiv
  Blogroll
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



  Links
   Alzheimer und Demenz
   Alzheimerforum
   Altern in Würde
   Kunst des Alterns
   Patientenleitlinien Demenz
   Deutsche Alzheimer Gesellschaft
   Betreuungsrecht
   Spirituality and Dementia Ressources
   Nahrungsverweigerung bei Demenzkranken



gratis Counter by GOWEB
Gratis Counter by GOWEB
Locations of visitors to this page

http://myblog.de/alzheimer

Gratis bloggen bei
myblog.de





Eine Seefahrt, die ist ...

10. August 2005

Mamas Wohngruppe hat eine Dampferfahrt unternommen. Pfleger F hatt mich vor zwei Wochen gefragt, ob ich mitkommen m?chte. Leider war das Wetter etwas tr?b. Am Tegeler See fand ich die Gruppe im Bauch der Havelqueen . um drei Tische sitzend. Jeder Bewohner hatte eine Begleitperson. Das war m?glich, weil Mitarbeiter von anderen Gruppen mitkamen.

Nachdem wir den Tegeler See verlassen hatten und ein St?ck die Havel entlang geglitten waren, gab es wahlweise Kaffee und Kuchen oder bulette mit Kartoffelsalat. Als Mutti ihren Kuchen gefuttert hatte und auch die anderen Teller geleert waren, fragte sie, ob sie noch eine Bulette mit Kartoffelsalat haben k?nne. Mich hat gewundert, dass sie das Wort ?Bulette? verwendet hat, denn das kent sie erst seit Berli. In Bayern isst man ?Fleischpflanzl?. Und mit einem neuen Wort habe ich nicht gerechnet.

Herr R., der kaum mehr spricht, hat den Ausflug sehr genossen. Bei der R?ckfahrt auf dem Bahnsteig las er ? zwar verwaschen, aber doch verst?ndlich ? einige Ortsnamen vom Zugzielanzeiger ab.

Frau H. w?hnte sich auf dem Betriebsausflug von ihrer Firma. Sie fragte mich alle paar Minuten nach der Uhrzeit und bewunderte meinen Pullover, weil sie ihn f?r selbst gestrickt hielt und bedauerte immer wieder, dass dieses Jahr kein richtiger Sommer sei ? erst zwei Tage Sonne. Sie pflaumte Frau P. an, weil die ihren Kuchen mit den Fingern a?: ?Das macht man nicht ? pfui? war ihr Kommentar. Einige Minuten sp?ter bekam sie ihre Bulette, die sie in kleine St?ckchen schnitt. Die nahm sie dann mit den Fingern. Als eine Mitarbeiterin sie darauf ansprach, dass sie jetzt auch mit den Fingern essen w?rde, putzte sie die lautstark herunter: ?Das geht sie gar nichts an wie ich esse. Einen nassen Staub geht Sie das an! K?mmern Sie sich um ihre eigenen Angelegenheiten?.

Und MuttI? Die lies den Ausflug ?ber sich ergehen. Sie war m?de und wollte wissen, wann sie sich hinlegen k?nnte. Wenn ich ihr was zeigte, dann schaute sie kurz raus. Immer wieder wollte sie wissen, ?ob mit dem Geld alles in Ordnung? sei. Au?erdem machte sie sich Sorgen, was denn sei, wenn sie bald aufs Klo m?sse.

Als wir den Dampfer verlassen hatten, kamen bei ihr auf dem Heimweg ganz tiefe ?ngste hoch. R., eine Mitarbeiterin von einer anderen Gruppe, schob sie im Rollstuhl und ich ging nebenher. Sie hatte Angst, dass sie ?ausgesetzt? wird und nicht wei?, wo sie dann hin mu? und wie sie dort hin kommt. ?Was soll nur aus mir werden. Ich wei? nicht, wie das weitergehen soll mit mir. Ich habe so Angst?.

F?r mich war der Ausflug ein Wechselbad der Gef?hle ? eine Art emotionaler Achterbahn. In so einer Alltagssituation au?erhalb des Heims, wo die Abl?ufe nicht auf die Demenzkranken abgestimmt sind, sind die Ver?nderungen noch viel deutlicher sichtbar, besonders wenn dann auf halber Strecke viele alte Menschen im gleichen Alter einsteigen, die -mehr oder weniger - gesund sind. Beeindruckt war ich von der Geduld, dem liebevollen Umgang und dem Engagement der Mitarbeiterinnen. Ich finde es toll, welchen Einsatz sie daf?r bringen, den alten Menschen diese anderen Anregungen zu erm?glichen. Aber ich wei? nicht, ob es f?r Mutti nicht besser gewesen w?re, wenn sie in ihrer gewohnten Umgebung geblieben w?re.
10.8.05 01:05
 
Letzte Einträge: Kommentarfunktion abgeschaltet, Kommentarfunktion abgeschaltet, Kommentarfunktion abgeschaltet, Kommentarfunktion abgeschaltet, Kommentarfunktion abgeschaltet



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung