Alzheimer - und dann?

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Zum Schutze seiner grauen Zellen

5. September 2005

Jeden Freitag lese ich im Tagesspiegel die Nachrufe-Seite. Drei Lebensläufe von ganz normalen Menschen wie ich und du werden veröffentlicht und spiegeln das Leben in dieser Stadt mit seiner ganzen Vielfalt. Ich mag diese Seite. Jedes Mal ist auch ein Foto aus einem der Berliner Friedhöfe dabei. Seit einiger Zeit können auch Leser ihre Nachrufe auf der Internetausgabe hinzufügen.

Leute sterben an Herzversagen, Krebs, Gehirntumor, Unfallfolgen, werden ermordet oder entscheiden sich für Selbsttötung. Alles scheint aussprechbar oder schreibbar – nur das Wort „Demenz“ oder „Alzheimer“ kommt bei diesen persönlichen Berichten nicht vor. Ich will es genau wissen. Ich probiere es mit der Suchfunktion, gebe erst „Demenz“ dann „Alzheimer“ und das Ressort „Nachrufe“ ein: Null Treffer.
Ich wiederhole das Ganze für „alle Redaktionen“ und bekomme 111 Artikel zum Stichwort Demenz und 341 zu Alzheimer. Die laufen meist unter Wissenschaft, Forschung und Gesundheit. Sogar heute gibt es einen tagesaktuellen Artikel über die Entwicklung von Impfstoffen gegen Alzheimer, der mit einem persönlichen Einstieg beginnt: Der Forscher Konrad Beyreuther nimmt jeden Morgen präventiv einen kleinen Pillencocktail „zum Schutze seiner grauen Zellen“.

Beim Nachruf Irmgard von Mahlsen , die im Alter von 95 Jahren verstarb, wird Alzheimer nur indirekt verhandelt: Als sie über achtzig ist findet ihre Tochter „beim Besuch ein Brathähnchen im Ofen, vergessen und verschimmelt. Eine Woche hat die Mutter nur Würfelzucker gegessen. Das Kurzzeitgedächtnis verschwindet, doch Irmgard von Malsen will Haltung bewahren, nicht aus dem geliebten Haus ausziehen. Ihre Kinder, weit weg, organisieren ein Betreuungssystem und leben doch in ständiger Angst.“ Das funktioniert anscheinend über 12 Jahre irgendwie bis die Tochter sie nach Berlin holt. „Ihr Geist ist längst zurückgewandert in ihre Jugend“. „Verwirrt“ ist noch das Äußerste, was die Tagesspiegel-Mitarbeiterin formuliert. Das sind ältere Menschen aber zuweilen ohne an Demenz zu leiden, etwa weil sie zu wenig getrunken haben.

Auch Leben mit Alzheimer ist Leben. Wie das aussehen kann und welche Lebensqualität im Umgang mit Alzheimer-Kranken möglich ist, schildert Gitte, eine Pflegekraft in einer Wohngruppe mit Demenz-Kranken, seit einigen Wochen im Designblog „Zeit der Erinnerungen “. Sehr empfehlenswert!



Impfstoffe gegen Alzheimer:
Ein Pikser gegen das Vergessen

Nachruf Irmgard von Mahlsen


Designblog Zeit der Erinnerungen
5.9.05 12:59
 



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