Alzheimer - und dann?

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... wie ein Baum gepflanzt am Wasser

Vorgestern habe ich die S-Bahn verpaßt und als ich im Heim ankam, war Mama schon unterwegs in die Kirche. Ich stieg dann zur Orgel hinaus und hatte einen fantastischen Überblick über die kleine Kirche.
Aha, die Damen vom Chor waren wieder einmal da. Im Mai hatte es schon einmal einen Gottesdienst mit ihnen gegeben, der Mama tief beeindruckt hat.

Heute ging es um das Thema Bäume. Der Pfarrer hatte eine Baumscheibe mit achtzig Jahresringen mitgebracht, die er zeigte. Das paßte auch deshalb sehr gut, weil die meisten Teilnehmenden aus dieser Altersklasse waren.

Sie sprachen also darüber, was Bäume brauchen, über die einzelnen Teile von Bäumen und was Bäume mit Menschen gemeinsam haben. Zwischendurch wurden Texte gelesen, wurde gemeinsam gesungen und immer wieder war der Chor dran.

Es gibt immer was für jede/n, was mit dem Thema des Gottesdienstes zu tun hat. Dieses Mal war es eine Astscheibe, die jeder persönlich mit Nennung des Namens und einem kurzen Zuspruch vom Pfarrer bekam. Ein Herr, der auf einen Gut in Schlesien aufgewachsen war, konnte an der Astscheibe sogar erkennen, daß es sich um einen Apfelbaum handelte.

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Wer sich von den Bewohnern einbringt tut das auf eine sehr persönliche Weise. Eine Frau wünschte sich, daß "im Gebet den Menschen gedankt werden soll, die uns in den Gottesdienst bringen und hier helfen".

Sowohl der Pfarrer als auch die Heimleitung findet es ganz wichtig, daß der Gottesdienst im Kirchenraum stattfindet und nicht im Atrium des Heims. Der Pfarrer schrieb einmal darüber:

Auch wenn kaum jemand der Senioren hier groß geworden ist, der Altar mit Blumen und Kerzen, die Orgelmusik, die Kirchenbank, das Gesangbuch in den Händen, der Geruch des Raumes und anderes mehr sind starke Erinnerungsträger. Hier kommt dem Ort selbst eine therapeutische Funktion zu und beginnt der Gottesdienst schon, bevor der Pfarrer vor den Altar tritt. In betont ruhiger und den Menschen zugewandter Weise werden alte Texte aus der noch präsenten Kindheitserinnerung miteinander gesprochen, gebetet, gesungen. Dies oft von den Senioren in einer Vollkommenheit, die erstaunt und die mitanwesenden Betreuer zu Lernenden macht. Ein Gegenstand mit symbolischer Aussage, jedem Einzelnen überreicht, hilft, ins Gespräch zu kommen. Langzeiterinnerungen werden in Wort und Gefühl erinnert, dann aufgenommen und mit einem seelsorgerlichen Zuspruch verknüpft. Im verbalen und emotionalen Erinnern von frühesten Geborgenheitserlebnissen berühren sich lebensgeschichtliche und religiöse Erfahrungen.


Als wir dann an der Kirchentür vom Pfarrer verabschiedet wurden, meinte Mama zu ihm: "Das war ein wunderschöner Gottesdienst. Vielen Dank, daß ich dabei sein durfte.".

Später fragte sie mich, warum der Pfarrer eine "schwarze Soutane" getragen hat (Don Camillo läßt grüßten). Ich erklärte ihr, daß hier die meisten Menschen evangelisch sind, und evangelische Pfarrer einen schwarzen Talar tragen. Sie wollte auch wissen, ob sie nicht Besuch vom Pfarrer bekommen kann. Und was mich am meisten wunderte: Sie hat den Gottesdienst mit dem im Mai verglichen als die Frauen vom Chor schon einmal da waren. Sie unterscheidet also offensichtlich, daß es unterschiedliche Gottesdienstformen gibt.
Auch wenn sie nicht mehr weiß, was sie gefrühstückt hat, so behält sie doch emotional sehr bedeutsame Inhalte.

Später war sie dann traurig, weil sie meinte, sie sei erst ganz kurz im Heim und wisse nicht, ob sie sich da hineinfinden wird, weil das alles so anders ist als früher.
15.11.07 19:46
 



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