Alzheimer - und dann?

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ver-rückt ?!?

21. November 2005

Eine Mitarbeiterin gibt mir einen an meine Mutter adressierten Briefumschlag vom Amtsgericht. Es wird die Benachrichtigung ?ber die Anh?rung zur Betreuung sein.

Warum aber ist ihr Briefumschlag so dick? Ich habe eine DIN-A-4 Seite bekommen, auf der mir Zeit und Ort des Geschehens mitgeteilt wurde. Als ich den Umschlag ?ffne, finde ich neben der erwarteten Benachrichtigung ein 10seitiges psychiatrisches Gutachten von vor f?nf Monaten vor, das noch im Bezirkskrankenhaus M. erstellt wurde.

Warum schickt das Gericht meiner Mutter, einer demenzkranken Frau ? und nicht mir ? ein solches Gutachten? Schon ich habe Schwierigkeiten mit der medizinischen Terminologie. Ein Arzt ? laut Unterschrift Facharzt f?r Psychiatrie und Psychotherapie ? der meine Mutter im Juni ?begutachtet? hat kommt zu dem Schlu?: ?Ebenfalls ist es zur Vermeidung erheblicher Nachteile f?r die Gesundheit von Frau XY nicht erforderlich bei der Bekanntmachung des Gutachtens oder der Entscheidungsgr?nde besondere Umst?nde zu beachten?.

Und deswegen kann man so ein Papier einfach mal so ein paar Monate sp?ter in einem Briefumschlag an einem dementen Menschen schicken. Da hei?t es einige Seiten vorher: ?Es gibt derzeit keine spezifische Therapie der zugrunde liegenden neurodegenerativen Prozesse? und es ist vom fortschreitenden Verlauf der Krankheit die Rede. Unabh?ngig davon, wie viel oder wie wenig meine Mutter davon beim Lesen verstehen w?rde, kann ich mir nicht vorstellen, dass man bei einer anderen unheilbaren Krankheit so mit Menschen umgeht. Im Krankenhaus konnte mir ?brigens vom Pflegepersonal niemand sagen, ob und wie mit meiner Mutter ?ber die Diagnose gesprochen worden ist.

Das Anschreiben des Gerichts ist abgesehen vom Namen und der Anschrift identisch mit dem, das ich bekommen habe. Ich gebe es Mama, die es liest und kommentiert: ?So ein Schmarrn. Da schreiben die ?bitte dieses Schreiben zum Termin mitbringen?. Wieso soll ich das zum Termin mitbringen, wenn der Termin doch da ist, wo ich bin??

Einige Minuten sp?ter ist sie verwirrt und desorientiert und denkt, dass sie in M. ist und in einiger Zeit nach Berlin ziehen wird. Mein Hinweis, dass sie doch schon einige Monate in Berlin ist, geht an ihrer Realit?t vorbei. ?Wann ziehe ich jetzt nach Berlin?? insistiert sie. ?In ein paar Wochen? sage ich. Sie macht sich Sorgen, ob sie sprachlich dort zurechtkommen wird. ?Ob mich die Leute da verstehen und ob ich die verstehe? Ich habe doch mein ganzes Leben in Bayern gelebt.? Ich erinnere sie an zwei Kollegen, die aus Berlin waren und mit denen sie sich besonders gut verstanden hat. Das scheint sie zu beruhigen. Dabei hat sie schon so einige Berliner W?rter gelernt. Sie sagt, dass sie ?noch eine Bulette? mag und redet nicht vom ?Fleischpflanzl?. Wenn Pfleger G. fragt: ?M?ssen Sie pullern?? dann antwortet sie ihm: ?Nein, ich muss jetzt nicht aufs Klo?.

Mir f?llt auf, dass sie wenig trinkt. Gerade ein paar Schl?ckchen hat sie vom geliebten Kaffee genippt. ?Magst Du heute gar keinen Kaffee? ? Soll ich Dir lieber was Kaltes zum Trinken holen?? ?Nein, ich mag gar nichts? und kurz darauf erz?hlt sie mir, dass sie ?die Hose nass gemacht? hat und eine neue brauchte, ?weil das Klo so weit weg war. Ich wei? gar nicht, warum ich einen so ?berm??igen Harndrang habe?. Sie sagt tats?chlich ??berm??igen Harndrang?. Da sie nur sehr langsam mit dem Stock gehen kann, kann ich mir gut vorstellen, dass der Weg zur Toilette zu weit war.
21.11.05 11:01
 



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