Alzheimer - und dann?

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Forget your career - vergiß Deine Karriere

28. November 2005

In der New York Times vom letzten Freitag beschreibt ein Artikel vom letzten Freitag einen neuen Trend unter amerikanischen Oberschichtfrauen jenseits von Mitte 40:

Forget the Career. My Parents Need Me at Home (Vergi? die Karriere. Meine Eltern brauchen mich zuhause)

Frauen schmei?en ihre sehr lukrativen Jobs hin ? werden angeblich von zur?ckbleibenden Kollegen ob dieser Wahl beneidet und widmen sich in den beschriebenen Beispielen an Alzheimer erkrankten Eltern. Schon gibt es soziologische Untersuchungen, die daf?r ein Etikett haben: ?Daughter?s Track? (frei ?bersetzt: Tochter-Schiene) ? im Gegensatz zu Mother?s Track (Mutter-Schiene).

Da ist unter anderem die Rede von einer Journalistin und Radiomoderatorin mit 6stelligem Jahreseinkommen. Sie kehrt in ihr Elternhaus zur?ck. Der jetzt an Alzheimer erkrankte Vater stellte Autoersatzteile her. Damit sie ?etwas Geld in der Tasche hat?, bekommt sie von Mama 22 000 Dollar Taschengeld im Jahr und nat?rlich die Krankenversicherung bezahlt.

Papa ist bis zum Nachmittag in einer Tagespflege-Einrichtung. Mutter und Tochter nehmen in dieser Zeit Malstunden, gehen ins Fitness-Studio und zu Starbucks Kaffee trinken. Davon kann die Mehrzahl der Angeh?rigen nur tr?umen.

Bei den 4 Millionen an Demenz erkrankten Amerikanern wird es sicher auch einige solche Familienkonstellationen geben, aber die werden eine Minderheit betreffen. Die ?Normalit?t? einer Alzheimer-Erkrankung wird auch bei den meisten amerikanischen Familien anders aussehen ? noch dazu, wo dort das Gesundheitssystem viel weniger absichert als bei uns. Und schon bei uns ist Demenz eine sehr teure Krankheit.

Ich frage mich nur, was an diesem Oberschicht-Ph?nomen so wichtig ist, dass die New York Times dem eine ganze Seite an zentraler Stelle widmet? Wenn ich mich in meiner Selbsthilfegruppe umschaue, wo meist ?ber 70j?hrige Menschen den an Alzheimer erkrankten Partner pflegen, dann schaut das ganz anders aus. F?r die ? und das sind meist Mittelschichtfamilien ? ist es schon was besonderes, wenn sie alle 14 Tage in die Selbsthilfegruppe gehen k?nnen und w?hrend der Zeit der Angeh?rige betreut wird. Ansonsten sind sie rund um die Uhr im Einsatz und k?nnen oft keine Nacht durchschlafen.

Drei Wochen Kurzzeitpflege in einer entsprechenden Einrichtung zahlt die Krankenkasse im Jahr ? egal ob der pflegende Angeh?rige dann Urlaub macht oder wegen eigener Erkrankung im Krankenhaus behandlungsbed?rftig ist. Dieses Gespenst sitzt allen, die zu Hause pflegen, im Nacken. Neulich erlebte ich eine ?ltere Frau, die sich ? nach Meinung der ?rzte ? zu fr?h aus dem Krankenhaus entlassen lie?, in das sie wegen eines k?rperlichen Zusammenbruchs eingeliefert worden war: ?Was soll ich machen ? es muss ja irgendwie gehen?.
28.11.05 16:24
 



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