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... abgeschoben ins Heim

28. Januar 2008

Letzte Woche war ich wieder nach langer Zeit in der Heim-Gruppe. Das ist eine Selbsthilfegruppe von Angehörigen, die ihren Partner oder einen Elternteil wegen Demenz in einem Pflegeheim untergebracht haben. Die Gruppe hat nichts mit Mamas Heim zu tun, was die Bezeichnung nahelegen könnte. Es finden sich dort Leute zusammen, deren Angehörige in ganz unterschiedlichen Heimen leben. So bekommt man auch mit, wie es in verschiedenen Heimen zugeht und besonders, was die Schwierigkeiten dort sind. Die Gruppe trifft sich in einem Selbsthilfezentrum. Und die meisten Leute waren vorher schon in einer "ambulanten Gruppe", also einer Gruppe, wo sich die treffen, deren erkrankte Angehörige noch zu Hause gepflegt werden. Die bringen dann ihre Kranken mit, und die werden in einem anderen Raum dann liebevoll betreut. Angeleitet werden die Angehörigengruppen von Sozialarbeiterinnen.

Manche Leute gehen in die ambulante Gruppe und in die Heimgruppe, weil sie so viel Gesprächsbedarf haben, daß ihnen die Heim-Gruppe einmal im Monat nicht reicht oder weil sie die Bekannten aus der ambulanten Gruppe weiter sehen möchten.

Beim letzten Treffen der Heimgruppe waren zwei neue Mitglieder gekommen. Regelmässig erzählen die Neuen dann von Vorwürfen aus ihrer Umwelt so nach dem Motto: "... wie können Sie Ihren Mann / Vater ins Heim abschieben. Das würde ich nieeee machen". Meistens kommen solche Äußerungen gar nicht von Familienangehörigen oder engen Freunden, sondern - man merkt es an der Sie-Form - von Menschen aus dem Bekanntenkreis: dem Kameraden aus dem Sportverein oder die Sängerkollegen aus dem Kirchenchor oder den Nachbarn aus der Kleingartenanlage.

Idealisiert werden in jedem Fall diejenigen, die zuhause pflegen. Wieviel Gewalt da im Einzelfall im Spiel sein mag, wird ausgeblendet. Nirgends gibt es so viel Gewalt gegen alte Menschen wie im häuslichen Umfeld. Und idealisiert werden auch diejenigen, die ihren Angehörigen zuhause lassen und eine Sklavin einen Engel aus Osteuropa engagieren. Wie soll ein Mensch aus einer anderen Kultur die Pflege 24 Stunden rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche schaffen, die man selber nicht mehr schafft?

Eine der Neuen erzählte, daß sie jetzt das erste Mal seit Jahren wieder einen Roman gelesen habe. Mindestens fünf Mal habe sie jede Nacht ihren Partner auf die Toilette begleiten müssen. Und manchmal habe sie ihn auch angeschrien. Und wenn sie nicht eine so große Hemmung vor dem Schlagen in sich hätte, dann hätte sie wahrscheinlich auch mal zugeschlagen - meint sie.
28.1.08 13:04
 



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