Alzheimer - und dann?

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Ihre Realität - unsere Realität - gemeinsame Realität

25. August 2009

Manchmal staune ich, dass die dementiell veränderte und die „normale“ oder gemeinsame Realität nur zwei Sätze auseinanderliegen. Am Samstag hatte Helga, Kollegin von Margit, als Servicekraft Dienst. „Dass die Helga jetzt heute hier arbeitet“ sinniert Mama vor sich hin. „Die wäre jetzt am Wochenende wahrscheinlich auch lieber bei ihrer Familie“. Helga, die das gehört hat, dreht sich zu Mama und schlägt vor: „Sie können mir ja freigeben“. Mama überlegt. Ich gebe zu Bedenken: „Wenn Helga aber jetzt heimgeht, wer soll sich dann um das Abendessen kümmern und was sonst noch so im Haushalt hier anfällt?“ Helga sagt: „Heute gibt es zum Abendessen belegte Brote. Aber morgen ist Sonntag. Da machen wir dann was Besonderes zu Abend. Wenn Ihnen was einfällt, worauf Sie Lust haben, dann sagen Sie bescheid.“

(Anmerkung: Das Mittagessen wird in einer zentralen Küche gekocht, wobei jeden Tag zwei Gerichte zur Auswahl stehen. Das Frühstück und das Abendessen bereitet die Servicekraft in der Wohngruppe zu. Außerdem wird dreimal wöchentlich in der Wohngruppe gebacken, an den anderen Tagen kommt der Kuchen auch aus der Küche)

„Die Helga ist eine ganz Nette. Die bekommt eine Wohnung hier sobald was frei ist. Wollen Sie hier einziehen?“ fragt Mama Helga. „Gerne, aber im Moment ist ja alles besetzt“. Ich kann überhaupt nicht einordnen, was der Wortwechsel bedeutet. Helga klärt mich auf: „Ihrer Mutter gehört doch das ganze Haus hier“. Ach so, das wusste ich bis jetzt noch nicht. Mir war in der letzten Zeit nur aufgefallen, dass Mamas Verarmungsängste nicht mehr Thema waren.

Etwas später sind wir ein Stockwerk höher, weil Mama nachschauen wollte, ob „dort alles in Ordnung ist“. Als ich mich in einer Sitzgruppe niedergelassen habe, fragt mich Mama: „Sag mal, wie haben wir das eigentlich gemacht mit der Finanzierung von diesem großen Haus?“ Ich schnappe nach Luft und sage: „Und das soll ich jetzt im Detail wissen, wo Du doch immer für die finanziellen Sachen zuständig warst.“ Mama ist mit dieser Auskunft zufrieden und stellt fest: „Das ist wirklich ein Glücksfall, dass wir den Alex, die Helga und die Julia hier haben“. Das sind die Mitarbeiter, die gerade Dienst haben, wobei ihr alle Namen eingefallen sind ohne dass wir akut über sie gesprochen haben.

In solchen Momenten lüge ich gern, weil es Mamas Lebensqualität steigert. Und ich brauche kein Buch darüber veröffentlichen „warum ich meine demente Mutter belüge“, wobei ich gar nichts gegen das Buch von Cyrille Offermans sagen will. Ich kenne es schlicht und einfach nicht.


Rezensionen: Cyrille Offermans: Warum ich meine demente Mutter belüge
25.8.08 10:06
 



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