Alzheimer - und dann?

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erschrocken

5. Februar 2006

Neben Mama sitzt Frau Krug. Sie ist erst wenige Wochen in der Gruppe. Ich erinnere mich noch gut, wie ich sie zum ersten Mal sah. Sie war lebhaft, unterhielt sich mit den Mitarbeitern und hatte viele Fragen und war gut zu Fu?. Mein erster Eindruck war, dass sie jemanden besuchte. Ich brauchte eine ganze Zeit bis ich begriff, dass sie eine neue Bewohnerin ist.

Und heute tat es mir einfach von Herzen weh als ich sie wieder sah, nachdem sie bei meinen beiden letzten Besuchen nicht da war. War sie in ihrem Zimmer, oder war sie im Krankenhaus? Diese vor kurzem noch so lebhafte Frau sitzt nun neben meiner Mutter im Rollstuhl. Ihr Gesicht war eingefallen. Sie konnte den Becher nicht mehr heben und auch nicht mehr allein essen. Abends wurde ein Brei f?r sie zubereitet, und sie musste gef?ttert werden. Beim Schlucken hatte sie Schwierigkeiten. Ob sie einen Schlaganfall hatte?

Mama meinte: ?Ich suche oft nach W?rtern und finde sie nicht?. Noch kann sie umschreiben, was sie meint: ?Ich schaue auf das, was da so schnell l?uft? (Sekundenzeiger meiner Armbanduhr).

Sie fragte wieder, wer ihr Doktor ist. Ich habe vor einigen Tagen mit ihm in seiner Praxis gesprochen. Bei dieser Gelegenheit habe ich ein Foto von ihm gemacht. Ich merkte, dass ihm meine Frage, ob ich ihn fotografieren d?rfe erst einmal kurios vorkam. Aber als ich ihm erkl?rte, dass Mama immer wieder nach ihm fragt und sich niemand vorstellen kann, war es o.k. Als sie nun das Foto sah, kommentierte sie: ?Der sieht aber nett aus? und wollte wissen, was ich mit ihm besprochen habe.

Auch nach ihren Kontoausz?gen und Wohnungsschl?sseln fragte sie. ?Ob ich mich an meine Wohnung noch richtig erinnern kann?? fragte sie mich. ?An was erinnerst Du Dich denn?? Sie zuckt mit den Schultern. ?Ist das schlimm f?r Dich, wenn Dir dazu nichts einf?llt?? frage ich nach. ?Nein, schlimm w?re nur, wenn ich mich nicht mehr an Dich erinnern k?nnte?.

Es ist das erste Mal, dass sie ihre Armbanduhr nicht mehr richtig ablesen konnte. Sie fragt mich, wie alt sie ist. Wir haben so eine Art Ritual, dass ich dann frage: ?In welchem Jahr bist Du auf die Welt gekommen??. Das beantwortet sie auch heute richtig, aber als ich ihr das Jahr 2006 sage, ist sie nicht mehr in der Lage die Differenz herauszubekommen. Sie hat keine Vorstellung mehr von Zahlenr?umen und meint fragend: ?Dann bin ich sechzig??, womit sie sich um zwanzig Jahre vertut.

Sie hat auch keinen Bezug mehr dazu, dass wir unterschiedlichen Generationen angeh?ren. Sie fragt mich, wie es meinem Enkelkind geht (das ja ihr Urenkelkind w?re) und ist erstaunt, als ich ihr sage, dass ich keines habe. ?Und ich war der Meinung, dass Du ein Enkelkind hast?. Oder h?lt sie mich in diesem Augenblick f?r ihre Zwillingsschwester?

?Ich glaube, ich bin gar nicht richtig frisiert?? fragt sie mich. ?Deine Haare sind ein bisschen lang geworden. Wenn der Friseur wieder kommt, dann gehst Du halt zum Haare schneiden?. ?Meine G?te, wie viel Arbeit ich Dir mache. Was Du alles f?r mich machen musst: Meine Geldsachen, Briefe schreiben, Friseur organisieren?.

Sie hat starke Schmerzen im rechten Ellbogengelenk und versucht jede Bewegung zu vermeiden. Rauchen will sie nicht, denn es ist ihr zu m?hsam in die Raucherecke zu gehen. Da? sie auf ihre Zigaretten verzichtet, habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt.

Sie l?sst ihren Blick um den Tisch schweifen und macht Bemerkungen ?ber einzelne Bewohner. Als ihr Blick bei Frau Holzapfel h?ngen bleibt, meint sie: ?Das ist unsere Erzfeindin!?. ?Meine nicht, aber Deine vielleicht?? gebe ich zur?ck. ?Ja, die ist wie die Gro?mutter (sie meint ihre Mutter). Jeder mu? tun, was sie will und alles mu? laufen, wie sie sich das vorstellt. Da hat kein anderer etwas zu melden.?


Nachtrag: Heute ging es Frau Krug schon besser. Es ist kein Schlaganfall, sondern eine Lungenentz?ndung.
5.2.06 08:55
 



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