Alzheimer - und dann?

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Autofahren mit Alzheimer?

8. Februar 2006

In den Angeh?rigengruppen f?r Demenzkranke wird oft Besorgnis von den pflegenden Angeh?rigen ge?u?ert, wenn die Kranken auf das Autofahren nicht verzichten wollen. Es scheint ein ganz zentraler Einschnitt zu sein, der in den famili?ren Auseinandersetzungen gro?e Emotionen entfacht und viele Aggressionen ausl?st. Die Kranken wollen auf Mobilit?t und Autonomie nicht verzichten. Die pflegenden Angeh?rigen sehen den Sicherheitsaspekt und die Gef?hrdung durch die nachlassenden kognitiven F?higkeiten im Vordergrund. Da werden Autoschl?ssel versteckt, die der Kranke dann doch findet oder Unf?lle mit Totalschaden vorget?uscht. Infolgedessen hat ein Kranker sich ein Motorrad gekauft. Seine Frau hatte M?he, diesen Kauf anzufechten. M?nnern scheint der Verzicht auf das Auto noch schwerer zu fallen als Frauen.

Gestern hat der Informationsdienst Wissenschaft folgende Pressemitteilung zum Thema publiziert:


Fahreignung bei Alzheimer-Erkrankung
Ermittlung neuropsychologischer Pr?diktoren

Allein die Diagnose einer Alzheimer-Erkrankung rechtfertigt nicht, dass auf das Autofahren verzichtet werden muss. Der individuelle Krankheitsverlauf f?hrt dazu, dass die Fahreignung der betroffenen Personen unterschiedlich lange erhalten bleibt. Zudem k?nnen mitunter Defizite, z.B. durch Fahrerfahrung oder angepasste Fahrweise (wie Verzicht auf Nachtfahrten), ausgeglichen werden. Diese Auffassung vertritt Professor Dr. R?diger Mielke vom Lehrstuhl f?r Neurowissenschaften und Rehabilitation der Heilp?dagogisch-Rehabilitationswissenschaftlichen Fakult?t der Universit?t zu K?ln.

Erstmals werden unter der Leitung von Professor Mielke in einer deutschen Studie die Auswirkungen einer beginnenden Alzheimer-Erkrankung auf die Fahreignung untersucht. Es sollen geeignete neuropsychologische Pr?diktoren ermittelt werden, mit deren Hilfe die Fahreignung bei beginnender Alzheimer-Erkrankung prognostiziert werden kann. Dabei gilt es, zuverl?ssige Kriterien zu finden, die fahrgeeignete Personen von solchen, die m?glicherweise ein Verkehrsrisiko darstellen, unterscheiden. Zudem soll festgestellt werden, inwieweit Defizite ausgeglichen werden k?nnen. Es soll gepr?ft werden, inwieweit Personen mit beginnender Alzheimer-Erkrankung am Stra?enverkehr teilnehmen k?nnen, ohne die Verkehrssicherheit zu gef?hrden.

F?r ?ltere Menschen ist das Autofahren von gro?er Bedeutung, weil sie damit ihre Mobilit?t und ihre Selbstst?ndigkeit erhalten. Gerade im Hinblick auf die demographische Entwicklung ist diese Ressource von grundlegender Bedeutung. Sie ist nicht durch Alternativen, wie z.B. die Nutzung des ?ffentlichen Nahverkehrs, zu ersetzen.

Bei einer beginnenden Alzheimer-Erkrankung kommt es zu kognitiven Beeintr?chtigungen, die sich auf die Fahreignung auswirken und ein Risiko darstellen k?nnen. Im fr?hen Stadium machen sich zun?chst Beeintr?chtigungen des Ged?chtnisses und der Sprachfl?ssigkeit bemerkbar. Im Verlauf der Erkrankung kommen Verminderungen der Aufmerksamkeit, des Urteilsverm?gens, der Intelligenz, der visuell-r?umlichen Wahrnehmung sowie des Erkennens hinzu. Die Erkrankung f?hrt folglich im weiteren Fortgang unweigerlich zum Verlust der Fahreignung.

Einheitliche Kriterien, die eine Verkehrsgef?hrdung anzeigen, liegen bislang nicht vor. Derzeitige Erkenntnisse zu diesem Thema st?tzen sich ausschlie?lich auf die internationale Forschung. Diese sind jedoch nicht auf die hiesigen Verh?ltnisse ?bertragbar. Sowohl die Verkehrsbedingungen als auch kulturspezifische Unterschiede lassen eine ?bertragung nicht zu. Daher werden jetzt, erstmals in Deutschland, die Auswirkungen einer beginnenden Alzheimer-Erkrankung auf die Fahreignung n?her untersucht.

Insgesamt 50 ?ltere Personen zwischen 55 und 90 Jahren sollen an der Untersuchung teilnehmen. Eine gr?ndliche medizinische Untersuchung sowie die ?berpr?fung von Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungs-leistungen sind vorgesehen. Zur Erfassung der Fahrerfahrung sowie der F?higkeit, vorhandene Beeintr?chtigungen auszugleichen, wird die Fahrbiographie erhoben und eine praktische Fahrprobe durchgef?hrt. Die Fahrprobe erfolgt in einem Fahrschulfahrzeug (mit Doppelbedienung) unter der Leitung eines ausgebildeten Fahrlehrers als Beifahrer sowie eines Verhaltensbeobachters. Auf einer standardisierten Fahrstrecke werden typische Fahrfertigkeiten ?berpr?ft. Nach Abschluss der Untersuchungen werden den Studienteilnehmern die Untersuchungsergebnisse mitgeteilt und erl?utert. Bei konkreten Problemen erfolgt eine individuelle Beratung, in der m?gliche Anpassungen der Fahrgewohnheiten vorgeschlagen und Kompensationsm?glichkeiten aufgezeigt werden.

F?r R?ckfragen stehen Ihnen Professor Dr. R?diger Mielke unter der Telefonnummer 0221/470-4919, der Fax-Nummer 0221/470-3153 und unter der Email-Adresse neurowissenschaften@uni-koeln.de zur Verf?gung.
8.2.06 09:52
 



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