Alzheimer - und dann?

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Memory for Max, Claire, Ida and Company - Teil 3

14. Februar 2006

Auch die zweite Vorstellung auf der Berlinale von ?Max, Claire, Ida and company? war gut besucht. Im Anschlu? an die Vorf?hrung war ein Gespr?ch mit dem Regisseur des Films, Alan King, angek?ndigt.

Der gr??ere Teil meiner Erwartungen an den Film wurde entt?uscht. Ein Film ?ber Ged?chtnis und Erinnerung war er insofern als deutlich wurde, an was sich die Protagonisten in welchen Situationen erinnern oder auch nicht. F?r die, die mit Demenz und Alzheimer nicht vertraut sind, war es sicher auch neu, dass die Kranken im Laufe der zeit die Generationen innerhalb der Familie verwechseln und die Zuordnung der einzelnen Familienmitglieder nicht mehr funktioniert.

Mein gro?es Interesse war, eine Modelleinrichtung f?r die Pflege von Demenzkranken zu sehen, die einen au?erordentlichen Ruf hat. So hie? es im Pressematerial und auf der Internetseite des Baycrest Centre for Geriatric Care. Bei uns ist das Vorurteil g?ngig, dass Einrichtungen im englischsprachigen Bereich drei bis f?nf Jahre der hiesigen Entwicklung voraus seien.

Warum das Baycrest Centre for Geriatric Care einen so au?erordentlichen Ruf hat, ist mir nach diesem Film schleierhaft. Nach unseren Ma?st?ben ist die Einrichtung guter Durchschnitt. Die Atmosp?re des Hauses ?hnelt mehr einem Krankenhaus als einem Heim. Die Bewohner haben Einzelzimmer mit Erinnerungsst?cken in einer abgeschlossenen Glasvitrine.

Viel Zeit sitzen sie alleine herum, gelegentlich zu zweit oder zu dritt auf dem Flur. Es gibt eine Betreuerin, die sehr viel mit den Menschen spricht, aber bei den anderen Mitarbeitern ist der Umgangston zwar freundlich, aber auf die t?gliche Routinen bezogen und ziemlich gesch?ftsm??ig.

Ich fand den Umgang mit den alten Menschen an vielen Stellen ausgesprochen respektlos. Ein alter Herr wurde nicht auf die Rasur vorbereitet, sondern ? schwuppdiwupp ? hatte er den Rasierapparat im Gesicht.

Eine alte Frau, die alleine auf dem Flur im Rollstuhl sa?, wurde von einem Mitarbeiter gen?tigt zu trinken. Klar, es ist schwierig alte Leute dazu zu bringen, dass sie genug trinken. Bei meiner Mutter im Heim halten sich die meisten Bewohner lange Zeiten des Tages im Wohnzimmer auf. Es werden ihnen unterschiedliche Getr?nke in h?bschen Bechern angeboten. Wenn einer trinkt, hat das oft einen Nachahmungseffekt auf die anderen. Meine Mutter verlangt jetzt wieder von selber zu trinken. Im Film bekommt die Bewohnerin ein Tetrapack mit Strohhalm unter die Nase gehalten. Da sieht sie gar nicht, was drin ist und der Betreuer sagt auch nicht, was er ihr gibt.

Entsetzt war ich, als gezeigt wurde, wie eine Frau beim Verbandswechsel von vier Leuten festgehalten wurde. Da wurde richtig sch?n deutlich, wie die Pflegepersonen den Widerstand der Frau durch den Druck, den sie aus?ben, verst?rken.

Claire ist sehr traurig, dass ihr Freund Max gestorben ist. Sie hat vergessen, dass ihr sein Tod schon mehrmals mitgeteilt wurde und dass sie an der Trauerfeier, die f?r ihn im Heim abgehalten wurde, teilgenommen hat. Mir standen die Haare zu Berge als die Betreuerin sie immer wieder belehrte, dass man es ihr schon vor soundsoviel Tagen gesagt habe. Hat man in diesem Haus noch nichts von der Validation von Naomi Feil geh?rt, die speziell f?r den Umgang mit an Demenz Erkrankten entwickelt worden ist?

Heftig fand ich auch eine andere Szene mit Claire. Die alte Dame sieht nur noch recht schlecht und schminkt sich jeden Tag. Eine Betreuerin wischt ihr ohne Ank?ndigung und ohne dass das von Claire gew?nscht wird im Gesicht herum. Der Regisseur meinte sp?ter auf meine Nachfrage im Gespr?ch dazu, dass die Angeh?rigen von Claire nicht m?gen, wenn sie so stark geschminkt heruml?uft. Na ja, wenn man als Pflegeperson der verl?ngerte Arm der Angeh?rigen ist ?

Abgesehen von Claires Geburtstagsfeier, einem Gespr?ch ?ber den Tod von Max und einer Trauerfeier f?r ihn waren keine angeleiteten Gruppenaktivit?ten zu sehen.

Da es sich um ein j?disches Altersheim handelt und in der j?dischen Tradition Gedenken und Erinnerung von zentraler Bedeutung sind, hatte ich auch erwartet zu sehen, wie die j?dischen Feiertage vorbereitet werden. Da? w?hrend des Schabbat und der Feiertage nicht gefilmt werden kann, ist schon klar. Im j?dischen Alltag gibt es so viele Rituale, mit denen man immer wieder Vergangenes und Erlebtes in Erinnerung rufen kann und die Erinnerungsinseln der Bewohner st?rken k?nnte.

Insgesamt hat der Film bei mir zwiesp?ltige Eindr?cke hinterlassen.


Mehr zum Film
Mehr zu Validation

Nachtrag: Als ich diesen Blogeintrag verfa?t habe, wu?te ich noch nicht, da? die "Betreuerin" keine Mitarbeiterin dieser Station war, sondern - je nach Sprachgebrauch - eine "?bersetzerin", Koordinatorin oder Zensorin. Mehr dazu steht in einem sp?teren Blogeintrag hier
14.2.06 08:45
 



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