Alzheimer - und dann?

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Was ein Lichtschalter erzählt

17. März 2006

Im Focus vom 6. März beschreibt der Artikel „das unwerte Leben der Edith Hecht“, dass der Arzt Gustav Eidam 332 behinderte Kinder in der psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalt H. ermorden ließ. Die Eltern von Edith Hecht forderten Aufklärung, die sie nicht bekamen. Bis heute wurde niemand bestraft für diese Verbrechen.

Mein Blick fällt auf die Bilder. Links unten sehe ich ein Gebäude und denke: Mensch, das kennst du doch. Die Bildunterschrift klärt mich auf, dass sich hier im Erdgeschoß die „Tötungsabteilung“ (so die offizielle Bezeichnung) befand und heute Patienten der Gerontopsychiatrie hier untergebracht sind. Da fällt es mir wie Schuppen vor die Augen: Genau hier war Mama mehrere Wochen im Erdgeschoß bevor ich sie nach Berlin geholt habe.

Und jetzt auf einmal ergibt es einen Sinn, dass die Lichtschalter in der Toilette so niedrig angebracht waren – etwas unterhalb der Waschbecken. Kinder kommen da hin. Für Erwachsene ist es zu niedrig. Wie oft ging der Alarm los, wenn jemand auf die Toilette ging und den – niedrig angebrachten – Lichtschalter suchte, aber den Alarmschalter erwischte, weil der auf der heute üblichen Höhe für Lichtschalter angebracht ist. Wie oft habe ich gedacht: „Welcher Idiot hat die Lichtschalter so niedrig gesetzt.“ Schon ich hatte Schwierigkeiten damit mir das zu merken von Besuch zu Besuch. Und wenn man Alzheimer hat und das Kurzzeitgedächtnis nicht mehr funktioniert, dann ist es noch komplizierter. Selbst die Kranken, die sich noch so weit orientieren können, dass sie die Toilette finden, brauchen spätestens dann eine Pflegeperson, die ihnen das Licht anmacht. Was für eine entmutigende Erfahrung, dass man nicht mal mehr das Toilettenlicht alleine findet.

Der Stationspfleger hatte mir einmal erzählt: „Vor Jahren ist hier umgebaut und renoviert worden. Aber für die Elektrik in den Toiletten hat das Geld nicht mehr gereicht“. Der Lichtschalter im Klo als letzter Hinweis, dass hier zwischen 1940 und 1945 mehr als dreihundert behinderte Kinder untergebracht waren, die als „unwertes Leben“ gesehen und im Rahmen der Euthanasie vergiftet wurden.


Markus Krischer hat ein Buch darüber geschrieben, was der Anlaß für den Focusartikel war: Kinderhaus – Leben und Ermordung des Mädchens Edith Hecht, DVA 2006
17.3.06 08:28
 



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