Alzheimer - und dann?

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Klausjürgen Wussow im Pflegeheim (Beitrag ediert)

19. Juli 2006

Als Professor Brinkmann von der Schwarzwaldklinik wurde er zum Hausarzt der Nation. In den letzten Monaten wurde immer wieder über gesundheitliche Probleme berichtet wie Schwächeanfälle, Kreislaufprobleme und zwei kleinere Schlaganfälle. Nun ist er in ein Pflegeheim eingewiesen worden und zwar wegen einer Demenz. Und natürlich gibt es gleich einen Arzt, der sich sicher ist, dass diese Diagnose nicht stimmt. Er kennt neuere Befunde des Schauspielers und hat ihn viele Jahre betreut.

Jetzt hat natürlich die „böse“ Ehefrau die Arschkarte . Und was ist das für eine Aussage: "Diese Art der Behandlung ist insbesondere eines Trägers des Bundesverdienstkreuzes, der sich zeitlebens für kranke Menschen und Kinder eingesetzt hat, absolut unwürdig." Ob die Behandlung in einem Pflegeheim „unwürdig“ ist, hängt davon ab, wie dort gearbeitet wird, aber nicht, ob der Bewohner durch ein Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden ist oder nicht. Und zuhause bei Angehörigen, die mit der Pflege überfordert sind, kann es "unwürdig" sein und zwar für alle Beteiligten. Aber das Thema "Gewalt in der Pflege" ist im Bereich der häuslichen Pflege noch mehr tabu als im stationären Bereich. Lieblingspfleger Fritz hat mir so einiges aus dem Nähkästchen seiner Erfahrungen erzählt. "Was meinen Sie, wie oft Angehörige stundenlang die Kranken in ihrer Soße liegenlassen. Da werden alte Rechnungen beglichen".

Ich hatte monatelang den Verdacht, dass meine Mutter Alzheimer hat und bin von ihrem Hausarzt, der sie jahrelang intensiv betreut hat (ein bis zwei Hausbesuche wöchentlich) beschimpft worden, das sei nicht der Fall und er würde sich nicht zum Komplizen von Leuten wie mir machen, die ihre Angehörigen nur ins Heim abschieben wollten. Das ging soweit, daß er in der Gerontopsychiatrie, wo meine Mutter eingewiesen worden war, während der Visite auftauchte und den dortigen Ärzten klarmachen wollte, dass sie sich irren.

Meine Mutter hatte die Mitarbeiter vom Pflegedienst nicht mehr reingelassen, weil sie sie nicht erkannt hat. Einmal war ein Feuerwehrgroßeinsatz nötig, weil sie vergessen hatte, daß sie in der Küche Fett in der Pfanne auf dem Herd hatte. Eine Nachbarin hatte den Rauchmelder gehört, meine Mutter jedoch nicht. Sie rief mich manche Nächte mehr als zehn Mal mit der gleichen Frage an, weil sie vergessen hatte, daß wir vor ein paar Minuten genau darüber gesprochen hatten. Mit der Einnahme ihrer Medikamente kam sie nicht mehr zurecht, weil sie keinen Überblick hatte - und das bei morphinhaltigen Medikamenten, weil sie eine chronische Schmerzpatientin war. Aber der Doktor meinte, dann muß der Pflegedienst eben zwei mal täglich statt einmal kommen. Nur: Wenn sie die Pflegepersonen nicht erkannte, dann machte sie nicht auf, egal ob einmal oder zweimal jemand vorbeikam. Aber der Doktor war davon überzeugt, daß meine Mutter noch jahrelang in ihrer Wohnung bleiben könnte.

Nächtelang hat sie mich am Telefon beschimpft, daß ich ihr Konto manipuliert hätte und sie bestohlen hätte. Monate später als ich dann die Betreuung hatte, stellte sich heraus, daß ein Sozialarbeiter des gerontopsychiatrischen Dienstes, der sie regelmäßig besucht hat, sich von ihr eine Bankvollmacht über 4000 Euro geben hat lassen. Meine Mutter hat ihr ganzes Leben bei der Bank immer nur soviel Geld geholt, wie sie monatlich an Lebenshaltungskosten brauchte. Die viertausend Euro jedenfalls waren weg. Und die Mitarbeiter des Pflegedienstes, bei denen sie sich beklagte, schrieben das zwar auf, aber nahmen es nicht ernst. Informiert hat mich auch niemand. Dabei hatte ich mit der Sozialarbeiterkollegin vom gerontopsychiatrischen Dienst eine klare Absprache. Sie hatte mich gefragt, wie das denn laufen solle mit Bargeld, da meine Mutter die drei Treppen nicht mehr schaffe. Ganz einfach, sagte ich. Eine meiner Freundinnen wohnt in der Nachbarschaft meiner Mutter. Da ich eine Bankvollmacht habe, überweise ich der Freundin den Betrag und sie bringt ihn meiner Mutter vorbei.

In den letzten Monaten habe ich immer wieder davon gelesen, dass viele Hausärzte nicht das entsprechende Wissen haben, um eine Demenz zu erkennen geschweige denn damit adäquat in ihrer hausärztlichen Praxis umzugehen. Dazu kommt noch, dass die Erkrankten Strategien entwickeln, um ihre Krankheit zu überspielen. Pfleger Dieter meinte mal zu mir: „Wenn ich Ihre Mutter im Rahmen der häuslichen Krankenpflege betreut hätte, hätte ich ihre Demenz sicher auch lange nicht erkannt“.


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19.7.06 13:50
 



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