Alzheimer - und dann?

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Erleichterung

31. Juli 2006

Mama wird umziehen. Eine anstrengende Zeit liegt hinter mir. Soll ich sie in dem Heim lassen, in dem sie ist oder einen anderen Ort für sie suchen? Welcher Ort ist der richtige für sie? Welche Konsequenzen würde ein Wechsel für ihren Gesundheitszustand haben?

Ich bat um einen Beratungstermin bei der AAI (Alzheimerangehörigeninitiative) und schilderte dort meine Eindrücke von der Heimsituation, die sich so negativ verändert hat: Das Personalkarussell im Heim und damit verbunden ein dauernder Wechsel von Mitarbeitern. Mama, die sich „wie auf dem Bahnhof“ fühlt.

Sie selber wünscht sich ein Einzelzimmer und ein eigenes Bad, wie sie es ihr ganzes erwachsenes Leben hatte. Einzelzimmer gäbe es auch im jetzigen Heim gegen Aufpreis, aber ein eigenes Bad nicht. Für das Einzelzimmer müsste sie die Gruppe wechseln. Aber wenn sei sowieso innerhalb des Hauses wechseln müsste und mir das Grundvertrauen verlorengegangen ist, dann kann ich gleich überlegen, ob ich das Heim wechsele oder eine Alzheimer-Wohngemeinschaft suche.

Die Beraterin der AAI gab mir den wichtigen Hinweis, dass die Wohnsituation im Heim so nah wie möglich an ihrer letzten Wohnsituation sein sollte: Also kein Doppelzimmer für einen Menschen, der lange für sich gelebt hat. Mama kann ja auch noch sehr deutlich sagen, was sie will und was nicht.
Dann die Suche nach einem neuen Haus, das für sie passt. Nach vielen Telefonaten und einigen Besichtigungsterminen und Informationsgesprächen einen Ort gefunden, der für sie passen könnte. Sie kann ein geräumiges Einzelzimmer haben mit eigenem Bad, lebt in einer Wohngruppe und es gibt eine Reihe von angeboten, die sie wahrnehmen kann: Gymnastik, Singen, Seidenmalerei, Hundebesuchsdienst, Streichelzoo … In diesem Haus hat mich besonders beeindruckt, wie wach und präsent die Bewohnerinnen waren, selbst die schon durch Sonden ernährt wurden und auch, wie sehr die Angehörigen im Blick sind. So gibt es Gästezimmer und zu bestimmten Zeiten einen Shuttle-Service für die, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu Besuch kommen.

Trotzdem blieben bei mir Zweifel. Für Demente ist jede Veränderung schädlich. Soll ich ihr den Umzug zumuten? Aber im jetzigen Heim hat sie permanent Veränderung.
Ich telefonierte mit ihrer Krankengymnastin. Die erzählte mir, dass Mama immer wieder sagt, sie will da nicht bleiben.
Ich ging noch zum Hausarzt, der sie im Heim ausgezeichnet betreut. Er riet, den Umzug genau zu überlegen, meinte dass es für sie wichtig sei, von mir regelmäßig besucht zu werden. Im neuen Heim sei der Weg viel weiter. Da könnte ich sicher nicht so eben mal zwischendurch vorbeischauen.
Eine schwere Entscheidung. Aber ich merkte immer mehr, dass ich einen Wechsel versuchen wollte. Als Günter und ich gestern zu Besuch kamen, war ihr erster Satz: „Ich will hier nicht bleiben.“

Ich erzählte ihr, dass es eine andere Möglichkeit gäbe: Ein anderes Haus, wo sie ein Zimmer mit einem eigenen Bad hätte, erzählte ihr von den Angeboten dort. Ihre spontane Reaktion war: „Das ist die beste Nachricht seit langem.“
Etwas später wollte sie wissen, ob ihre Krankengymnastin sie auch dort behandeln könnte und ob Fritz, Sema und das nette junge Mädchen – gemeint ist Nadia, die ein freiwilliges soziales Jahr macht – mitkommen könnten.

Etwas später als Mama eine Zigarette rauchen wollte, fand ich in ihrer Handtasche eine Botschaft, die sie in ganz klarer Schrift auf eine Serviette geschrieben hatte:
„ I want to go home. I don’t know, why I am here. At home there are television, newspapers. I feel like in a grave”

(Ich möchte nach Hause. Ich weiß nicht, warum ich hier bin. Zuhause habe ich Fernsehen, Zeitungen. Ich fühle mich wie in einem Grab).
31.7.06 10:44
 



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