Alzheimer - und dann?

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Phasenhopping

18. September 2006

Beim vorletzten Besuch war Mama extrem schlecht drauf. Sie war sehr in sich zurückgezogen. In zwanzig Minuten sagte sie ungefähr drei Sätze, und das waren „Textbausteine“, mit denen sie auf mich reagierte. In solchen Situationen frage ich mich, ob das jetzt der Anfang von einer nächsten schlechteren Phase ist und wir bald nicht mehr miteinander reden können oder ob es einfach eine schlechte Tagesform ist.

Beim letzten Besuch war sie dann wieder sehr sprühend und präsent in einer Art, dass ich mich frage, wie es möglich ist, dass sie dement ist. Bei den Alzheimer-Tests werden Fragen gestellt, um herauszufinden, ob jemand „örtlich, zeitlich und situativ orientiert ist“. Und da staune ich immer wieder über sie.

Als ich am gestern kam, saßen die meisten Bewohner in der Fernsehecke in munterer Stimmung. Einige hatten gerade Handtücher zusammengelegt und zwei halfen Sema dabei, Bananen in kleine Stücke zu schneiden. Als sie damit fertig waren, fragte Sema Frau Lesser: „Frau Lesser, wollen Sie Ihre Schürze ausziehen. Heute ist Sonntag.“ Frau Lesser zog ihre Schürze aus und reichte sie Sema.

Etwa zehn Minuten später fängt eine Mitarbeiterin an zu saugen. Mama schaut auf ihre Uhr und meint mißbilligend: „Was muß die jetzt am Sonntagmittag um halb zwölf Staub saugen?“ Sie hatte also behalten, welcher Tag ist.

Sema stellte Herrn Roth, der neben Mama saß, einen Teller mit Bananenstücken hin. Er führt ein Bananenstück zum Mund, schaut es an mit dem was-soll-ich-jetzt-damit-tun-Blick. Mama sagt: „Herr Roth, Mund auf, dann geht es“. Tatsächlich macht er nach einiger Zeit den Mund auf. Nach und nach isst er einen Teil der Bananenstücke. Mama kommentiert das mit Staunen in der Stimme: „Meistens kann der Herr Roth das nicht alleine, aber heute schon“.

Ein paar Minuten später kommt ein baumlanger Mitarbeiter von der Nachbarstation vorbei, der gelegentlich in Mamas Wohngruppe aushilft. Sie fragt mich: „Siehst Du den ganz großen an der Tür? Weißt Du, wie der heißt?“ Nein, warum? „Der ist so nett. Immer wenn er mich sieht, dann fragt er mich, wie es mir geht. Und den interessiert jeden Tag, wie es mir geht. Die Mitarbeiter hier sind alle nett.“

Inzwischen hat Sema dieses und jenes weggeräumt oder gebracht, zwei Bewohnerinnen auf die Toilette begleitet und alle mit Getränken versorgt. Mama meint: „Die Sema ist eine ganz flinke. Die arbeitet (kurzes Nachdenken) atomschnell, ja atomschnell: Kann man gar nicht anders sagen.“

An diesem Vormittag war sie örtlich, zeitlich und situativ voll orientiert.
18.9.06 08:22
 



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