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Kartengrüße

22. September 2006

Mama möchte sich vom Doktor, der sie im Heim hausärztlich betreut verabschieden und auch von der Krankengymnastin Andrea.

Ich habe deshalb Karten mitgebracht. Sie sucht erst eine für den Doktor aus. Dann schreibt sie:

Lieber sehr geehrter Herr Doktor!

Sie sagt zu mir: Ich weiß nicht, wie der Doktor heißt, aber ich weiß, wer er ist.

Mama hat jahrzehntelang in einer Behörde gearbeitet. Sie unterschied sehr genau zwischen Privatbriefen mit der Anrede „Liebe/r“ und Briefe an Ämter oder Autoritätspersonen mit der Anrede: Sehr geehrte Damen und Herren. Der Doktor scheint emotional dazuwischen zu liegen.

Sie murmelt den Text vor sich hin, den sie völlig ohne meine Hilfe formuliert und niederschreibt.

Vielen Dank für die gute Betreuung und die Krankengymnastik. Ich habe viel weniger Schmerzen seither.

Eigentlich müsste ich ja schreiben „habe kaum mehr Schmerzen seither“. Das schreibe ich aber nicht, denn dann meint er vielleicht, dass ich keine Medikamente mehr brauche gegen die Schmerzen, siniert sie vor sich hin.

Dann fragt sie mich:“ Ob der mich auch mal dort besuchen kommt? Eine Tasse Kaffee habe ich für jeden, der vorbei kommt“. Lade ihn halt ein, schlage ich vor. Der Doktor hat mir mal erzählt, dass ein Freund von ihm ganz in der Nähe von Deinem neuen Heim wohnt. Sie schreibt weiter:

Vielleicht besuchen Sie mich, wenn Sie in meine Gegend kommen. Viele Grüße an alle, einschließlich die Frau Doktor.

Mama, warum grüßt Du die denn. Du kennst die doch gar nicht, die Frauen, die in der Praxis arbeiten. Ihre Antwort: Wenn ein Doktor so gut die Leute betreut und für sie da ist, wie der, dann kann der das nur machen, wenn die anderen in der Praxis gut arbeiten.

Ist das mit der Frau Doktor Zufall oder was? Ich habe ihr einige Male erzählt, dass die Frau vom Herrn Doktor in der Praxis mitarbeitet.

Wieder frage ich mich, wie jemand, der an Demenz leidet zu so komplexen Gedankengängen in der Lage ist. Der Doktor ist immer allein mittwochs alle zwei Wochen gekommen. Da ist seine Praxis geschlossen und er besucht die Patienten, die er in den umliegenden Altenheimen betreut.

Nun sucht sie eine Karte mit einer dicken fetten Mohnblume für die Krankengymnastin aus (siehe Headerbild): „Weil die so lieb ist. Der verdanke ich so viel. Die hat mich wieder hergestellt – nicht der liebe Gott“ und sie schreibt:

Liebe Andrea:
Hier ist eine besondere Karte für einen ganz besonderen Menschen. Vielen Dank für die Krankengymnastik und ihre Geduld.

Mit vielen Grüßen


Mama, die ihr ganzes Leben vorgedruckte Karten gekauft und gerade mal unterschrieben hat, bevor sie sie verschickt hat, formuliert trotz ihrer Krankheit persönliche Sätze für diese beiden Menschen. Ich gestehe, dass ich etwas neidisch bin, denn ich habe in meinem ganzen Leben keine solche Karte von ihr erhalten.

Mehr zu Mamas Doktor:
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Mehr zur Krankengymnastik:
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22.9.06 02:30
 



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