Alzheimer - und dann?

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Mini-Mental-Status-Test

13. Dezember 2006

Heute war der Neurologe und Psychiater da. Schon vor einigen Wochen sah ich in Mamas Zimmer ein Blatt mit dem Mini-Mental-Status-Test herumliegen - ein sehr beliebtes Instrument zur Demenzdiagnostik.

Dadurch soll erhoben werden, ob und inwieweit die Testperson zu sich selber, zu Ort, Zeit und Situation orientiert ist. Wir sitzen also um den Frühstückstisch und der Herr Doktor, den Mama sehr mag (Bart und Männerbonus!!!) setzt sich zu uns.

"Wir haben uns ja schon mal gesehen, da waren Sie ganz neu hier. Jetzt sind Sie ja schon etwas mehr als zwei Monate da. Wie haben Sie sich denn inzwischen eingelebt".

Mama legt los: "Mir gefällt es sehr gut hier. Es ist immer jemand zum Reden da. Wenn es den Verein hier nicht gäbe, dann müßte man ihn erfinden. Und meine Tochter die sorgt wie ein Haftlmacher dafür, daß ich alles bekomme, was ich brauche."

Was ein "Haftlmacher" ist, weiß der Herr Doktor nicht - ich übrigens auch nicht, obwohl ich die Redensart "aufpassen wie ein Haftlmacher" ganz selbstverständlich verwende.

Nun will der Doktor die Kurve zum Mini-Mental-Status-Test bekommen und fragt Mama: "Was haben wir denn für einen Monat". Sie legt los: "Januar, Februar, März, April ... " bis sie das ganze Jahr durch hat und strahlt ihn an. Er hakt nach: "Und in welchem Monat sind wir jetzt gerade?"

"November" sagt Mama. Besonders sinnvoll finde ich diese Frage nicht, denn nirgends in der Wohngruppe hängt ein Kalender, der eine Orientierung zum Datum zuläßt. Eine innere Logik hat Mamas Antwort schon, denn bevor der Doktor sich zu uns gesetzt hat, haben wir uns über ihren Geburtstag unterhalten und von wem Geburtstagskarten gekommen sind - und der war Ende November.

Der Doktor fragt, welches Datum heute ist. Die Frage ist genauso sinnvoll, wie die nach dem Monat. Mama zuckt mit den Schultern.

"Und welche Jahreszeit haben wir?" Mama schaut aus dem Fenster: keine Blätter - kein Schnee. "Herbst" sagt sie.

"Und wie alt sind Sie?" "Einundsiebzig" sagt Mama treuherzig. Selbst wenn sie es genau wüßte, vor versammelter Mannschaft würde sie es nicht sagen.

Jetzt will er mit der örtlichen Orientierung weitermachen. Aber für jemand, der immer im Rollstuhl gefahren wird, ist es ziemlich egal, in welchem Stockwerk er ist.

Mama weiß, daß sie sich in einem Altenheim befindet. Wo denn das Altenheim sei, will er wissen. "Etwas außerhalb von der Stadt" gibt Mama Auskunft. "Welcher Stadt" will er wissen. Mama schaut ihn etwas irritiert an. Er fragt: "Hamburg?". Mama strahlt ihn an: "Ja".

Jetzt ist es wohl genug mit dem Test. Er verabschiedet sich und nachdem er um die Ecke gebogen ist kommentiert Mama verwundert: "I war meina Lebtog no net in Hambuag" (Ich war mein ganzes Leben noch nicht in Hamburg) und dann sehr langgezogen und mit hochgezogenen Augenbrauen: "Aba wenn a moant" (Aber wenn er meint).

Wobei der Tonfall des Nachsatzes "aba wenn a moant" in Kombination mit den hochgezogenen Augenbrauen eine Anspielung auf einen bekannten bayerischen Witz ist. Der geht folgendermaßen. Im Religionsunterricht fragt der Pfarrer die Kinder: "Also, Kinder, was ist das: Es ist klein, braun und hat einen langen buschigen Schwanz. Und es hüpft von Baum zu Baum". Nach einigem Schweigen antwortet Seppl: "Eigentlich dad I sogn des is a Oachkatzl. Aber wenn S' moana, dann is hoit des kloane Jesulein" (Eigentlich würde ich ja sagen, das ist ein Eichhörnchen, aber wenn Sie meinen, dann ist es halt das kleine Jesulein).
13.12.06 17:04
 



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