Alzheimer - und dann?

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Mal so und mal anders ...

9, Mai 2009

Die letzten Wochen waren an der Grenze des Erträglichen. Mama war extrem aggressiv und launisch. Auch den Mitarbeiterinnen hat sie ziemlich zugesetzt. Als ich heute zu ihr kam, fand ich auf ihrem Tisch wieder einmal einen Brief an mich. Sie schreibt unter anderem: "Mir geht es gut, aber ich nerve die Schwestern". Ganz enorm, zu welchen Einsichten und Gedankengängen sie manchmal fähig ist.

An der Tür zu ihrer Wohngruppe hing ein Zettel, der besagt, daß derzeit viele Bewohner unter einem Darmgrippevirus leiden. Von Besuchen wird deswegen abgeraten. Aus diesem Grund kommt derzeit auch kein Hundebesuch, was Mama zu der Bemerkung veranlaßt: "Da ist der Largo sicher sehr traurig, daß er nicht kommen darf".

"Ich glaube eher, daß Du traurig bist, daß er nicht kommt" kommentiere ich. "Ja schon, aber der Largo ist genauso traurig. Der mag uns nämlich genauso gern wie wir ihn. Das spüre ich ganz genau. Und deshalb fehlen wir ihm genauso wie er uns".

Photobucket



Als wir dann rausgingen, läuteten die Kirchenglocken. "Jetzt ist Kirche" strahlte Mama. Ich war skeptisch, denn es war nachmittags um vier Uhr. Und tatsächlich sahen wir eine größere Gruppe sehr festlich gekleideter Menschen die Kirche verlassen. Vermutlich war es eine Taufe. Es war sehr schwer, Mama zu vermitteln, daß die Glocken läuten, aber kein Gottesdienst stattfindet.

Dann machten wir eine Runde zu den Kaninchen. Die vier Kaninchenbabys waren sehr niedlich. Und nachdem wir ihnen ausgiebig bei Fellpflege und Nahrungsaufnahme zugesehen hatten, gingen wir ins Lieblingscafe zum Eisessen. Mama kommentierte die Räumlichkeiten: "Das war auch schon mal größer hier", was mich verblüfftte, denn das Cafe war tatsächlich umgestaltet worden, und die Räumlichkeiten wirken jetzt kleiner.

Als ich mich dann von ihr verabschiedete, wußte sie noch alles, was wir an diesem Nachmittag unternommen hatten.
9.5.09 22:56
 



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