Alzheimer - und dann?

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Des Rätsels Lösung oder: Wie läuft das mit der Wäsche?

13. Februar 2010

Für diejenigen, die noch nicht so lange mitlesen (bald hat das Blog fünften Geburtstag): Als ich Mama vor fast fünf Jahren nach Berlin holte, war sie in einem Heim ganz in meiner Nähe. Dort hat es ihr aus verschiedenen Gründen nicht gefallen, weshalb ich für sie ein anderes Heim suchte, in dem sie immer noch lebt. Leider ist dieses Heim relativ weit entfernt, sodaß ich einfach fast zwei Stunden unterwegs bin.

Nun wird Angehörigen, die einen Heimplatz suchen, immer wieder geraten, sie sollen darauf achten, daß die Wäsche im Heim gewaschen wird und nicht "nach außerhalb" gegeben wird, weil sonst zuviel wegkomme.

Daß es ganz anders laufen kann, zeigen meine Erfahrungen. Im ersten Heim mußte ich als erstes sechzig Euro bezahlen, damit Mamas Kleidung eingemerkt wird. Dazu ließ das Heim Wäschezeichen anfertigen, die eingenäht werden sollten. Ich spreche im Konjunktiv, denn das Einmerken erfolgte nur bei der Unterwäsche und den Nachthemden sowie wenigen Stücken der Oberbekleidung. Es wurde von Praktikantinnen durch Einnähen vorgenommen - soweit es vorgenommen wurde.

Über Monate habe ich immer wieder darauf hingewiesen, daß die Kleidung immer noch nicht eingemerkt ist. Das wurde meist ignoriert. Immer wieder pakte ich die nicht eingemerkte Kleidung in Plastiktüten, die ich mit Zetteln beschriftete: "Bitte einmerken" und die anwesenden Mitarbeitenden darauf angesprochen. Die Tüten mit den Zetteln wurden ignoriert und die Kleidung wieder uneingemerkt ausgepackt und eingeordnet. Begründung: Keine Zeit ... wichtig ist nur, daß die Bewohnerinnen ihre eigene Unter- und Nachtwäsche tragen, ansonsten sei es nicht so wichtig, ob da mal ein Kleidungsstück angezogen werde, das jemand anderen gehört. Mama, die ihr Leben lang auf gediegene und chice Kleidung Wert gelegt hat, war "not amused". Nach und nach verschwand mehr und mehr von der Kleidung. "Wird sich schon wieder finden. Hier verschwindet nichts."

Ich war skeptisch, aber was sollte ich machen. Mehr als immer wieder freundlich daran erinnern konnte ich auch nicht. Selbst wenn Kleidung mit eingenähten Namensschildern gezeichnet ist, ist es nicht schwierig, diese schnell mit einer Schere zu entfernen. Heute weiß ich, daß auf Berliner Flohmärkten - böse Zungen reden in diesem Zusammenhang von "Polenmärkten" - eben auch immer wieder Kleidung aus Pflegeheimen auftaucht. Langer Rede kurzer Sinn: Als nach 15 Monaten Mamas Umzug ins zweite Heim stattfand, war 80 Prozent ihrer Oberbekleidung nicht mehr auffindbar. Mama kommentierte das mit: "Mir ist soviel gestohlen worden" und mir schnitt es ins Herz. Heute rate ich im Zweifelsfall zu Aufnahmen mit der Digitalkamera.

Da in Mamas jetzigem Heim auswärts gewaschen wird, wäre eigentlich zu erwarten, daß ich ihre Kleidung schon mehrfach ersetzen mußte, was nicht der Fall ist. Das, was gelegentlich weg ist, fällt dem natürlichen Verschleiß zum Opfer. Ich habe mich immer wieder gefragt, wie es geht, daß in einer Einrichtung, die eine hauseigene Wäscherei hat, soviel Kleidung weg kommt und eine andere, die auswärts waschen läßt keine Verluste aufzuweisen hat.

Ein Punkt ist, daß das jetzige Heim die Wäschekennzeichnung, für die ich eine einmalige Gebühr von 10 Euro zahlen mußte, durch Namensetiketten, die durch ein spezielles Bügelverfahren eingebrannt werden, durchführt. Diese Etiketten können nicht entfernt werden. Aber die eigentliche Lösung des Rätsels sah ich diese Woche als ich Mama besuchte. Vor dem Heim standen riesige Lastwagen und die Firmenanschrift brachte gleich einige Glocken bei mir zum Klingeln. Die Wäsche wird an einen Träger von Behindertenwerkstätten gegeben, wo geistig Behinderte dann im Rahmen von hauswirtschaftlichen Tätigkeiten die Wäschepflege durchführen. Und da die geistig Behinderten in der Einrichtung leben, kommt da auch nichts weg.

Fazit: Wer einen Heimplatz sucht, sollte klären:
- wie wird die Wäsche gezeichnet
und
- wo und von wem wird die Wäsche gewaschen
13.2.10 20:57
 



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