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Post von der Kirche

14. Februar 2010

Beim letzten Besuch fand ich auf Mamas Kommode einen Brief von der Kirche - nein, nicht von der Kirchengemeinde, bei der sie regelmäßig am Gottesdienst für dementiell veränderte Menschen einmal monatlich teilnimmt, sondern von der Evangelischen Kirche von Berlin, die einen noch viel längeren Namen hat (EKBO = Evangelische Kirche von Berlin, Brandenburg und Schlesische Oberlausitz). Dieser Brief ist an 369 000 Menschen zum Jahreswechsel im und um Berlin verschickt worden, und ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll.

Es geht folgendermaßen los:

Liebe Frau Mustermann-Doppelname,
heute bekommen Sie Post von Ihrer Kirche, und die will nichts von Ihnen. Vielmehr möchte ich Ihnen Danke sagen. Als Mitglied unserer Kirche gehören Sie zu denen, die diese Stadt gerechter und menschlicher machen. In der Pauluskirche in Zehlendorf und der Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg, in der Obdachlosenhilfe in Kreuzberg und der Kindertagesstätte am Leopoldplatz im Wedding und an unzähligen Orten verändern Sie und viele andere Christen das Antlitz Berlins: mit leidenschaftlichem Einsatz, mit Zeit und Geld. Das ist wunderbar. Dankeschön!...

"Ich" ist der Unterzeichner Ralf Meister, "Generalsuperintendent und leitender Geistlicher der Evangelischen Kirche in Berlin" - wie es unter der Unterschrift heißt.

Warum schreibt die Kirche Briefe, wenn sie doch angeblich nichts will und richtet für diesen "Berliner Brief" und die dazugehörende Aktion "willkommen in der Kirche" eine Website ein?

Aber erst einmal zu den einleitenden Briefzeilen an sich: Mir ist nicht klar, was das soll. Wenn man das ehrenamtlich tätigen Leuten schreibt, dann ist es mir noch einigermaßen verständlich, aber was soll meine dementiell veränderte Mutter damit anfangen?

Die meisten Leute sind in der Kirche ohne groß darüber nachzudenken und nehmen den kirchlichen Service zu bestimmten Lebensereignissen in Anspruch (Taufe, Hochzeit, Begräbnis, Weihnachten). Diesen Leuten zu sagen "... und an unzähligen Orten verändern Sie und viele andere Christen das Antlitz Berlins: mit leidenschaftlichem Einsatz, mit Zeit und Geld. Das ist wunderbar. Dankeschön" ist meiner Meinung nach deshalb Schleimerei.

Und dann geht es folgendermaßen weiter:

Diese Stadt wird nicht nur von Ereignissen bewegt, die in den Zeitungen stehen, sondern auch von himmlischen Bildern.
„Guck mal, ein Schaf, Papi!“. Ich gehe mit meinem Sohn über den Alexanderplatz; weit und breit ist kein Tier zu sehen. „Da oben!“ Er schaut zum Himmel. Und tatsächlich, hinter dem Fernsehturm zieht eine riesige schneeweiße Wolke vorüber: ein Schaf...

Was soll man dazu noch sagen? Aber es wird noch banaler. Wer mag, findet den kompletten Text hier. Und diesem Schreiben ist tatsächlich ein leeres Blatt mit Wolkenrand und Psalmspruch beigelegt (nach der Unterschrift von Herrn Meister einfach weiterscrollen).

Näheres zu dieser Aktion erläutert die evangelische Kirche hier. In der "kirche" vom 14. Februar ist auf Seite 8 nachzulesen, daß die Briefe in den nächsten Jahren vom Fond "missionarische Dienste" finanziert werden sollen.

Ich möchte nicht wissen, was diese Aktion gekostet hat. Und ich muß gestehen, ich habe Probleme, wie ich den Inhalt dieses Briefes Mama vermitteln soll. Die Gottesdienste für Demenzkranke gefallen ihr so gut, daß sie gerne gelegentlich in den Sonntagsgottesdienst gehen würde. Das ist aber nicht möglich, weil es niemanden gibt, der sie vom Heim, das gegenüber von der Kirche liegt, abholen und zurückbringen kann.
Diese Brief-Aktion der evangelischen Kirche wirkt auf mich konfus und hilflos nach dem Motto: "Hauptsache - irgendwas tun".

Einige evangelische Leute aus meinem Bekanntenkreis habe ich auch gefragt, ob sie das Schreiben bekommen haben. Die meisten wissen noch ganz dunkel, daß da irgendwas war, aber was in dem Brief stand, daran haben sie keinerlei Erinnerung mehr.


Website der Aktion "Willkommen in der Kirche"
14.2.10 18:54
 



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