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Osterbesuch

4. April 2010

Der heutige Besuch bei Mama ist schwer in Worte zu fassen, und vielleicht spiegelt sich in meiner Sprachlosigkeit ihre Sprachlosigkeit. In den letzten Wochen haben ihre sprachlichen Fähigkeiten rapide abgenommen. Die meisten ihrer Sätze blieben in der Luft hängen und gaben gar keinen Sinn. Sie quält sich und sucht Worte, die sie nicht mehr zur Verfügung hat. Dann greift sie auf Textbausteine zurück. Damit ist sie aber auch nicht zufrieden, weil sie eigentlich was anderes ausdrücken will. Das macht sie verständlicherweise aggressiv. Sie möchte sich ja mitteilen und verstanden werden. Immer wieder begann sie die hartgekochten Ostereier und die Schokoladenkäfer zu zählen und kam zu keinem Ergebnis. Dann versucht sie den Titel des Buches auf ihrem Tisch zu entziffern und sie - die einstige Leseratte - buchstabiert mühsam: "Geröstet und geborgen" und schüttelt den Kopf, weil sie diese Welt nicht mehr zusammenbringt. Soll ich ihr jetzt mit "getröstet" helfen oder fühlt sie sich dann bevormundet und bloßgestellt. Ist Ablenken besser, aber wie? Und mir wird klar, daß sie das Wort "geborgen" nicht mehr kennt. Ich erinnere mich daran, dass für sie der zentrale und wichtigste Wert in der Beziehung mit meinem Vater "Geborgenheit" war.

Die Farben der Eier haben ihr gefallen, und ihre Stimme klang sehr ratlos als sie mich fragte, wie man an das Ei herankommen kann, wenn man es essen will. Ich sagte: "Wenn Du ein Ei essen magst, dann schäle ich es Dir". "Ach, schälen muß man das" fragte sie stockend nach. Das war einer von zwei für mich verständliche Gedankengängen während des ganzen Besuchs. Als ich das Ei schäle, mumelt sie versonnen: "ach, so macht man das". Als ich es ihr hinhalte - was sie aufgrund der Bewegungseinschränkung in den Händen nicht mehr selber kann - damit sie abbeißen kann, weiß sie nicht, was ich jetzt von ihr will. Sie schaut mich fragend an. "Magst Du abbeißen?" Sie schüttelt den Kopf. Ich lege das Ei auf einen Teller und zerkleinere es mit einem kleinen Löffel und biete es ihr an. Sie nimmt es.

Weil es draußen kühl ist, sind wir im Haus unterwegs. Wir kommen an einem schwarzen Klavier vorbei. "Unser Klavier" sagt sie und will wissen, wann denn die Oma, bei der sie aufgewachsen ist und die 1959 gestorben ist, kommt. "Die backt jetzt noch Kuchen, weil heute Sonntag ist, dann kommt sie". Mama ist mit dieser Antwort zufrieden. Es sind kurze Momente, in denen es eine Brücke gibt.


Ostern 2010
4.4.10 23:37
 



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