Alzheimer - und dann?

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Alzheimer im Fernsehen

1. August 2005

Daf?r dass Alzheimer kein popul?res Thema ist, sind drei Sendungen innerhalb von 24 Stunden ganz beachtlich. Am Sonntag sp?t abends wurde "der Schrecken des Vergessens" mit Mia Farrow gezeigt, ein Spielfilm von 1999. Mia Farrow spielt darin eine Gerichtsangestellte, die mit Mitte 40 an Alzheimer erkrankt. Der Prozess, wie sie sich dessen bewusst wird, die Krankheit vor ihrer Familie zu verschleiern versucht und dann die Initiative ergreift, eine Selbsthilfegruppe f?r Betroffene zu gr?nden, wird sehr eindr?cklich dargestellt. Auch die Frage ?wer wird sich um mich k?mmern, wenn ich immer mehr abbaue?, wird nicht ausgespart.

Wie hilfreich Humor als Mittel der Selbstdistanzierung ist, wird in verschiedenen Szenen zwischen Diane, der Betroffenen und einem ebenfalls betroffenen Freund, gezeigt. Wenn die beiden von einem Wochenende mit anderen Betroffenen tr?umen und das dann mit der Feststellung endet: ?Wir m?ssen nur zum Flughafen kommen?. Es ist aber niemals ein Lachen auf Kosten von jemand, sondern ein befreiendes Lachen, das neue Potentiale mit der Krankheit umzugehen freisetzt.

Im Vormittagsprogramm zeigte der NDR aus der Serie ?in aller Freundschaft? die Sendung Vergesslichkeiten , in der die 85j?hrige Ex-Oberstdienr?tin Maria Hermann (gespielt von Brigitte Mira) wegen Verbrennungen in die Sachsenklinik eingeliefert wird. Einer ?rztin f?llt auf, dass Frau Hermann sich ?ber ihre Vorerkrankungen einer anderen ?rztin gegen?ber anders ge?u?ert hat als bei ihr. Sie vermutet Alzheimer und geht dem Verdacht nach. Brigitte Mira ist ja erst in fortgeschrittenen Alter durch den Fassbinder-Film ?Angst essen Seele auf? bekannt geworden. Wie sie in dieser Soap durch die Mimik die Gef?hlszust?nde der Maria Hermann spielt, das ist ganz gro?e Klasse. Die Verwirrung der alten Frau als sie nicht wei?, was sie gesagt hat beim letzten Gespr?ch und dann ganz schnell das Springen zu einer taktischen Frage um die Unf?higkeit sich zu erinnern zu kaschieren.

Im Montagstatort im NDR ging es um die T?tung der Anf?hrerin einer M?dchenbande. Die vier M?dchen kamen alle aus kaputten Familien, waren sich selbst ?berlassen und ungemein aggressiv. Eine hatte einen an Alzheimer erkrankten Gro?vater, mit dem sie sehr liebevoll und f?rsorglich umging.

1.8.05 23:43


Pfannkuchen - Seelentröster

31. Juli 2005

Mit Kochen hatte Mutti es nie! Sie wusste es zu sch?tzen, wenn sie etwas Gutes bekam, aber selber kochen war ihr ein Graus. Deshalb war es ihr wichtig, dass ich als Grundschulkind im Hort ein gutes, warmes Mittagessen bekam. Abends gab es zuhause meistens ?kalt? oder eine Dose. Im Vorratsregal standen unendlich viele Gem?se- und Fertiggerichte-Dosen. Dosenravioli mochte sie besonders gern ? ich weniger. Panierte Schnitzel am Sonntag waren vom Schwierigkeitsgrad her der H?hepunkt ihres kulinarischen Schaffens.

Einige wenige Gerichte konnte sie wirklich gut: Poulardensalat, Blumenkohlgem?se, Griesnockerl und Pfannkuchen. Die waren auch Seelentr?ster in allen m?glichen Wechself?llen des Lebens. Gelegentlich bekam ich sie abends statt ?kalt? oder morgens zum Fr?hst?ck.

Kalte, ?brig gebliebene Pfannkuchen wurden in Streifen geschnitten und als Suppeneinlage verwendet, was ich nicht so gern mochte wie die s??e Variante. Mit fein geschnittenen Apfelspalten oder Blaubeeren schmecken sie besonders gut. Und im Zeitalter der Mikrowelle kann man sie sogar auf Vorrat backen und wieder hei? bekommen ? f?r Seelentr?stertage.

Das Rezept ist ganz einfach. Teig bereiten aus 250 g Mehl, ? l Milch, 1/8 l Wasser, 4 Eiern und einer Prise Salz, dann in Butterschmalz ausbacken.
Und weil heute so ein Seelentr?stertag ist und die Blaubeerzeit angefangen hat, gibt es: ? genau! Blaubeerpfannkuchen!
31.7.05 12:04


Zuhause oder ins Heim?

30. Juli 2005

Vor einem dreiviertel Jahr hätte mir diese Zusammenstellung geholfen. Mit Mamas Hausarzt, der ein bis zwei Mal wöchentlich kam, hatte ich Zoff. Er warf mir an den kopf, dass er sich nicht von Angehörigen (wie mir – das sagte er aber nicht dazu) „zum Komplizen machen“ lässt, die ihre Leute „per Heimunterbringung vergewaltigen“.

Meine Mutter könne noch lange zuhause bleiben und allein leben, wenn man nur die entsprechenden Hilfen veranlasst, die da wären: einmal täglich ambulanter Pflegedienst, hauswirtschaftliche Hilfe durch einen Zivi (Einkaufen, Fenster putzen), einmal wöchentlich Besuch durch Sozialarbeiterin des gerontopsychiatrischen Dienstes und ein bis zwei Hausbesuche durch ihn.

Und was ist in den durchschnittlichen restlichen 22 – 23 Stunden, wenn meine Mutter beispielsweise vergisst, dass sie Fett auf den Herd stehen hat, den Rauchmelder nicht hört und die Nachbarn die Feuerwehr rufen müssen, die meine Mutter aus dem verrauchten Wohnzimmer rausholen müssen. Mutti hat keinerlei Erinnerungen an diesen Feuerwehreinsatz.
In der Broschüre „Umgang mit Demenz“ gibt Ingo Füsgen unter dem Punkt „kann der Demenzkranke noch allen leben“ wichtige Hinweise:

- Nimmt der Patient regelmäßig seine Mahlzeiten ein?
Nein, aber meine Mutter hat nie regelmäßig gegessen. Ein Warnzeichen war, dass sie in den letzten Monaten auf 41 kg (bei 1,58 m Größe) abgemagert ist.
- Werden die verordneten Medikamente regelmäßig eingenommen.
Nein, darüber hatte sie keinen Überblick mehr. Das war einer der Gründe warum der ambulante Pflegedienst kommen sollte.
- Vernachlässigt der Patient die Körperpflege?
Ja, aber das ist bei älteren Leuten – so der Hausarzt – in gewissen Ausmaßen normal.
- Heizt der Patient bei kaltem Wetter?
Ja, aber selbst im Hochsommer läuft die Heizung auf höchster Stufe.
- Gefährdet sich der Kranke durch Umgang mit Feuer oder elektrischen Geräten?
Von Brandflecken durch Zigaretten in Kleidung, Bettwäsche und Möbeln bis zum Feuerwehreinsatz war alles geboten, aber laut Hausarzt ist ein Rauchmelder „völlig ausreichend“.
- Wie verhält sich der Patient anderen Menschen gegenüber? Zeigt er eine kritiklose Zutraulichkeit Fremden gegenüber? Oder ist er Bekannten gegenüber sehr misstrauisch und fühlt sich von anderen verfolgt?
Letzteres: Bis dahin, dass Mama Verarmungsängste hat, anderen Manipulationen ihres Bankkontos unterstellt, mich nachts zeitweise am Telefon nicht erkennt und nicht weiß, dass sie eine Tochter hat („Interessant, dass ich mit fast 80 Jahren erfahre, dass ich eine Tochter habe“). Die Mitarbeiter des Pflegedienstes lässt sie desöfteren nicht rein, aber das ist – laut Hausarzt – die Autonomie, die man alten Menschen zugestehen muss. Wir suchen uns ja auch aus, wen wir wann sehen wollen oder nicht.
- Ist die Wohnung in einem gepflegten Zustand oder herrscht ein unübersehbares Chaos?
Wohnung und Wäsche hat Mama bis zum Schluß prima in Ordnung gehalten – wie auch immer.

Professor Füsgen meint: Fallen die Antworten zu Ungunsten des Erkrankten aus, ist ein Alleinleben kaum mehr möglich“ (Seite 16).

In Bayern ist es politischer Wille, dass Demenzkranke so lange wie möglich zuhause bleiben bis es gar nicht mehr anders geht. Das ist billiger. Nur wann ist „bis es gar nicht mehr anders geht“? Müssen sich die Nachbarn erst das Haus über dem Kopf abfackeln lassen – wie mich Nachbar E. einmal fragte.

Broschüre Umgang mit dem Demenzkranken
30.7.05 23:57


Krankenkassen-Chaos Teil 2

29. Juli 2005

Eine freundliche atemlose Stimme t?nt mir aus dem Telefonh?rer entgegen: ?Bin ich froh, dass ich Sie endlich erreiche. Hier Sanit?tshaus W.?

Es geht um den Badewannenlifter in der Wohnung meiner Mutter. Frau W. ist ganz erleichtert und begl?ckt, dass der sich noch dort befindet, denn ?manche Leute bringen das auf den Sperrm?ll oder den Flohmarkt?.

Einen halben Tag hat sie gebraucht um an meine Telefonnummer zu kommen. Die Mitarbeiterin der Berliner Filiale der Barmer Ersatzkasse sei ausgesprochen unfreundlich gewesen und habe ihr aus Datenschutzgr?nden meine Anschrift nicht gegeben. Schlie?lich sei sie an die Betreuerin meiner Mutter, das Betreuungsb?ro F. verwiesen worden. Von dort habe sie meine Telefonnummer bekommen. Ich denke, ich h?re nicht richtig, denn seit inzwischen 10 Wochen (Mitte Mai 2005) ist das Betreuungsb?ro F. aus dem Betreuungsverh?ltnis entlassen und ich als Betreuerin eingesetzt worden. Mit Frau W. vereinbare ich, dass ich mich zwei Tage vor meinem n?chsten Aufenthalt in M. bei ihr melde, damit dann das Ger?t abgeholt werden kann.


Dann will ich wissen, wann sie an das Betreuungsb?ro F. verwiesen worden sei. Anfang der Woche (25. Juli). Ich staune nicht schlecht, denn vor gut zwei Wochen habe ich der Barmer Ersatzkasse zum wiederholten Mal eine Kopie meines Betreuerausweises geschickt, der zeigt, dass ich seit 17. Mai 2005 Betreuerin meiner Mutter bin.

Am n?chsten Tag rufe ich die Abteilung ?Pflege? bei der Barmer Ersatzkasse in der Axel-Springer-Stra?e in Berlin an und frage, ob die Kopie des Betreuerausweises dort angekommen sei. Frau Weid findet mich auf dem Bildschirm als Betreuerin meiner Mutter eingetragen.

Wie es dann dazu kommt, dass das Sanit?tshaus W. auf das Betreuungsb?ro F. verwiesen worden sei und zwar erst vorgestern. ?Ich hole mir mal die Akte ? in der Akte haben wir den Beschlu? vom Vormundschaftsgericht, dass das Betreuungsb?ro F. als Betreuer eingesetzt ist. Mit denen haben wir ja auch die Heimunterbringung Ihrer Mutter abgewickelt?.

?Da irren Sie sich, denn die Unterbringung meiner Mutter habe ausschlie?lich ich organisiert, weil das Betreuungsb?ro F. schon seit Mitte Mai nicht mehr zust?ndig ist. Dass die Barmer Ersatzkasse trotzdem immer noch Post dorthin geschickt hat, ist eine andere Sache. Ich habe bereits an den zust?ndigen Kollegen in der Zweigstelle M. eine Kopie meiner Bestallungsurkunde vom Vormundschaftsgericht geschickt. Als ich vor zwei Wochen erfahren habe, dass das nicht nach Berlin weitergeleitet worden ist, habe ich eine Kopie meines Betreuerausweises geschickt?.

?Wo haben Sie die denn hingeschickt?? will Frau Weid wissen.
?An die Postfachadresse, die mir ihr Kollege genannt hat?.
?Dann ist das bei ?Versicherung? gelandet, aber nicht bei uns.
Sie will sich darum k?mmern, dass ?Pflege? eine Kopie von der anderen Abteilung erh?lt.

Ihre Schlussfolgerung ist: ?Da ist das Betreuungsb?ro F. schuld. Wenn die uns eine Bestallungsurkunde schicken, dann muss uns auch ein Dokument ?ber die Entlassung aus dem Betreuungsverh?ltnis zugehen?. Heiliger B?rokratius!
Auf die Idee, dass sich die Betreuung durch das B?ro F. er?brigt, wenn ich zur Betreuerin bestellt bin, scheint dort niemand zu kommen und die Organisation der Arbeitsabl?ufe und des Informationsflusses scheint mir ?u?erst mangelhaft zu sein.


Krankenkassen-Chaos Teil 1: unter Kategorie "Amtsschimmel" (links)
29.7.05 09:19


Umdeutungen

28. Juli 2005

?Bin ich froh, dass ich mich um das Geld nicht mehr k?mmern muss und Du das alles jetzt machst? meint Mama. F?r mich sind das neue, v?llig ungewohnte T?ne. Mama hat sich ihr ganzes Leben nie in die Karten schauen lassen, wie viel sie verdient oder wie hoch ihre Rente ist. Im Herbst letzten Jahres bat sie mich dann, mit ihr ihre Bankunterlagen durchzuschauen, weil sie Unregelm??igkeiten vermutete, denen sie aber nicht auf die Spur kam. Diesen Wunsch nach Hilfe ?u?erte sie um 17.50 h. Ich erinnere mich, dass ich ziemlich sauer war. 17.50 h war zehn Minuten vor Schalterschlu? bei der Bank. Da ich au?erdem am gleichen Abend mit dem Nachtzug nach Hause fahren wollte, war klar, dass man nichts mehr machen konnte. Ich war w?tend. Warum hatte sie die ganzen Tage vorher sich in Andeutungen ergangen und immer wieder hin ? und hergeschwankt, was sie von mir wollte. Ich nahm das Ganze als Ausdruck ihrer Ambivalenz und dachte, sie sei hin- und her gerissen, ob sie mir Einblick geben will oder nicht. Ich fuhr ab, ohne mich mit ihren Bankunterlagen besch?ftigt zu haben.

Die habe ich erst einige Wochen sp?ter durchgesehen als ich sie wieder besuchte. Soweit Kontoausz?ge vorhanden waren, waren sie nicht ? sie sonst bei ihr ?blich ? ordentlich chronologisch eingeordnet, sondern durcheinander. Es gab keine Systematik. Sie br?tete stundenlang ?ber diesem und anderen Aktenordnern ohne weiterzukommen. Auf den Kontoausz?gen waren allerlei handschriftliche Anmerkungen, bei denen sie nicht mehr durchblickte. Au?erdem hatte sie sich Duplikate der Ausz?ge von der Bank schicken lassen und schien nicht mehr den Durchblick zu haben, dass es sich um Zweitschriften handelte. Mama, die ihr ganzes Leben mit B?ro- und Rechnungswesen zu tun gehabt hatte, wusste nicht mehr, was der Unterschied zwischen Barscheck und Verrechnungsscheck war.

Ich war alarmiert und ging zur ?Beratungsstelle f?r ?ltere Menschen?, denn ich vermutete Alzheimer. Der Hausarzt jedoch hatte abgewiegelt nach dem Motto ??ltere Menschen sind nun mal langsamer und schusseliger?. Die Sozialarbeiterin best?rkte mich, darauf hinzuwirken, dass eine Alzheimer-Diagnostik gemacht wird. Au?erdem solle ich mir ?berlegen, ob ich ein Verfahren f?r eine Betreuung beim Vormundschaftsgericht einleiten wolle. Jeder k?nne das machen, allerdings seien die Aussichten relativ schlecht, wenn der Hausarzt dagegen sei, denn der w?rde sicher gefragt. Ich nahm mir die Unterlagen daf?r mit, unterlie? es aber, denn ich wollte mir nicht Mamas Aggressionen zuziehen. Die Sozialarbeiterin vom geronto-psychiatrischen Dienst, die Mama alle zwei Wochen besuchte, wollte darauf hinwirken, dass sie sich ambulant einer neurologischen Diagnostik unterzieht. Manchmal wollte sie das, denn sie war verunsichert, was mit ihr los war, merkte, dass etwas anders war, wusste aber nicht was. Letztendlich war aber die Angst f?r verr?ckt erkl?rt zu werden gr??er.

Nun bin als Betreuerin offiziell f?r ihre Geldangelegenheiten zust?ndig. Sie blendet das aus und deutet es um: ?Bin ich froh, dass ich es so geregelt habe, dass Du das jetzt alles machst mit den Finanzen?. Zumindest ?u?ert sie derzeit keine Verarmungs?ngste und beschuldigt niemand mehr, ihr Konto manipuliert zu haben.

28.7.05 08:25


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