Alzheimer - und dann?

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Seine Mutter - meine Mutter

27. Juli 2005

Yasushi Inoue hat in drei autobiografischen Erz?hlungen, die im Band ?meine Mutter? gesammelt sind, das Altern und Sterben seiner Mutter ab deren 80. Lebensjahr beschrieben. Das Buch ist ein eindrucksvolles Zeugnis f?r den respektvollen Umgang der Familie mit der alternden Frau in ihrer zunehmenden Verwirrtheit. Jeweils f?nf Jahre liegen zwischen den einzelnen Erz?hlungen: Unter den Bl?ten (1964), der Glanz des Mondes (1969) und die Schneedecke (1974).

Heute w?rde man die alte Frau vermutlich als dement diagnostizieren. Bis zu ihrem Tod war sie in ihrer Familie. Auch in Japan sind es die T?chter, die bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit die Mutter pflegen. Gemeinsam ?berlegen die Kinder mit ihren Familien, wie sie ihrer Mutter gerecht werden k?nnen und die Schwestern, die den L?wenanteil der Pflege leisten, entlasten k?nnen.

Manche Situationen sind mir sehr vertraut und andere ganz anders.

?In Gro?mutter ist irgend etwas entzweigegangen! Meinte mein ?ltester Sohn, der die Universit?t bescuhte. Und tats?chlich wirkte meine Mutter, wenn man sie genauer beobachtete, wie eine kaputte Maschine. Es handelte sich nicht um eine Krankheit, es war vielmehr irgendwo in ihr etwas entzweigegangen, zerbrochen und daher war es ?u?erst schwierig, mit ihr zurechtzukommen. Das, was in ihr zerst?rt und was noch in Ordnung war, erschien miteinander vermengt, es war kaum m?glich, beides auseinanderzuhalten. Ihre Vergesslichkeit war unfassbar. Doch einiges verga? sie nicht, sondern behielt es gut? (Seite 22).

Sp?ter erz?hlt Inoue, wie seine Mutter ihr Leben vergisst, das, worauf sie sich beziehen kann, immer weniger wird:
?Meine Mutter begann ihr Dasein im gegenl?ufigen Sinn auszul?schen, also nacheinander die siebziger, sechziger, f?nfziger Jahre ihres Lebens.? (Seite 64).

Bei meiner Mutter vermischen sich die zeitlichen Ebenen; sie springt durch verschiedene Jahrzehnte innerhalb weniger Augenblicke. So sagt sie beispielsweise als G. und ich ihr gegen?bersitzen, wie sehr sie sich ?ber unseren Besuch freut: ?Ihr und die Amerikaner seid doch die einzigen, mit denen ich noch Kontakt habe?, wobei mit den ?Amerikanern? Kollegen gemeint sind, mit denen sie vor 50 Jahren zusammengearbeitet hat und die sie seit dieser Zeit nicht mehr gesehen hat. Beruflich war das f?r sie die sch?nste Zeit ? wie sie immer wieder erz?hlt hat ? und zu dieser Realit?t scheint sie innerlich (noch) im Kontakt zu sein.
Inoue, Yasushi: Meine Mutter, Frankfurt 1990
27.7.05 00:42


Lebt Bayern noch im Mittelalter?

fragt mich Pfleger G. Ich verstehe seine Frage nicht. ?Na, ich meine den Beschlu?, der in den Unterlagen vom Krankenhaus war, die wir bekommen haben?. Ihre Mutter ist doch so eine liebe. Mit der kommen wir hier so gut klar. Und mit ihr kann man sich noch so gut unterhalten: Immer einen flotten Spruch auf den Lippen und so einen goldigen Humor. Macht richtig Spa? mit ihr. Wir hatten hier ja schon ganz aggressive Leute, die mit St?hlen geschmissen haben und so. Und Ihre Mutti ? da ist ja fast nix mehr dran (bei 41 Kilo und 1,58 m Gr??e). Warum sollten die sie denn fixieren. Wissen Sie, was da los war??

Ich wei? von nichts. Wovon spricht Pfleger G? Er geht an die H?ngekartei mit den Pflegedokumentationen und reicht mir einen Beschlu? ?ber freiheitsentziehende Ma?nahmen an meiner Mutter, der am 26. April ausgestellt worden ist ? also zwei Tage nachdem Mutti wegen ihres schlechten Allgemeinzustandes ins Allgemeinkrankenhaus eingeliefert worden ist.

Genehmigt wurde:
- Anbringen von Bettgittern
- Bauchgurt im Bett
- Gurt am Stuhl
- Fixierung der Extremit?ten

Ich habe mehrmals mit dem Pflegepersonal und mit dem Stationsarzt telefoniert. Niemals hat jemand erw?hnt, dass meine Mutter aggressiv sei ? nur dass sie den Wunsch habe nach Hause zu gehen. Den Beschlu? habe ich nie gesehen ? auch nicht vom Betreuungsb?ro F. weitergeleitet bekommen.
Als ich am 2. Mai ? wie mit dem Stationsarzt abgesprochen ? Mutti abholen will, sagen mir die anwesenden ?rztinnen, man habe sie per Zwangseinweisung ins Bezirkskrankenhaus gebracht, weil sie aggressiv gegen Mitpatienten gewesen sei. Sie sei gefallen und habe eine Verletzung am Auge. Als ich sie am n?chsten Tag im BKH besuche hat sie ein blaues Auge. Es sieht aus wie ich es nach Schl?gereien in Westernfilmen kenne. Aufgeplatzt ist nichts.

Auf die Frage von Pfleger G. kann ich nur sagen, dass sowohl das Allgemeinkrankenhaus als auch das Bezirkskrankenhaus akademische Lehrkrankenh?user der Universit?t M. sind.

21.7.05 08:12


offene Rechnung

20. Juli 2005

Frau F., die einige Tage als gesetzliche Betreuerin meiner Mutter vom Amtsgericht eingesetzt war, teilt mir telefonisch mit, dass mir demn?chst eine Rechnung f?r ihre Bem?hungen zugehen werde. Ich bin verdutzt, aber eigentlich ist es logisch, dass meine Mutter ? solange sie nicht von Sozialhilfe abh?ngig ist, f?r die Kosten herangezogen wird.

Allerdings h?tte ich als n?chste Angeh?rige vorrangig gefragt werden m?ssen, ob ich die Betreuung ?bernehme. Das ist aber nicht geschehen, weil die Sozialarbeiterin des Allgemeinkrankenhauses, von der der Antrag auf Betreuung gestellt wurde, behauptet hat, ich wolle die Betreuung nicht ?bernehmen. Dabei hat die Dame zu keiner Zeit mit mir Kontakt aufgenommen.

Davon erfahren habe ich am 3. Mai als ich Mama in der Gerontopsychiatrie des Bezirkskrankenhauses, in das sie inzwischen per Unterbringungsbeschlu? eingeliefert worden war, besuche.

Ich sprach mit dem zust?ndigen Stationsarzt dort, der nach Blick in seine Unterlagen meinte: ?Ich sehe hier, dass Sie die Betreuung f?r Ihre Mutter nicht ?bernehmen wollen?. Das entnimmt er dem Bericht der Sozialarbeiterin des Bezirkskrankenhauses. Als ich die telefonisch kontaktiere, meint sie, das habe die Sozialarbeiterin vom Allgemeinkrankenhaus behauptet.

So wird Frau F. als Betreuerin eingesetzt bis mein Widerspruch g?ltig wird. Mein Juristenfreund K. kommentiert das: Warte ab bis die Rechnung kommt. Deren Richtigkeit mu? vom Rechtspfleger des Amtsgerichts gegengezeichnet sein. Dann legst Du Widerspruch ein.

20.7.05 06:12


Bestattungsvorsorge

19. Juli 2005

Vom st?dtischen Bestattungsdienst in M. kommt Rechnung ?ber 1000 Euro. Meine Mutter hat dort einen Vorsorgevertrag f?r ihre Bestattung abgeschlossen. Da die Leistungen der Krankenkasse durch eine neue gesetzliche Regelung reduziert werden oder wegfallen ? so genau ist das aus dem Schreiben nicht ersichtlich ? wird dieser Betrag f?llig. Ich wusste, dass sie einen solchen Vertrag abgeschlossen hat, in dem die Einzelheiten f?r ihre Beerdigung geregelt werden. Durch den Brief erfahre ich, dass sich die musikalischen W?nsche f?r die Trauerfeier ge?ndert haben: Nicht nur das Ave Maria von Gounod, sondern auch ?Candle in the Wind? von Elton John soll gespielt werden.

Meine Mutter hat mehr als 1 Dutzend Aktenordner mit Korrespondenzen. In den dreien, die ich bis jetzt bei mir habe, finde ich keinen Vertrag, aber sie hat durch ihre Krankheit bedingt ? auch viel umsortiert.

Ich unterrichte den Sachbearbeiter durch einen Brief von der ver?nderten Situation und bitte um Information, zu welchen Bedingungen der Vertrag aufgel?st werden kann, denn meine Mutter wird sicher nicht in M. beigesetzt werden.
19.7.05 05:12


Krankenkassen-Chaos

18. Juli 2005

Anruf vom Seniorenheim: ?Machen Sie sich keine Sorgen. Es ist nichts Schlimmes passiert?. Der Verwaltungsangestellte erkl?rt mir, dass es immer schwieriger wird, die Rezepte f?r Mama einzul?sen, weil sie keine Chipkarte haben.

Die m?sste eigentlich schon lange dort sein. Vor ?ber einem Monat habe ich der Filiale in M. den Verlust gemeldet und um Ausstellung einer neuen Karte gebeten, die dann bitte nach Berlin geschickt werden sol, damit das Heim sie m?glichst schnell hat.

Ich vereinbare mit dem Verwaltungsangestellten, dass wir beide bei der Krankenkasse anrufen nach dem Motto: ?Doppelt h?lt besser?.

Ich erfahre dann vom Krankenkassenfachangestellten, dass die Chipkarte Mitte Juni an das Betreuungsb?ro F. Geschickt wurde. Dar?ber bin ich erstaunt, denn seit 17. Mai bin ich als Betreuerin eingesetzt, was ich der Krankenkasse mitgeteilt habe. Auch eine Kopie meiner Bestallungsurkunde vom Vormundschaftsgericht habe ich ?bermittelt. Der Mitarbeiter wei? von nichts. Offensichtlich sind diese Unterlagen nicht von M. nach Berlin weitergeleitet worden.

Etwas pampig meint der Mitarbeiter der Berliner Zweigstelle der Barmer Ersatzkasse, dass ich mich an das Betreuungsb?ro F. wenden soll, damit die Chipkarte dahin kommt, wo sie hingeh?rt. Ich weise ihn darauf hin, dass hier die Barmer Ersatzkasse Fehler gemacht hat und es daher deren Sache sei, den Fehler zu korrigieren. Er sieht das ein und wir verbleiben so, dass die Chipkarte ans Seniorenheim geschickt wird.

Ich frage beim Betreuungsb?ro F. telefonisch an und erfahre, dass dort keine Chipkarte f?r meine Mutter angekommen ist. Ich schicke eine Kopie des Betreuerausweises an die Krankenkasse.

18.7.05 20:00


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