Alzheimer - und dann?

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42 Seiten Formularkram

23. Juni 2005
Jetzt hat es endlich geklappt mit einer Selbsthilfegruppe. Sie findet 2mal monatlich zwei Stunden statt. Gleichzeitig werden die erkrankten Angeh?rigen betreut, die alle an verschiedenen Formen der Demenz leiden. Alzheimer ist nur die bekannteste davon.

Leider bin ich eine Stunde zu sp?t dran, was mir sehr unangenehm ist, aber die Anfangszeit war im Prospekt falsch angegeben.

Wir waren acht Leute, und die meisten Teilnehmenden waren ?ber 70 und pflegen den erkrankten Ehepartner.

Eine Frau erz?hlt, dass ihr Mann vor kurzem einen Schwerbehindertenausweis bekommen hat, der ihn als 100 % behindert ausweist. Deswegen steht ihm die Befreiung von Rundfunk- und Fernsehgeb?hren zu. Daf?r musste sie ein 42seitiges (in Worten: zweiundvierzig !!!) Formular ausf?llen.

Danach trabten ein Neurologe sowie ein Richter samt seiner Sekret?rin bei ihnen zuhause zum Gespr?ch an. Und es ging wirklich nur um die Befreiung von Rundfunk- und Fernsehgeb?hren und nichts weiter ? wie etwa um eine Betreuung oder eine freiheitsentziehende Ma?nahme.

Trockener Kommentar eines Gruppenmitgliedes: Da wei? man, wo unsere Steuergelder bleiben!

Frage: Wie lange h?tte man die Fernseh- und Rundfunkgeb?hren von dem Geld bezahlen k?nnen, das die Arbeitszeit dieser Personen kostet?

23.6.05 21:48


Wohnungskündigung

22. Juni 2005


Zu nachtschlafender Zeit l?utete gestern das Telefon: Hingehen oder weiterschlafen? M?hsam finde ich aus dem Bett. Am anderen Ende stellt sich Frau L. als Verfahrenspflegerin vom Vormundschaftsgericht f?r meinen ?Antrag f?r Wohnungsk?ndigung? vor.

Als ich vor 1 ? Wochen beim Rechtspfleger meinen Betreuerausweis abholte, machte er mich darauf aufmerksam, dass ich die Wohnung meiner Mutter nur mit einem Gerichtsbeschlu? k?ndigen k?nne. Den Antrag dazu k?nne ich gleich bei ihm stellen.

Das war neu f?r mich. In dem Beschlu?, den mir das Vormundschaftsgericht Mitte Mai geschickt hatte, stand, dass ich als Betreuerin eingesetzt bin. Mein ?Aufgabenkreis? umfasst laut Urkunde:

- Aufenthaltsbestimmung
- Gesundheitsf?rsorge
- Verm?genssorge
- Abschlu?, ?nderung und Kontrolle des Heimvertrages
- Vertretung gegen?ber Beh?rden, Versicherungen, Renten- und Sozialleistungstr?gern
- Anhalten, Entgegennahme und ?ffnen der Post sowie Entscheidungen ?ber Fernmeldeverkehr
- Wohnungsangelegenheiten
- Organisation der ambulanten Versorgung

Da ?Wohnungsangelegenheiten? ausdr?cklich benant waren, kam ich von selber nicht auf die Idee, dass ich f?r eine K?ndigung einen Gerichtsbeschlu? brauchen w?rde. Ich stellte bei Rechtspfleger A. also den entsprechenden Antrag.
Nun will Frau L. wissen, ob meine Mutter noch im Bezirkskrankenhaus ist (- nein im Altenheim -) und warum ich denke, dass sie nicht mehr zuhause wohnen und versorgt werden kann.

Ich erz?hle, dass sie immer ?fter die Mitarbeiter vom ambulanten Pflegedienst nicht mehr in die Wohnung lie?. Der Zivi konnte nicht f?r sie einkaufen. Vermutlich erkannte sie die Leute nicht mehr. Als sie im Krankenhaus war und ich in ihre Wohnung kam, hatte sie ? au?er einer halben T?te Milch, einigen Eiern und acht Scheiben Wurst ? nichts mehr im K?hlschrank. Im Tiefk?hlfach war g?hnende Leere. Meine Mutter hatte immer viele Vorrate. Ich sah beim Wegbringen der Abfallt?ten, dass sie sich die beiden letzten Wochen vor der Einlieferung ins Krankenhaus ausschlie?lich von Obstkonserven ern?hrt hatte.

Letztes Jahr im Oktober ? so erz?hlte mir ihr Lieblingsnachbar - r?ckte die Feuerwehr mit zwei L?schz?gen an. Mama hatte vergessen, dass sie auf dem Herd eine Pfanne mit Fett hatte. Den Rauchmelder h?rte nicht sie, sondern eine Nachbarin, die dann die Feuerwehr alarmierte. Meine Mutter wei? davon nicht mehr.

Es ist nur der Freundlichkeit der Nachbarn zu verdanken, dass sie solange in ihrer Wohnung bleiben konnte. Herr E. war immer der Nothelfer f?r Kleinreparaturen und allerlei Alltagskram. Frau Z. hat f?r sie Lebensmittel eingekauft bis meine Mutter ihr vorwarf, Wechselgeld behalten zu haben. Manchmal war Ma mit ihren vier Schl?sselbunden mitten in der Nacht unterwegs um an den Schl?ssern der Nachbarn auszuprobieren, ob irgendwo die Schl?ssel passen.
Essen und trinken verga? sie ? und auch die Medikamenteneinnahme. Sie, die fr?her 65 kg wog, ist auf 42 kg abgemagert.

Das reichte Frau L. f?r ihr Gutachten. Sie versprach, es so schnell wie m?glich zu schreiben. Vielleicht bekomme ich den Gerichtsbeschlu? noch im Juni. Der Mietvertrag hat drei Monate K?ndigungsfrist, und ich bin um jeden Monat froh, f?r den ich die Miete nicht bezahlen mu?.

Anschlie?end ging ich zum Postamt um den Nachsendeantrag f?r Muttis Post zu stellen. Den Betreuerausweis und eine Kopie davon nahm ich mit. Die Postangestellte h?ndigte mir ein Formular aus, das ich mit der Unterschrift meiner Mutter zur?ckbringen solle. Meine Mutter schreibt nicht mehr. Ic f?llte das Blatt aus, unterschrieb es und steckte es mit einer Kopie des Betreuerausweises in einen Briefumschlag. Kosten: 14,80 Euro.

Dann fuhr ich ins Heim, weil ich mit Stationspfleger D. verabredet war. Ich lernte zwei Pflegerinnen, B. und L. kennen. Ich werde wohl eine ganze Zeit brauchen bis ich alle Mitarbeitenden der Wohngruppe kenne.
Anschlie?end fuhr ich noch zum ersten Mal zu einem Treffen der Alzheimer-Angeh?rigengruppe ? dazu mehr ein anderes Mal.

Nach diesem anstrengenden Tag musste ich meine Batterien aufladen. Wegen Sommeranfang fand in der ganzen Stadt drinnen und drau?en das Fete de la Musique statt. Aber erst einmal brauchte ich einen leckeren Karotten-Orangen-Kuchen bei Salomon Bagels. Am Potsdamer Platz unterhielt die Sambagruppe ?Quebra Ouvidos? mit mitrei?enden St?cken viele Schau- und H?rlustige. Anschlie?end schaute ich noch beim J?dischen Filmfestival Berlin vorbei. Bei ?Diet Leibovich? und ?Only Human? habe ich viel gelacht ?ber die famili?ren Verwicklungen als Leni ihren neuen Freund, einen Pal?stinenser, zu einem Schabbat in ihre Familie mitbrachte.
22.6.05 19:14


Heimvertrag

20. Juni 2005
Mehrere Anl?ufe musste ich nehmen und selten ist mir eine Unterschrift so schwer gefallen.

Nicht dass der Vertrag schwer verst?ndlich w?re oder Passagen enthielte, mit denen ich nicht einverstanden w?re ?

Ich muss f?r meine Mutter unterschreiben, und in meiner Unterschrift manifestiert sich ein Rollentausch, der nicht mehr r?ckg?ngig zu machen ist. Diese Verantwortung belastet mich, und ich wehre mich innerlich dagegen, aber es geh?rt zu dem Wenigen, das ich noch f?r sie tun kann, denn die Krankheit wird fortschreiten. Bestenfalls kann man dieses Fortschreiten hinausz?gern ? mehr nicht. Eine Heilung gibt es nicht.

30.6.05 00:06


Lebenslauf - des Lebens Lauf

19. Juni 2005

Mit 17 schrieb ich meinen ersten Lebenslauf. Damals wollte ich als au-pair M?dchen ins Ausland, und die Vermittlungsagentur verlangte einen. Dieser erste schriftliche Lebenslauf beschr?nkte sich auf die Angaben zur Person, Geburtsdatum, Geburtsort, Schullaufbahn, Hobbys und ehrenamtliche T?tigkeiten.

Seitdem bin ich immer wieder in die Situation gekommen Lebensl?ufe zu verfassen: F?r meine Studienplatzbewerbung, f?r Arbeitsstellen, f?r ein Forschungsstipendium, f?r die Bewerbung f?r eine Zusatzausbildung ?

Immer war das Schreiben eines Lebenslaufs mit einer neuen Chance f?r mein Leben verbunden, zumindest potentiell. Ich konnte ja nicht wissen, ob es etwas werden w?rde mit dem Studienplatz, der Arbeitsstelle ?

Letzte Woche hat mich der Stationspfleger darum gebeten, f?r die Mitarbeiter der Wohngruppe einen Lebenslauf meiner Mutter zu schreiben, damit sie besser auf sie eingehen k?nnen.

Einen Lebenslauf f?r jemand schreiben, der das nicht mehr selber tun kann; der oft nicht mehr wei?, welchen Monat wir haben und wie die Vornamen der Ehem?nner waren.

Wie schreibe ich einen Lebenslauf, der meiner Mutter gerecht wird? Wie w?rde sie es wollen? Ich habe das Gef?hl einer Grenz?berschreitung. Ich dringe in eine Sph?re ein, die nicht meine ist.

F?r sie bedeutet dieser Lebenslauf keine Erweiterung ihres Horizonts und h?chstens die Chance, dass die Pflegepersonen sie besser verstehen k?nnen.


19.6.05 17:48


Wenn das Telefon nicht mehr klingelt ...

17. Juni 2005
Mein schnurloses Telefon ist heute gekommen. Es kann 50 Nummern speichern. Weil ich nicht schlafen kann, fange ich an, die ersten Telefonnummern einzugeben und ?berlege, wer mir am wichtigsten ist.

Ich fange an zu schlucken. Noch vor zwei Monaten h?tte ich Mamas Nummer eingegeben. Sie hat kein Telefon mehr. Sie wird mich nie mehr anrufen. Und wenn ich sie die letzten Wochen im Krankenhaus auf dem Patiententelefon angerufen habe, dann mussten sie die Schwestern hinf?hren und ihr den H?rer in die Hand geben.

Ich gebe heute keine Telefonnummern mehr ein.
17.6.05 21:48


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