Alzheimer - und dann?

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Geburtstagsturbulenzen

27. November 2007

Eigentlich hatte ich eine Schokoladensahnetorte bestellt wie die vom letzten Jahr:

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Leider hatte die Konditorei, die auf dem Weg zu Mamas Heim liegt, geschlossen. So mußte ich ausweichen und als dann der Karton mit der Torte vor mir stand, war darin eine weiße Torte. "Ihre Schokoladensahne" meinte die Verkäuferin. "Also eine Schokoladensahne sehe ich da nicht, sondern nur ein Schokoladengitter" meinte ich. Was tun jetzt? Glücklicherweise gab es noch eine kleine nicht angeschnittene Schokoladensahne (sechs Stück), die ich dann nahm. Und für Mamas Mitbewohnerinnen besorgte ich eine Schokotorte mit Aprikosenfüllung, die Mama wiederum nicht mag.

Günter kam auch mit und so machten wir zu dritt ein Kaffeetrinken in Mamas Zimmer. Wir beide hatten Mühe mit einem Stück Torte. Ich war mit meinem Stück gerade fertig, da hatte Mama schon zwei Stück komplett verspeist und erkundigte sich, wieviel denn noch für morgen da sei.

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Wir haben uns gut unterhalten, auch wenn es streckenweise von Wehmut geprägt war. Eine Geburtstagsfeier legt Erinnerungen an früher nahe. Da kommt die Frage nach den alten Nachbarn, was aus ihrer Wohnung geworden ist, wer da jetzt drin wohnt ...
27.11.07 16:10


Kriminelles Potential

24. November 2007

Im Bestatterweblog berichtet Bestatter Tom von seiner Erfahrung mit einer Berufsbetreuerin, die die Verfügung einer von ihr Betreuten nach deren Tod noch ändern wollte mit folgendem Argument:

Keinesfalls ginge es, daß Frau Schieferdecker so teuer unter die Erde komme, wie die sich das vorgestellt habe. Am Ende sei ja von der ganzen Pracht nichts mehr übrig gewesen und so eine Betreuung koste ja wahnsinnig Geld und es könne ja nicht sein, daß sie als Betreuerin von ihrem privaten Geld noch was drauflege und deshalb müsse das jetzt alles ganz billig sein, damit wir die Sterbeversicherung in möglichst großer Höhe an sie überweisen können.
Diesen Wunsch untermauert sie auch mit einer entsprechenden Vollmacht.

Der ganze Beitrag steht hier.
24.11.07 17:35


... wie ein Baum gepflanzt am Wasser

Vorgestern habe ich die S-Bahn verpaßt und als ich im Heim ankam, war Mama schon unterwegs in die Kirche. Ich stieg dann zur Orgel hinaus und hatte einen fantastischen Überblick über die kleine Kirche.
Aha, die Damen vom Chor waren wieder einmal da. Im Mai hatte es schon einmal einen Gottesdienst mit ihnen gegeben, der Mama tief beeindruckt hat.

Heute ging es um das Thema Bäume. Der Pfarrer hatte eine Baumscheibe mit achtzig Jahresringen mitgebracht, die er zeigte. Das paßte auch deshalb sehr gut, weil die meisten Teilnehmenden aus dieser Altersklasse waren.

Sie sprachen also darüber, was Bäume brauchen, über die einzelnen Teile von Bäumen und was Bäume mit Menschen gemeinsam haben. Zwischendurch wurden Texte gelesen, wurde gemeinsam gesungen und immer wieder war der Chor dran.

Es gibt immer was für jede/n, was mit dem Thema des Gottesdienstes zu tun hat. Dieses Mal war es eine Astscheibe, die jeder persönlich mit Nennung des Namens und einem kurzen Zuspruch vom Pfarrer bekam. Ein Herr, der auf einen Gut in Schlesien aufgewachsen war, konnte an der Astscheibe sogar erkennen, daß es sich um einen Apfelbaum handelte.

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Wer sich von den Bewohnern einbringt tut das auf eine sehr persönliche Weise. Eine Frau wünschte sich, daß "im Gebet den Menschen gedankt werden soll, die uns in den Gottesdienst bringen und hier helfen".

Sowohl der Pfarrer als auch die Heimleitung findet es ganz wichtig, daß der Gottesdienst im Kirchenraum stattfindet und nicht im Atrium des Heims. Der Pfarrer schrieb einmal darüber:

Auch wenn kaum jemand der Senioren hier groß geworden ist, der Altar mit Blumen und Kerzen, die Orgelmusik, die Kirchenbank, das Gesangbuch in den Händen, der Geruch des Raumes und anderes mehr sind starke Erinnerungsträger. Hier kommt dem Ort selbst eine therapeutische Funktion zu und beginnt der Gottesdienst schon, bevor der Pfarrer vor den Altar tritt. In betont ruhiger und den Menschen zugewandter Weise werden alte Texte aus der noch präsenten Kindheitserinnerung miteinander gesprochen, gebetet, gesungen. Dies oft von den Senioren in einer Vollkommenheit, die erstaunt und die mitanwesenden Betreuer zu Lernenden macht. Ein Gegenstand mit symbolischer Aussage, jedem Einzelnen überreicht, hilft, ins Gespräch zu kommen. Langzeiterinnerungen werden in Wort und Gefühl erinnert, dann aufgenommen und mit einem seelsorgerlichen Zuspruch verknüpft. Im verbalen und emotionalen Erinnern von frühesten Geborgenheitserlebnissen berühren sich lebensgeschichtliche und religiöse Erfahrungen.


Als wir dann an der Kirchentür vom Pfarrer verabschiedet wurden, meinte Mama zu ihm: "Das war ein wunderschöner Gottesdienst. Vielen Dank, daß ich dabei sein durfte.".

Später fragte sie mich, warum der Pfarrer eine "schwarze Soutane" getragen hat (Don Camillo läßt grüßten). Ich erklärte ihr, daß hier die meisten Menschen evangelisch sind, und evangelische Pfarrer einen schwarzen Talar tragen. Sie wollte auch wissen, ob sie nicht Besuch vom Pfarrer bekommen kann. Und was mich am meisten wunderte: Sie hat den Gottesdienst mit dem im Mai verglichen als die Frauen vom Chor schon einmal da waren. Sie unterscheidet also offensichtlich, daß es unterschiedliche Gottesdienstformen gibt.
Auch wenn sie nicht mehr weiß, was sie gefrühstückt hat, so behält sie doch emotional sehr bedeutsame Inhalte.

Später war sie dann traurig, weil sie meinte, sie sei erst ganz kurz im Heim und wisse nicht, ob sie sich da hineinfinden wird, weil das alles so anders ist als früher.
15.11.07 19:46


Einmischungen

7. November 2007

Mama kann es auf den Tod nicht leiden, wenn sich jemand in ihre oder anderer Leute Angelegenheiten ungefragt einmischt. Bei meinem letzten Besuch war sie gerade mit ihrem Frühstück fertig. Ihre Tischnachbarin Frau Jahn setzt sich hin und bekommt kurz darauf von Margit das Frühstück gebracht. Liebevoll sind zwei Scheiben Brot mit Wurst und Käse belegt und dekoriert. Minutenlang sitzt Frau Jahn, die gerne und viel ißt, vor ihrem Teller und weiß anscheinend nicht, was sie damit anfangen soll. Deshalb sagt Margit: "Guten Appetit, Frau Jahn. Essen Sie mal".

Mama regt sich auf: "Was geht die das an, wann die Frau ißt oder nicht. Die soll die Frau in Ruhe lassen. Jeder kann essen was und wann er will. Und wenn sie nichts will, dann bleibt es eben stehen."

"Ja, Mama" erkläre ich ihr "Du hast völlig recht. Niemand soll zu was gezwungen werden, was er nicht mag. Aber weißt Du, bei der Frau Jahn ist das wegen der Krankheit so, daß sie manchmal nicht mehr weiß, was sie mit dem Essen vor sich anfangen soll. Wenn sie dann mit dem Essen anfängt, dann geht es. Und sie hat doch Diabetes. Deswegen ist es wichtig, daß sie regelmässig ißt. Und das ist der Grund, daß Margit sie daran erinnert".

"Ach so" sagt Mama "das muß man halt erklärt bekommen" und ist zufrieden.
7.11.07 06:45


liebste Abwechslung

4. November 2007

Mama hat inzwischen wieder einige Kilo zugenommen. Das erste Mal seit langer Zeit fragte sie wieder einmal: "Gibt es was Neues?" Sie war heute sehr munter. Ich schlug ihr vor, ein bißchen im Haus unterwegs zu sein. Sie meinte: "Warum denn das?" - Damit Du ein bißchen Abwechslung hast. "Ich hab' genug Abwechslung hier (Pause) ... wenn ich mag".

Was ist denn Deine liebste Abwechslung? Wie aus der Pistole geschossen kommt: "Der große schwarze Hund".

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"Er war erst wieder da". Ich schaue auf dem Wochenplan. Tatsächlich, Largo war vorgestern zu Besuch. "Leider hatte ich nichts zu fressen für ihn. Schließlich kann ich ihm keinen Zucker geben." Aber sein Herrchen hat doch Hundekekse dabei. Dann laß Dir doch einen Hundekeks geben. "Sein Herrchen war dieses Mal nicht dabei. Zumindest habe ich ihn nicht gesehen."

Wir fahren zum Käfig mit den Zebrafinken. Als wir zurückkommen, sehen wir in der Wohngruppe die schwarze Katze. Sie läuft ins Zimmer einer neuen Bewohnerin. Ich schaue in den Raum. Dort steht die gleiche Sitzgruppe, wie sie Mama in ihrer Wohnung hatte. Mir geht es durch und durch.

Ich will nicht, daß sie in das Zimmer schaut und an ihre alte Wohnung erinnert wird. Ich sage: "Die Katze hat sich versteckt." Immer wenn ich an die Wohnungsauflösung zurückdenke, dann muß ich immer noch schlucken. Da sie erst in einem Heim war, in dem zwei Bewohnerinnen ein Zimmer teilten, konnten wir nicht viel mitnehmen. Solche Momente sind sehr schmerzlich.


Mehr über Largo und seine Besuche findet man links unter "tierisches" oder:
Wenn der Therapiehund kommt
oder
erster Hundebesuch
4.11.07 21:03


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