Alzheimer - und dann?

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wieder im Heim

15. Januar 2007

Danke für die zahlreichen Nachfragen von Euch. Seit letzten Freitag ist Mama wieder zurück im Heim. Der Sozialarbeiter nahm sie in Empfang und fragte sie, ob es irgendwas gäbe, auf das sie besonders Lust hätte. Sie antwortete: "Schokoladeneis" und bekam eine große Portion, die sie mit Genuß verspeiste.

Nora, eine Mitarbeiterin, die sonst die Sanftheit in Person ist, war sehr aufgebracht über den Entlassungsbericht des Krankenhauses. Dort wurde nämlich empfohlen, Mama eine PEG-Sonde zu legen, wenn sie weiterhin so schlecht essen würde. "Bei uns haben wir überhaupt keine Schwierigkeiten mit dem Essen und Trinken bei Ihrer Mutter. Die sollen lieber mal überlegen, was bei denen schief läuft" kommentierte sie.

"Ihre Mutter hat signifikant abgenommen in dieser einen Woche" meinte eine andere Mitarbeiterin. Und das bei sowieso nur 45 Kilogramm. Nora meinte: "Wir päppeln Ihre Mutti schon wieder auf".
15.1.07 13:58


Weltdeutung

Samstag 13. Januar 2007

"Was ist eigentlich mit Günter los - geht es ihm gut?" will Mama wissen. Ja - sage ich. Er hat Dich vor kurzem besucht, und hat mir erzählt, dass Du ihn zuerst nicht erkannt hast.

Ich sage ihr nicht, daß wir uns nicht im Klaren sind, ob sie ihn überhaupt irgendwann während des Besuches erkannt hat.

"Ja" sagt Mama "Er hatte solche Verunstaltungen im Gesicht als er letztes Mal da war. Da konnte ich ihn erst nicht erkennen".
13.1.07 19:22


Gut drauf

11. Januar 2007

Gut drauf war Mama als ich sie heute im Krankenhaus besuchte; zwar etwas schlapp, doch wir konnten uns recht gut unterhalten.

Am Telefon hatte ich erfahren, daß sie nicht so gut ißt. Also brachte ich ihr ein Stück Schokoladentorte mit. Schokotorte geht immer - so auch heute.

Sie fragte nach Günter, den sie vor vier Tagen nicht erkannt hat als er sie besucht hatte. Auf ihrem Nachttisch lagen noch 2 Mandarinen. Ich zeigte ihr die Mandarinen und sagte: "Die hat Günter Dir mitgebracht als er hier war".
Das ist aber lieb.
Ich wartete, ob sie irgendetwas sagen würde, daß die Mandarinen vergiftet seien. Aber nein. Sie wollte eine geschält haben.

Und wieder habe ich über ihre komplexen Gedankengänge gestaunt als sie wissen wollte, ob der Günter sie auch dann noch besuchen kommen würde, wenn einer von uns beiden jemand anderen kennenlernen würde.

Ja, auch dann würde der Günter weiterhin kommen - und sie strahlte. Morgen wird sie entlassen, weil sich der Verdacht auf Thrombose nicht bestätigt hat.
11.1.07 22:14


Wieder im Krankenhaus

8. Januar 2007

Als ich am Samstag ins Heim kam, sagte mir Mamas Lieblingspflegekraft, daß sie vor 10 Minuten ins Krankenhaus gebracht worden sei.

In den letzten Tagen sei es ihr nach der Medikamentenumstellung gut gegangen. Sie habe keine Schmerzen mehr gehabt. Heute im Nachtdienst habe sie sehr über Schmerzen im Knie geklagt und auch morgens. Als sie sich im Frühdienst dann Mamas Knie angesehen habe, sei es viel dicker gewesen als gestern. Nach Rücksprache mit dem ärztlichen Notdienst sei Mama dann ins Krankenhaus gebracht worden. Leider war in R., wo Mama im Dezember war, nichts frei. Und jetzt ist sie in S.

S. ist die nächste Kreisstadt - direkt an der S-Bahnstrecke, an der auch Mamas Heim liegt. Ich mache mich auf den Weg zum Bahnhof. Leider fährt der Zug nach S. am Wochenende nur alle vierzig Minuten. Am Bahnsteig finde ich Leute, die wissen, wo das Krankenhaus in S. ist und es mir gut beschreiben können.

Ich muß eine halbe Stunde auf den nächsten Zug warten und trinke in einem Cafe am Bahnhof eine Schokolade. Es ist naßkalt nieselig. Vom Bahnhof habe ich es nur einige Minuten bis zur Klinik. Mama ist noch in der Notaufnahme. Man hat sie an einen Tropf gehängt. Sie klagt, daß sie Hunger hat. ich habe zwar Schokolade mit, darf sie ihr aber nicht geben. Wahrscheinlich hat sie noch nicht gefrühstückt, und es ist schon nach zwölf Uhr.

Mama schimpft wie ein Rohrspatz, und weiß nicht, was das Ganze soll. Ich erkläre ihr, daß sie starke Schmerzen im Knie gehabt hat und deshalb ins Krankenhaus gebracht worden sei. Jetzt soll abgeklärt werden, was mit dem Knie ist.

Mama ist stocksauer. Sie schimpft wie ein Rohrspatz: "Du spinnst doch. Ich habe überhaupt keine Schmerzen im Knie. Du glaubst auch jeden Scmarrn, den die dir erzählen - ich will eine Zigarette - ich will hier raus - das ist kein Krankenhaus - die wollen mich vergiften ..."

Zwischendurch kippt ihre Stimmung wieder um. Sie singt dann abwechseln "o Tannenbaum" und " o sole mio". Ich wußte gar nicht, daß sie "o sole mio" kann.

Inzwischen kommt die Ärztin, eine sehr nette Frau Mitte 50 und fragt mich nach Vorerkrankungen.

Mama schimpft weiter, wie ich ihr das antun habe können und in was für eine Scheißsituation ich sie gebracht habe. Zwischendurch redet sie, aber ich verstehe nichts, weil sie lallt.

Die Ärztin sieht sich das Knie an und findet es nicht besonders dick - ich auch nicht. Aber ich habe ja nicht den Vergleich zu gestern wie die Pflegekraft. Es sollen Untersuchungen gemacht werden, die aber frühestens am nächsten Tag möglich sind. Mama kommt also auf eine innere Station.

Dort sind vier jüngere Pflegekräfte - alle unter 35 im Dienst. Der Umgangston ist rauh. Weder Mama noch ich werden begrüßt. Es herrscht Kasernenhofton. In den zwei Stunden, in denen ich noch da bin, wird Mama von keiner der Frauen direkt angesprochen, außer daß sie in harschem Kommandoton Befehle erteilt bekommt.

Als das Mittagessen gebracht wird - die offizielle Mittagessenzeit ist vorbei - soll die Tischplatte vom Nachtschrank zu Mama geschoben werden, die ihre Füsse angewinkelt hat, weil ihr diese Position am angenehmsten ist. Sie wird mit einem "Füsse runter" abgefertigt und weiß erst gar nicht, was man von ihr will. Es gibt eine lauwarme Nudelsuppe mit Fleischeinlage. Die ist gründlich versalzen. Außerdem wurde noch ein Schälchen mit rotem Wackelpudding mit Vanillesauce Geschmacksrichtung ungenießbar gebracht. Als ich den Schwestern bescheid sage, daß die Suppe total versalzen ist, werde ich beschieden: "Da können wir auch nichts dafür".

Ich gehe in die Cafeteria und schaue, was es dort gibt. Aber die Essenszeit ist vorbei. Ich nehme Saft und Erdbeerjoghurt mit. Besser als gar nichts.

Als ich ins Zimmer von Mama zurückkomme, sind wieder zwei Pflegekräfte da. Wieder Kasernenhofton. Es wird nichts erklärt, was man macht und warum. Ich zerkleinere Mamas Schokolade. Sie will nichts trinken und sagt, sie soll hier vergiftet werden.

Als ich mich verabschiede sagt Mama: "Die halten mich für plemplem. Keiner von denen redet mit mir". Stimmt: Sie haben mit mir geredet oder Mama im Kasernenhofton Befehle erteilt.

Ich bitte eine Schwester um die Durchwahl der Station und frage nach dem Namen und dem nächsten Dienst der Stationsschwester: "Das ist nicht wichtig für Sie. Denn die arbeitet nicht im Zimmer Ihrer Mutter". Ich bestehe darauf, daß ich den Namen wissen möchte. Den nächsten Dienst könne man mir nicht sagen. Ich bitte darum, im Dienstplan nachzuschauen. "Haben wir nicht". Mhm. Interessant. Ist erstens gesetzlich vorgeschrieben und zweitens nicht vorstellbar, daß eine Pflegeeinrichtung keine Dienstpläne hat. Sie wird der Stationsschwester mitteilen, daß ich mit ihr sprechen möchte.

Gestern fuhr Günter zu Mama, weil ich arbeiten mußte. Sie hat ihn nicht erkannt. Es war das erste Mal. Als er sie vor Weihnachten allein im Krankenhaus besuchte, war das kein Problem. Er hatte ihr Mandarinen mitgebracht. Die wollte sie nicht und auch nicht trinken. Wieder die Vorstellung, daß sie vergiftet werden könnte.

Sie hatte Phasen in denen sie nicht verständlich sprechen konnte, und dann konnte sie wieder mit den Pflegekräften diskutieren, warum sie sich jetzt aufsetzen soll oder dies oder jenes machen soll. Von den Pflegekräften heute hatte Günter einen guten Eindruck. Die haben ihr auch erklärt, was sie machen und was sie warum von ihr wollen.
8.1.07 04:55


Lolas Karten

4. Januar 2007

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Lola ist Mamas Kusine. Sie lebt seit Jahrzehnten in Amerika. Ich habe sie nie persönlich kennengelernt. Mama hatte im Erwachsenenleben kaum Kontakt zu ihr.

In den letzten Jahren haben die beiden öfter telefoniert und korrespondiert. Nun schickt Lola regelmässig grosse, dicke, fette Briefumschläge, die eine ganze Serie von beschriebenen Karten beinhalten. Die bringe ich Mama nach und nach mit, die sich dann immer wie ein Schneekönig freut.

Und Lola berichte ich regelmässig, was es Neues von Mama gibt.
4.1.07 10:42


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