Alzheimer - und dann?

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die Rollstuhl-Story

1. Dezember 2006

Als Mama im Juni 2005 ins Heim kam, konnte sie noch gehen, zwar langsam, aber es ging. Nach einer Lungenentzündung im März 2006 war sie so geschwächt, daß sie einen Rollstuhl bekam. Das Heim motivierte und mobilisierte, so daß sie mit dem Stock an guten Tagen von einem ins andere Zimmer gehen konnte. Den lila Rollstuhl, der sehr bequem war und den sie sehr liebte ("mein Auto"), konnte sie nicht mitnehmen ins neue Heim.

Vor dem Heimwechsel setzte ich mich mit der Heimleitung zusammen, die mir sagte, daß der Rollstuhl und die Gehhilfe von der Krankenkasse zur Verfügung gestellt worden seien. Das Heim müsse diese medizinischen Hilfen wieder zurückgeben und im neuen Heim würde Mama dann von einem nahegelegenen Sanitätshaus wieder zur Verfügung gestellt bekommen, was sie brauche. Sie riet mir, dem neuen Heim rechtzeitig bescheid zu geben, daß für Mama ein Rollstuhl benötigt wird. Für vorübergehend hätten Heime immer einen Ersatzrollstuhl, weil ja immer mal die Situation eintreten kann, daß jemand kurzfristig einen benötigt.Für mich war das auch ganz wichtig zu wissen, denn ich mußte für den Umzug ein Auto. Wegen der Größe ist es ja nicht unerheblich, ob ein Rollstuhl mit reinpassen muß oder nicht.

Zwei Wochen vor Mamas Umzug sagte ich also im neuen Heim bescheid, daß sie einen Rollstuhl braucht. Wir kamen am 30. September an. Sie bekam einen provisorischen Rollstuhl zur Verfügung gestellt. Der hat keine Fußstützen. Da Mama ziemlich klein ist, reichen ihre Füsse nicht bis zum Boden - also nicht besonders komfortabel auf Dauer. Wir brachten erst eine Kiste und dann einen kleinen Hocker mit, damit sie die Füße abstützen kann.

Und jede Woche fragte ich, was denn mit dem Rollstuhl ist, wie lange es dauert, warum es so lange dauert etc. "Ist in Arbeit", "kann gar nicht mehr lange dauern", "habe gehört, der ist schon unterwegs zum Orthodpädie-Techniker, daß er richtig eingestellt wird" und ähnliche Antworten mehr bekam ich auf meine Nachfragen von der Wohngruppenleiterin.

Als sie mir am Mittwoch sagte, sie habe bis jetzt keinen Zahnarzt-Termin vereinbaren können, weil die Praxis nicht erreichbar gewesen sei (siehe letzter Blogeintrag), fragte ich gleich nach, wie lange es noch mit dem Rollstuhl dauert: Ihre Antwort diesmal: "Sie wissen doch, mit den Krankenkassen ist das ein Kampf gegen Windmühlen". Ich fragte nach, was ich tun kann, um das Ganze voranzubringen und wer bei der Krankenkasse dafür verantwortlich ist. Sie wich mir aus, obwohl sie neben den Pflegedokumentationen stand und nur hineingreifen hätte brauchen, wenn ja ... wenn es denn da etwas hineinzugreifen gegeben hätte."

Abends schrieb ich noch eine eMail an den Leiter des Kunden-Centers der Krankenkasse, der mich dann gleich am nächsten Morgen wissen ließ, welche Bearbeiterin zuständig sei.

Als ich die am Telefon hatte, erklärte sie mir: Aus den Unterlagen sehe ich, daß Ihre Mutter im vorherigen Heim einen Rollstuhl vom Heim gehabt haben muß. Hätte sie den von uns gehabt, hätte sie ihn mitnehmen können.

Vom neuen Heim habe ich noch keinen Antrag oder irgendwas Schriftliches bekommen. Krankenkassen seien nicht verpflichtet, demenzkranken Menschen einen Rollstuhl zur Verfügung zu stellen. (siehe unten Link zur Presseerklärung). Das ist eine Kann-Leistung.

Ab April 2007 wird eine Änderung im Gesetz über die Pflegeversicherung wirksam. Dann müssen die Krankenkassen jedem Heimbewohner einen Rollstuhl zur Verfügung stellen. Die Barmer Ersatzkasse würde das soweit es möglich ist, schon vorher machen. Wenn sie als Sachbearbeiterin aber keinen Antrag bekommt, kann sie darüber nicht entscheiden.

Ich möge ihr doch die Telefonnummer vom Heim geben. Sie würde sich dann dort mit den zuständigen Mitarbeitern in Verbindung setzen, "um einen Weg zu finden, wie Ihre Mutter so schnell wie möglich zu einem Rollstuhl, der auf sie abgestimmt ist, kommt".

Über dieses Angebot habe ich mich gefreut. Aber ich frage mich, wie die Wohngruppenleiterin dazu kommt, mir Woche um Woche Stories zu erzählen bis hin zum Orthopädie-Techniker und den Windmühlen, gegen die man kämpfen müsse, wenn noch nicht einmal ein Antrag gestellt ist.

Nachmittags habe ich dann noch den Sozialarbeiter vom Heim getroffen und informiert. Seine Reaktion: "Das geht so nicht, das werden wir gleich morgen früh im Leitungsteam besprechen".

Ein Scheiß-Gefühl ist es schon, denn mit der Wohngruppen-Leiterin bin ich immer gut ausgekommen und hatte auch einen guten Eindruck von ihrer Fachlichkeit. Sie hatte ja auch das Gelkissen für den Rollstuhl organisiert aber wohl innerhalb des Hauses - Aber mit den Außenkontakten scheint es nicht immer gut zu klappen.


Presse-Erklärung der Deutschen Alzheimergesellschaft zum Rollstuhl-Urteil
Die Rollstuhl-Story Teil 2
1.12.06 15:39


die never ending Zahnarzt-Story

30 November 2006

Letzten Mittwoch (22. November) war ich zum dritten Mal persönlich im Kundencenter der Barmer Ersatzkasse wegen des am 24. Oktober eingereichten Kostenplans für die Zahnprothese. Dieser war zwischenzeitlich verschwunden und mußte neu organisiert werden.

Der Leiter des Kundencenters ließ mich wissen, daß der Kostenplan vorgestern (20. November) abschließend bearbeitet worden und rausgegangen sei. Wenn er heute noch nicht angekommen sei, dann doch spätestens mit der Post von morgen. So war es dann auch.

Ich benachrichtigte das Heim und bat um eine Terminvereinbarung mit dem Zahnarzt. Gestern - also eine Woche später - erfuhr ich, daß noch kein Zahnarzttermin zustande gekommen ist, weil "in der Praxis niemend da gewesen sei". Merkwürdig - sowohl die Zahnärztin als auch eine Helferin haben Kinder im Grundschulalter und derzeit ist nicht Ferien- und Urlaubszeit.

Vor zwei Stunden kam ein Brief von der Zahnärztin, daß der Kostenplan da sei und ich veranlassen möge, dass eine Terminvereinbarung gemacht wird, weil dies bis jetzt noch nicht erfolgt sei.

Ich rufe in der Zahnarztpraxis an. Die Helferin erzählt mir, daß heute Vormittag Termine vereinbart wurden. Jetzt will ich es ganz genau wissen und frage, wie es denn mit der Erreichbarkeit der Praxis gewesen sei. Das Heim habe gesagt, sie hätten niemand in der Praxis erreicht. "Wir hatten ganz normal offen während der Sprechzeiten. Es gab keine Veränderungen erfahre ich."

Und während ich diesen Eintrag schreibe, ruft die Krankenkasse wegen des Rollstuhls an. Aber die Rollstuhlstory erzähle ich später. Die ist noch verwickelter.


zum Weiterlesen:
-Wie die Zahnprothese verschwand ...
-die geraubte Zahnprothese oder wie Mama den Verlust ihrer Zahnprothese verarbeitet hat

Krankenkassen-Chaos Teil 1
Krankenkassenchaos Teil 2
Krankenkassen-Chaos Teil 3
Krankenkassen-Chaos Teil 4: : Gut Ding will Weile haben
30.11.06 14:22


Wenn die Ziege Husten hat ...

29. November 2006

Mama weiß nicht mehr, was sie vor einer Stunde gegessen hat. Wenn sie im Gruppenwohnzimmer sitzt, dann hat sie vergessen, daß sie gleich nebenan ihr eigenes Zimmer hat.

Im Streichelzoo war sie zuletzt vor einem Monat, aber das Ziegenfoto, das ich inzwischen vergrößert habe, erinnert sie an ihre ganz großen Lieblinge.

Über die Ziegen führen wir viele Gespräche. Mama beschäftigt es sehr nachhaltig, daß beim letzten Besuch eine Ziege Husten hatte. Sie fragt mich, ob es auch für Ziegen Hustensaft gibt oder was man sonst bei ihnen gegen Husten tun kann.

Der Mitarbeiter, der für die Besuche bei den Tieren zuständig ist, ist wieder aus dem Urlaub zurück. Und nächste Woche soll es wieder in den Streichelzoo gehen.

Inzwischen überbrücken wir die Zeit mit Zoo-Sendungen, wie sie in den dritten Programmen der öffentlich-rechtlichen Sender regelmässig kommen. Man kann sich schon darauf verlassen, daß nachmittags ein Tierpark auf Sendung ist, ob nun der Berliner Zoo mit "Panda, Gorilla und Co" (unser Lieblingstier: Eisbär Paul) und mit "Weiches Fell und scharfe Krallen", der "NDR-Tiergarten", "Giraffe, Erdmännchen und Co" (Frankfurter Zoo) oder die Haustiersendung "Tiere suchen ein Zuhause" oder die Stuttgarter Wilhelma mit "Eisbär, Affe und Co" (Kamelstutenfohlen Kassandra hatte bis jetzt unseren höchsten Aufmerksamkeitsfaktor).
29.11.06 00:52


Ausprobieren?

26. November 2006

Photobucket - Video and Image Hosting


"Wo habt Ihr denn diese schönen Blumen her?" will Mama wissen.

Wir kennen einen Blumenladen von einer Vietnamesin und da sagt man das Thema, das man für einen Blumenstrauß haben will: "Achzigster Geburtstag im Spätherbst".

"Aha" meint Mama "Und wie geht: Böse Schwiegermutter im August?"
26.11.06 23:40


Gut Ding will Weile haben oder: Krankenkassen-Chaos

25. November 2006

Es ist vollbracht! Der von der Krankenkasse genehmigte Kostenplan ist da. Die Benachrichtigung kam vorgestern - am 23. November. Fast genau einen Monat nachdem ich das Orginal persönlich im Kunden-Center der Krankenkasse abgegeben habe - nämlich am 24. Oktober.

Am Mittwoch war ich zum dritten Mal im Kunden-Center und erfuhr dort, daß vorgestern - also am 20 November - der "Vorgang abschließend bearbeitet" worden sei und eine Benachrichtigung an die Zahnärztin rausgegangen sei.

Zu Mamas runden Geburtstag morgen wurde es nichts mit der neuen Zahnprothese. Ob wir das noch vor Weihnachten über die Bühne bekommen?


Krankenkassen-Chaos Teil 3
25.11.06 19:26


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