Alzheimer - und dann?

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Kohle machen als Berufsbetreuer - Teil 2

13. November 2006

Im Mai 2005 war meine Mutter in ein Allgemeinkrankenhaus eingeliefert worden.
Da sie mich oft nachts mehrmals hintereinander angerufen hatte und Dinge besprechen wollte, die wir gerade fünf Minuten vorher durchgehechelt hatten, hatte ich den Verdacht, daß sie Alzheimer haben könnte. Deshalb bat ich den Stationsarzt eine entsprechende Diagnostik durchführen zu lassen. Nachdem nun ein Neurologe eine Demenz festgestellt hatte, leierte die Sozialarbeiterin vom Krankenhaussozialdienst eine Betreuung an.

Aus den Unterlagen des Amtsgerichts geht hervor, daß meine Mutter zu einer Ärztin gesagt haben soll, daß ich die Betreuung nicht übernehmen würde. Gefragt worden bin ich dazu nicht. Das Gericht ist nämlich verpflichtet, erst einmal Familienmitglieder zu fragen und für die Betreuung heranzuziehen bevor Berufsbetreuer bestellt werden.

Meine Mutter wurde dann in eine Gerontopsychiatrie verlegt. Dort erfuhr ich vom Stationsarzt, daß eine Berufsbetreuerin bestellt sei, weil ich ja die Betreuung nicht machen wolle. Daraufhin wandte ich mich an das Amtsgericht und teilte mit, daß ich die Betreuung übernehmen würde.

Die Berufsbetreuerin war von 6. Mai bis 17. Mai im Amt. Am 18. Mai ist meine Bestallungsurkunde (so heißt das wirklich!) und ihre Entlassungsurkunde aus dem Betreuungsverhältnis ausgestellt worden.

Am 17. Mai, also dem letzten Tag ihrer Betreuungstätigkeit, schickte sie mir ein kurzes Schreiben, in dem unter anderem stand:

„Wie Ihnen schon Frau J. vom Sozialdienst des Krankenhauses mitgeteilt hat, bin ich als gesetzliche Betreuerin für Ihre Mutter bestellt worden. Heute habe ich Ihre Mutter im Krankenhaus besucht und persönlich kennengelernt.“ Dann bittet sie um einen Rückruf um wichtige Dinge zu klären, der sich dann aber erübrigt, da ich die Betreuung übernehme.

Ende Juni schickt sie mir eine Rechnung, die über den Tisch des Rechtspflegers ging und später durch einen richterlichen Beschluß rechtsgültig wurde. Sie berechnet einen Zeitaufwand von 7,45 Stunden zu je 31 € also 230,95 Euronen.

Nur: Was will sie 7,45 Stunden gemacht haben? Es gab keine Akten, Gutachten oder andere schriftlichen Unterlagen zu wälzen. Sie hat meine Mutter, die zu dieser Zeit kaum ansprechbar war, weil sie mit Psychopharmaka vollgepumpt war, besucht, hat mit einem Arzt gesprochen und vielleicht mit der Sozialarbeiterin. Ihren Weg rechnet sie mit 48 Kilometern ab. Ich kenne die Strecke. Mit dem Auto braucht man einfach höchstens 20 Minuten. (Ich habe das gerade mit dem Michelin-Routenplaner gecheckt: Der gibt 16 km und 19 Minuten an) Da sie außerdem 11 Einheiten Telefongebühren abrechnet, kann man daraus auch die Zeit rekonstruieren, die sie mit Telefonaten zugebracht hat.

Im Beschluß steht: „Der Nachfolger im Amt der Betreuerin wurde zum Vergütungsantrag gehört“. Interessant! Nur: Mit mir hat niemand gesprochen.

Angehörige und andere ehrenamtliche Betreuer von Betreuungsvereinen bekommen übrigens pauschal im Jahr als Aufwandsentschädigung für die Betreuungstägitkeit 323,00 € und die müssen jedes Jahr extra beantragt werden.

Kohle machen als Berufsbetreuer - Teil 1
13.11.06 17:12


Sammelrezension

Ludovika hat im Gästebuch auf eine Sammelrezension, die gestern in der Welt erschien ist, hingewiesen.

Von beiden Büchern habe ich schon an anderer Stelle Positives gelesen:

Michael Jürgs: Alzheimer. Spurensuche im Niemandsland. C. Bertelsmann, München., 12 Euro.

Klara Obermüller (Hg.): Es schneit in meinem Kopf. Erzählungen über Alzheimer und Demenz. Nagel & Kimche, Zürich., 17,90 Euro.

Allerdings finde ich es immer wieder an meinem Erleben vorbei, wenn Autoren wie eben auch Jürgs von "der Auslöschung des Individuums" sprechen. Ich finde es eine Verengung, wenn man diese Krankheit nur unter dem Aspekt der Defizite sehen kann.

In Mamas Gruppe fehlen derzeit ein Bewohner und eine Bewohnerin, weil sie im Krankenhaus liegen müssen. Ich nehme ganz stark wahr, wie sie die Atmosphäre in der Gruppe prägen. Sie redet den lieben langen Tag. Es ist jetzt recht still geworden. Er ist von einer charmanten Freundlichkeit. Sie fehlen mir beide, obwohl ich sie gerade mal drei Wochen kenne.

Ich denke, es ist an uns, die Brücken zu den Erkrankten zu finden. Und da gibt es viele Möglichkeiten. Ich habe ja schon von einer Frau geschrieben, die ihren Mann als Hülle empfand und durch seine Gestaltungen in der Kunsttherapie wieder den Mann entdecken konnte, den sie von früher kannte. Mehr dazu hier
12.11.06 18:02


Berufsbetreuer aus ärztlicher Sicht

8. November 2006

Medbrain kommentiert desöfteren meine Blogeinträge. Im Krankenhaus werden immer wieder demente Patienten eingeliefert, deren Betreuer sich mehr oder weniger - oft eher weniger - kümmern:

am Samstag sind während meines Dienstes zwei alte, demente Pat. verstorben, die von Berufsbe-treuern "betreut" wurden - beide hatte ich schon zuvor einmal aufgenommen, von keiner hatte ich den Betreuer je gesehen o. gesprochen (und da es nicht um einverständnisspflichtige Dinge gegangen war auch nicht anrufen muessen).

Die Schwestern haben am Sonntag morgen im Heim und bei den Betreuern angerufen und Bescheid gesagt, dass der jeweilige Schuetzling gestorben ist. Der eine hat nur "Ja, is recht" geantwortet und nicht mal nachgefragt, Nr.2 schien es auch nicht großartig zu
interessieren. Die Heime übrigens auch nicht.

Das ist schon eine Schande.
8.11.06 19:30


Meine ganz großen Lieblinge

5. November 2006

Als ich gestern in Mamas Zimmer komme, sehe ich auf ihrer Kommode drei Fotos stehen, die erst vor kurzem aufgenommen worden sein können.

Auf zwei Fotos sitzt Mama in ihrem Rollstuhl und hat ein Kaninchen auf dem Schoß. Auf dem dritten Foto ist sie am Zaun eines Geheges mit vier Ziegen. Eine Ziege steht mit ihren Vorderbeinen auf der zweiten Latte des Zaunes und schaut sich ganz interessiert Mama an.

Nachdem wir uns begrüßt haben, hole ich die Fotos und frage:
"Du warst auf einem Ausflug dabei im Streichelzoo?" Mama nickt. Die Fotos helfen ihr bei der Erinnerung. Die Ziegen scheinen es ihr besonders angetan zu haben. Sie deutet auf das Foto mit den Ziegen und sagt: "Das sind meine ganz großen Lieblinge: eins, zwei, drei, vier".

Später sehe ich auf dem schwarzen Brett, wo man sich über geplante Aktivitäten informieren kann, einen Hinweis: Ein weiteres Hundeteam wird Bewohner besuchen. Diese neuen beiden Hunde sind speziell für bettlägrige demente Patienten ausgebildet.


Mehr über
tiergestützte Therapie in der Altenhilfe

Artikel in der Ärztezeitung über einen Tierbesuchsdienst bei Demenzkranken in Heidelberg: Tiere öffnen Welten
5.11.06 18:57


Listen

4. November 2006

Mama war schon immer ein Listen-Freak: Einkaufslisten, to-do-Listen und was es sonst noch so gibt - nicht erst seit ihrer Krankheit.

Heute hatte sie eine Liste, was sie mitgebracht haben möchte:

- einen linierten Schreibblock groß oder klein
- 1 Paket Briefumschläge klein
- Briefmarken ca 20 - 30 Stück
- meine Schreibmaschine
- 2 Farbbänder dazu passend

- 1 Mantel / Jacke schwarz
- 1 Mantel beige Stoff

Die elektrische Schreibmaschine wurde bei der Wohnungsauflösung entsorgt. Einen kurzen Moment hatte ich sogar überlegt sie zu behalten, aber damals war es nicht vorstellbar, daß Mama wieder so präsent und wach sein würde.

Abgesehen davon, daß ihre Arthrose es gar nicht zulassen würde, zu schreiben, aber mit der Schreibmaschine sind Erinnerungen und Emotionen verbunden.

Nun werde ich ihr wenn sie von der Schreibmaschine spricht erzählen, daß die bei der Generalüberholung ist, daß es dafür keine Ersatzteile gibt, weil man heute auf dem Computer schreibt.
4.11.06 18:17


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