Alzheimer - und dann?

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Zahnarzttermin

25. Oktober 2006

Nie hätte ich gedacht, daß ich froh sein würde über eine Zahnärztin, die klein und zierlich ist.

Gestern war Mamas erster Zahn-arzttermin, da sie eine neue Unterkieferprothese braucht nach-dem die alte im vorherigen Heim abhanden gekommen war. Als ich ins Heim kam, war sie schon vom Krankentransport abgeholt worden. Da die Zahnarztpraxis nur einige Minuten vom Heim entfernt ist, schaffte ich es noch vor Beginn der Untersuchung da zu sein.

Mama saß schon im Zahnarztstuhl und wartete ganz ruhig auf die Dinge, die da kommen würden.

Die Zahnärztin kam rein, begrüßte sie und stellte sich vor und fragte:


Wie kommt es denn, daß sie unten keine Zähne mehr haben?

Da ist ein Zahnarzt gekommen und hat mich angeschrien: "Mund auf". So schnell habe ich gar nicht geschaut wie meine Zähne raus waren. Und seitdem habe ich unten keine mehr.

Das ist ja ganz schlimm, was Ihnen da passiert ist. Hat er Ihnen sonst noch weh getan oder was Böses getan?

Nein

Sowas machen wir hier nicht. Das verspreche ich Ihnen. Jetzt müßte ich Ihnen aber in den Mund schauen, damit wir neue Zähne für Sie machen können. Würden Sie bitte den Mund aufmachen und die Zahnprothese oben rausnehmen?

Mama, die immer viel Zuspruch braucht, bis sie die Prothese herausnimmt - wenn sie überhaupt dazu zu bewegen ist - hatte das Teil in Nullkommanix heraus-genommen und den Mund sperrangelweit offen.

Als die Untersucheung beendet war, wollte sie gleich wissen, wann das neue Gebiß fertig ist.


Ich sehe, daß Sie Ende November Geburtstag haben. Dann schauen wir, daß es bis dahin fertig ist.

Mama war dann noch ganz angetan von dem jungen Krankentrans-portfahrer, der sie aus dem Zahnarztstuhl hob und in den Transportstuhl setzte.

Anschließend gingen wir ins Kaffeestübchen. Das ist ein Raum im Heim, der als Cafe im Stil der 50iger Jahre eingerichtet ist, zwei Mal die Woche nachmittags geöff-net ist und von Ehrenamtlichen von außerhalb organisiert wird.


zum Weiterlesen:
-Wie die Zahnprothese verschwand ...
-die geraubte Zahnprothese oder wie Mama den Verlust ihrer Zahnprothese verarbeitet hat
25.10.06 01:57


Künstlerisches Arbeiten von Menschen mit Demenz

23. Oktober 2006

Ganz bewußt sprechen die Mitarbeiter von Mamas Heim nicht von „Kunsttherapie“, obwohl es auch einen speziellen Raum für künstlerisches Arbeiten gibt und Mitarbeiter, die eine Ausbildung als Kunsttherapeuten haben. Einige Bewohner haben auch die Möglichkeit bei einem Künstler im offenen Atelier zu arbeiten ohne Festlegung von Zeiten, Material oder Technik – ganz nach ihrem persönlichen Rhythmus.

Beim Symposium zeigte ein Mitarbeiter aus diesem Bereich Bilder wie sie auch in der Ausstellung, die letzten Freitag im Heim eröffnet wurde, zu sehen sind. Er hatte auch drei Bilder von sehr berühmten Künstlern hineingeschmuggelt, und keiner hat es erkannt. Keiner von den Dementen, deren Werke ausgestellt sind, hat vor der Krankheit schon gemalt.

Ein Beispiel, von dem ein Therapeut erzählte, hat mich besonders berührt. Die Frau eines Bewohners war sehr verzweifelt, daß sie keinen Kontakt mehr zu ihrem Mann mehr fand. Sie erlebte ihn nur noch als Hülle. Sie weigerte sich auch, der Einladung des Therapeuten zu folgen sich anzusehen, was ihr Mann beim künstlerischen Gestalten macht. Sie wollte sich sein „Gekrakel“ nicht anschauen, weil sie dachte, er würde sich dadurch bloßstellen. Sie war dann doch einverstanden, daß seine Werke im Rahmen einer Gemeinschaftsausstellung gezeigt werden. Als gesetzliche Betreuerin mußte sie auch ihr Einverständnis geben.

Sie kam dann zur Vernissage der Ausstellung und erlebte ihren Mann als selbstverständlichen Teil der Vernissage und der Künstlergemeinschaft. Ihr Mann nahm sie an der Hand – wie er das auch früher oft getan hatte – und führte sie zu seinen Gestaltungen. Für sie war das eine sehr schöne und wichtige Erfahrung, die an Früheres anknüpfte.

Als einige Monate später ihr Mann starb, bat sie um seine Bilder, denn darin habe sie ihn wieder gefunden, wie sie ihn früher gekannt habe. Was kann man eigentlich Schöneres von Kunsttherapie sagen – abgesehen davon, dass künstlerisches Gestalten ein Wert an sich ist.
23.10.06 11:14


Ganz entspannt im Hier und Jetzt?

22. Oktober 2006

„Also – so schlimm ist Alzheimer glaube ich nicht“ meint ein Bekannter, der buddhistischen Ideen zugeneigt ist vor einiger Zeit. „Da lebt man total in der Gegenwart – so ganz entspannt im Hier und Jetzt. Und wenn andere sich darum kümmern, dass man alles hat: Essen, Unterkunft und so ...“.

„Ganz entspannt im Hier und Jetzt“ war ein Titel, der in den siebziger Jahren in den Bestellerlisten monatelang ganz oben stand. Ein Stern-Reporter hatte durch eine Reportage in Poona den Aschram von Baghwan kennengelernt, stieg aus seinem konsumorientierten Leben aus und erzählte später von seiner spirituellen Suche.

In Mamas Handtasche fand ich heute die beiden beschrifteten und frankierten Briefumschläge, die ich ihr auf ihre Bitte hin mitgebracht hatte. Sie wollte einem früheren Nachbarn und einem ehemaligen Chef mitteilen, wo sie jetzt wohnt. Deshalb hatte ich ihr noch Einlegeblätter mit ihrer neuen Anschrift ausgedruckt. Sie wollte noch einen kurzen Gruß dazuschreiben.

Auf den Umschlag an Herrn B. hat sie geschrieben: „!!! Das habe ich nicht geschrieben, aber es ist gut und ich hoffe, daß Herr B. antwortet“ und etwas weiter unten: „Der Ledersessel ist aus meiner Wohnung. Die Brille“. Auf dem Einlegeblatt mit ihrer neuen Anschrift kommentiert sie: „Das habe ich auch nicht geschrieben“ und etwas weiter unten: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten?“

Immer wieder neu die Dinge um einen einzuordnen und merken, daß man es doch nicht schafft. Nicht wissen, was man mit dem, was man vorfindet, anfangen soll. Ganz entspannt im Hier und Jetzt?
22.10.06 13:08


Alltagsnormalitaet fuer Menschen mit Demenz

21. Oktober 2006

Mamas neues Heim feiert seinen fuenften Geburtstag. Deshalb gab es heute ein Symposium zur Alltagsnormalitaet fuer Menschen mit Demenz.

Es gab mehrere Kurzreferate von Mitarbeiterinnen im Pflegedienst yu den Themen

1. Zugangsweg Musik
2. Zugangsweg Tiere
3. Zugangsweg Alltagsrituale

Ich fand es sehr beeindruckend, wie die Mitarbeiterinnen anschaulich ihre Arbeit in diesen Bereichen darstellten. Musik findet eben nicht nur beim Singkreis einmal woechentlich statt, sondern im Gruppenalltag.
Ebenso ist es mit den Tieren.

Gefreut hat mich auch, dass etwa 140 Menschen gekommen waren um sich zu informieren. Gestern ist auch eine Ausstellung mit Arbeiten von Bewohnern eroeffnet worden. Darueber werde ich noch berichten.
21.10.06 18:49


Im Blick oder nicht im Blick

19. Oktober 2006

Als ich gestern im alten Heim noch einige Sachen von Mama geholt habe, sagte mir die Leiterin der Wohngruppe, dss noch Inkontinenzmaterial von Mama da sei. Vier Pakete unterschiedlicher Größe standen in einer Kammer. Aufeinandergestapelt etwas mehr als 1,60 m.

Als ich Mama abholte, hatten wir bereits zwei Pakete mitgenommen, die auf ihrem Schrank standen. Niemand sagte etwas von weiteren vier Paketen.

Dabei wäre es so einfach gewesen dem Wagen, der Mamas Möbel einen Tag früher abgeholt hat, diese Pakete mitzugeben. Platz genug wäre gewesen.

Ohne eigenes Auto ist es ein ziemlicher Aufwand, die Kisten vom alten ins neue Heim zu bringen. Es ist einfach die Frage, ob man was im Blick hat oder nicht, und das war immer wieder ein schwieriger Punkt im alten Heim.
19.10.06 17:40


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