Alzheimer - und dann?

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Bonusheft

18. Oktober 2006

Nächste Woche hat Mama einen Zahnarzttermin wegen einer neuen Zahnprothese für den Unterkiefer, weil die alte im August nachts abhanden gekommen ist. Als mich eine Mitarbeiterin des Heims über die Terminvereinbarung informiert, fragt sie mich, ob Mama ein Bonusheft hätte. Ich weiß nichts davon.

Ein Bonusheft soll ja dokumentieren, ob jemand regelmäßig zum Zahnarzt geht. Danach richtet sich dann der Anteil der Zuzahlung von der Krankenkasse. Mama hat seit Jahrzehnten eine Zahnprothese im Ober- und Unterkiefer, und für die Pflege einer Zahnprothese braucht man Kuki keinen Zahnarzt. Was sollte der tun, solange alles in Ordnung ist und paßt? Nach meiner privaten Logik braucht man in einem solchen Fall keine zahnärztliche Behandlung und folglich auch keine Dokumentation darüber. Weiß jemand von den Mitlesenden Genaueres?


zum Weiterlesen:
-Wie die Zahnprothese verschwand ...
-die geraubte Zahnprothese oder wie Mama den Verlust ihrer Zahnprothese verarbeitet hat
18.10.06 11:40


Weisst Du wieviel Sternlein stehen ...

17. Oktober 2006

Mama war von dem kleinen Kirchlein, an dem wir neulich auf einem Spaziergang vorbeigekommen sind, ganz begeistert. Sie wollte es unbedingt von innen sehen. Hier sind die meisten Kirchen aber nur während des Gottesdienstes zugänglich.

Einmal im Monat gibt es dort ein spezielles Angebot für Alzheimer-Kranke. Ich schlug ihr vor, das als Anlaß zu nehmen um die Kirche von innen zu sehen. Heute vormittag bin ich nun hingefahren um sie zu begleiten.

Wegen des feuchten Wetters hatte Mama ziemliche Schmerzen in den Knochen. Wir wollten es trotzdem versuchen. Etwa vierzig Personen hatten sich in der Kirche versammelt: Ein heller, lichter Raum. Vor dem Altar standen zwei Körbe mit Äpfeln.

Es war ein sehr eindrücklicher Gottesdienst - auf die Bedürfnisse von Demenzkranken abgestellt: Viele bekannte Lieder. Für diejenigen, die nicht mehr lesen konnten, sprach der Pfarrer jeweils eine Strophe vor und dann wurde gesungen.

Jeder bekam einen Apfel und dann wurde über Ernte-Erfahrungen gesprochen. Der Pfarrer nahm alle Beiträge auf und bezog sie ein. Gelegentlich hörte man einen Apfel auf den Boden fallen und rollen oder das Geräusch, wie jemand in einen Apfel biß.

Dann wurde die bekannte Geschichte vom Johannisbrotbaum, der ja in unseren Breiten nicht vorkommt, erzählt - nur daß der Johannisbrotbaum zu einem Apfelbaum wurde.

Als dann "Weißt Du wieviel Sternlein stehen" gesungen wurde, mußte ich sehr schlucken, denn dieses Lied hat meine Mutter gelegentlich gesungen, wenn sie mich abends ins Bett brachte. Allerdings kannte ich bis heute nur die erste Strophe.

Weißt du, wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt? Weißt du, wieviel Wolken gehen weithin über alle Welt? Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet an der ganzen großen Zahl, an der ganzen großen Zahl.

Weißt du, wieviel Mücklein spielen in der heißen Sonnenglut, wieviel Fischlein auch sich kühlen in der hellen Wasserflut? Gott der Herr rief sie mit Namen, dass sie all ins Leben kamen, dass sie nun so fröhlich sind, dass sie nun so fröhlich sind.

Weißt du, wieviel Kinder frühe, stehn aus ihren Bettlein auf, dass sie ohne Sorg und Mühe fröhlich sind im Tageslauf? Gott im Himmel hat an allen seine Lust, sein Wohlgefallen, kennt auch dich und hat dich lieb, kennt auch dich und hat dich lieb.
17.10.06 18:52


Auf der Insel

15. Oktober 2006

„Wo kommt Ihr denn her? – Woher wisst Ihr denn, dass ich hier bin? Und wie seid Ihr denn reingekommen?“ will Mama von Günter und mir wissen.

Sie denkt, daß sie „auf der Insel“ ist, in England, wo sie vor fast sechzig Jahren als au-pair-Mädchen war. Sie hält mich für ihre Schwester und Günter für ihren Schwager. Ich sage zu ihr: „Ich bin doch Deine Tochter“.

Manchmal legt sich bei ihr dann ein Schalter um und sie ist in der Gegenwart. Aber heute meint sie: „Woher soll ich denn eine so große Tochter haben“. Na ja, Du bist fast achtzig – antworte ich.

„Also spinnen ist schon ganz schön, aber so wie Du spinnst. Ich und fast achtzig“. Wie alt bist Du denn – will ich wissen. „So zwischen dreißig und vierzig. Mit Deiner Wahrnehmung stimmt irgendwas nicht“ läßt sie mich wissen.

Ich stelle mich auf ihre Welt ein. Sie ist beruhigt als ich ihr sage, daß Günter und ich in der Nähe wohnen (stimmt ja auch, wenn auch nicht in England), daß wir sie regelmässig besuchen und daß sie in einem Haus für ältere Menschen „auf der Insel“ ist, was ja kein Problem ist, weil es in England viele deutsch sprachige Menschen gibt. Deshalb gibt es hier auch Mitarbeiterinnen, mit denen sie deutsch oder englisch sprechen kann.


siehe auch Wackelkontakt
15.10.06 18:08


Care-Paket vom Holzmichel

14. Oktober 2006

Care-Pakete gab es in meiner Kindheit schon nicht mehr, aber die Erinnerung daran war noch sehr lebendig. Es wurde oft und viel davon erzählt, was zeigt, welch große emotionale Bedeutung diese Pakete von Unbekannten hatten.

Vor einiger Zeit hat sich meine Mutter bayerische Spielkarten gewünscht. Damit hat sie früher gerne eine Art Patience gespielt. Als ich vor etwas mehr als einem Jahr in der Situation war, ihre Wohnung aufzulösen, landeten die Karten im Abfall, denn zu dieser Zeit ging es ihr sehr schlecht. Es war damals schier nicht vorstellbar, daß sie jemals wieder etwas mit Karten anfangen können würde. Meine Suche quer durch hiesige Spielwarengeschäfte und Kaufhäuser verlief – wie soll ich es anders sagen – ergebnislos und ich war ratlos.

Diejenigen meiner Freunde und Bekannten, die noch im Verbreitungsbereich bayerischer Spielkarten leben, sind gerade nicht erreichbar oder würden gar nicht wissen, was „bayerische Spielkarten“ wie man sie zum Schafkopfen oder Watten verwendet, sind.

Da fiel mir der Holzmichel ein – ein Münchner Urgestein - dessen Blog schon seit längerem einen festen Platz in meiner Blogrunde hat: Nachdenkliches, Alltägliches, Amüsantes, Rätselhaftes, viele schöne Fotos aus Bayern und sogar ein Sprachkurs für „Zuagroaste und vieles mehr. Ein ganz Unbekannter ist er für mich eh nicht mehr. Gelegentlich mailen wir, und zwar seit einer seiner ehemaligen Arbeitskollegen Alzheimer hat und ich ihm aus eigener Erfahrung Hinweise geben konnte, an welche Stellen man sich zwecks kompetenter Hilfe und Beratung wenden kann.

Trau ich mich oder trau ich mich nicht? Mehr als nein sagen kann er nicht. Langer Rede kurzer Sinn: Nachdem das Packerl einige Tage bei der Post verschollen war, ist es wieder aufgetaucht. Die Karten schauen genauso aus wie das alte Kartenspiel meiner Mutter. Auf diesem Weg: Tausend Dank an den Holzmichel!


Weblog vom Holzmichel
14.10.06 23:44


Ärzte-Pfusch

11. Oktober 2006

Letzte Nacht ist Mama gestürzt – vermutlich als sie auf die Toilette wollte. Sie kann selber nichts dazu sagen. Sie wurde ins nächst-gelegene Krankenhaus gebracht um abzuklären, ob etwas gebrochen ist.

Kurz nach Beginn des Frühdienstes um 6.45 h wurde ich von der Leiterin der Wohngruppe informiert und gebeten, mich beim Krankenhaus zu melden, denn die hätten noch eine Rückfrage an mich.

Die behandelnde Ärztin fragte mich, ob mir etwas über eine Luxation (Verrenkung) im linken Schultergelenk bekannt sei. Meine Mutter scheine sich vor längerer Zeit eine Verrenkung zugezogen zu haben, die nicht behandelt worden sei.

Ja, Mama ist vor etwa vier Jahren beim Auswechseln einer Glühbirne von der Leiter gestürzt. Sie ist damals geröntgt worden und hat als Untersuchungsergebnis mit-geteilt bekommen, daß kein Befund vorliegt. Immer wieder hat sie über Schmerzen in der linken Schulter geklagt und wurde als Simulantin oder überempfindlich abgetan. Auch im letzten Jahr wurde sie nochmals nach einem Sturz geröntgt – auch wieder in der Schulter. Wieder ohne Befund.

Und nun diagnostiziert eine Ärztin in einem Provinzkrankenhaus in der brandenburgischen Pampa, daß da sehr wohl was war, sowohl auf dem Röntgenbild als auch durch Tasten erkennbar, wie sie mir sagte. Damals hätte man was machen können, aber jetzt wäre das kontraproduktiv.

Im Entlassungsbericht steht natürlich nichts über die Luxation. Na ja: „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“. Ein Trost: Dieses Krankenhaus, in das Mutti immer kommen wird wenn nötig, scheint eine gute Qualität zu haben.
11.10.06 20:29


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