Alzheimer - und dann?

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obszön?

30. August 2006

Dieses Feedback wurde heute in meinem Gästebuch hinterlassen:

Ich finde es reichlich irritierend wie du hier die Krankheit deiner Mutter quasi ausschlachtest. Sie kann sich dagegen nicht mehr wehren und deshalb finde ich deinen Blog eigentlich obszön.

Wikipedia meint dazu:

Als obszön gilt, was geeignet ist, bei anderen Menschen Ekel zu erregen, die Scham oder ein anderes elementares Gefühl zu verletzen. Wer nur das eigene Empfinden ausdrücken will, der könnte dafür mit den Vokabeln widerlich oder widerwärtig auskommen. Wer statt dessen das Fremdwort obszön verwendet, zeigt damit, dass er sich auf eine verbindliche Werteordnung berufen will (Mitbedeutung: Verstoß gegen eine allgemein anerkannte Verhaltensregel).

Ganz überwiegend handelt es sich darum, ob körperliche Erscheinungen wahrnehmbar werden dürfen, meist solche, über welche der Mensch nicht frei oder nicht ganz frei entscheiden kann: Räkeln, Gähnen, Niesen, Ausscheidungen jeder Richtung und jeder Form, sexuelle Merkmale, sexuelle Verhaltensweisen, Wunden, Krankheiten, besondere Körperformen (angeboren oder erworben). Sowohl Anziehendes als auch Abstoßendes konnte und kann als obszön gelten. In Japan z.B. verursacht die derart motivierte Manie, Toilettengeräusche nur ja zu überdecken, hohen zusätzlichen Verbrauch an durchs Wasserklosett durchrauschende Wasserspülung.

Welche Gefühle einbezogen sind und wo die Verletzung beginnt, hängt vom Empfinden und den Gewohnheiten der Beteiligten ab. Diese Bedingungen wiederum richten sich nach Bildung, Kultur, Religion, Moral und ähnlichen Werten, die entsprechend ethnischer oder gesellschaftlicher Zugehörigkeit, sogar individuell verschieden sein können. Auch historisch kann die selbe Erscheinung in der einen Epoche abgelehnt, in der anderen hingenommen oder sogar als Mode gepflegt worden sein. Martin Luthers bekanntes Wort über das Rülpsen, das den damaligen Zeitgenossen als sicheres und erwünschtes Signal des Wohlbehagens und Gutgeschmeckthabens galt (so wie heute noch in chinesischer Traditionslinie auf dem Lande) und eingefordert wurde, spricht davon...
weiter hier
30.8.06 13:16


Demenz als Herausforderung in der Heimküche

28. August 2006

Unter dem Motto "Herausforderung Demenz - Interventions-möglichkeiten der Heimküche" zeigt die Vierte Deutsche Heimkochtagung vom 18. bis 19. Oktober 2006 in Hamburg konkrete Möglichkeiten auf, wie Ernährung und Essen zu mehr Genuss und Lebensqualität bei hochbetagten und schwerkranken Menschen führen können. Moderiert vom bewährten Experten Markus Biedermann stehen Beiträge über die Esstrends der Zukunft, Biographiearbeit, Risikomanagement und Fachtechnik auf dem Programm... weiter
28.8.06 22:33


Türkische Klänge im Altenheim

22. August 2006

Immer mehr Migranten verbringen ihren Lebensarbeit in Deutschland. Aufgrund ihrer harten Arbeitsbedingungen sind sie oft früher und in größerem Ausmass pflegebedürftig als gleichartige deutsche Senioren.

In Berlin sind die Türken die zahlenstärkste Migrantengruppe, dann kommen die Polen.

Im Tagesspiegel steht ein Artikel, wie eine kultursensible Altenpflege, die auf die Bedürfnisse der Mirgranten eingeht, aussehen könnte: Türkische Klänge im Altenheim
22.8.06 17:00


Ich mag Gesichtsstacheln

21. August 2006

Vor drei Tagen war es soweit. Der Sozialarbeiter des neuen Heimes, Her Bertram, kam mit zu meiner Mutter zum Kennen lernen und um mehr über sie und ihre Wünsche zu erfahren. Auf diese Art kann er besser einschätzen, in welche Gruppe meine Mutter passen würde.

Ich war schon sehr gespannt, wie Mama auf ihn reagieren würde. Gegenüber neuen Menschen ist sie eher still und zurückhaltend. Ich bat Herrn Bertram schon mal in ihrem Zimmer Platz zu nehmen und holte sie aus dem Gruppenwohnzimmer. Er hatte ihr ein paar Blümchen mitgebracht. Ich stellte ihn ihr vor und sagte: „Mama, das ist Herr Bertram. Er ist aus dem Haus, wo Du ein Einzelzimmer mit einem eigenen Bad haben könntest. Er möchte Dich gern kennen lernen. Ich hole dann mal eine Vase für die Blümchen, die Dir Herr Bertram mitgebracht hat“. Ich hörte noch, wie er fragte: „Mögen Sie Blumen?“ Als ich nach einigen Minuten wieder kam waren die beiden angeregt ins Gespräch vertieft. Mama hatte kein einziges Mal nach mir gefragt.

Mama konnte sehr genau ihre Vorstellungen vom Heim und vom Leben benennen: „Ich möchte ein Zimmer für mich allein und auch ein Bad, das nur ich benutze. Ich möchte für mich Fernsehen können. Und es muss geregelt sein, dass die Fernsehgebühren bezahlt werden. Ich habe immer meine Gebühren bezahlt. Ein Balkon würde mir gefallen, weil ich Blumen gerne mag. Und ich mag mit Leuten reden können.“ Auf die Frage, was sie interessiert, meinte sie: „Na ja, das Alltägliche so. Außerdem habe ich gerne Krimis gelesen und geschaut. Und im internationalen Pudelclub waren wir Mitglied. Ich mag Tiere“. Da hat es ihr natürlich sehr gefallen, dass sich drei Katzen frei im Haus bewegen, dass einmal in der Woche ein Hundebesuchsdienst angeboten wird und wer möchte ebenfalls einmal in der Woche mit dem hauseigenen Kleinbus in den Nachbarort zum Streichelzoo fahren kann.

Nach etwa einer Stunde verabschiedete sich Herr Bertram. Er gab ihr die Hand und ging auf Augenhöhe herunter. So schnell konnte er gar nicht schauen, wie Mama ihm einen Schmatz auf die Wange verpasst hat und dann gleich noch einen. Sie kommentierte das strahlend mit: „Ich mag Männer mit Gesichtsstacheln“, womit Bartstoppeln gemeint sind.
21.8.06 16:42


die geraubte Zahnprothese

17. August 2006

“Stell Dir vor” – erzählt Mama – „stell Dir vor, mir sind meine Zähne geraubt worden. Am helllichten Tag. Man möchte es nicht für möglich halten.“ Sie ist fassungslos. Wie ist das denn passiert, frage ich nach.

„Da war einer da – wohl ein Zahnarzt. Und der stellt sich vor mir auf und befiehlt mir: Mund auf! Ich wusste gar nicht, was der wollte. Ich hab den Mund aufgemacht, und der hat mir die Zähne rausgebrochen um sie für jemand anders zu verwenden. Anscheinend sind Zähne jetzt so teuer in Deutschland, dass sie sie mir wegnehmen müssen für jemand anders. Und ich war so hilflos. Ich konnte überhaupt nichts tun. Ich konnte mich nicht wehren. Und stell Dir vor, es hat nicht einmal geblutet. Es gab keine Wunde. Heute kann man das so machen, dass es nicht einmal blutet.“

Etwas später macht sie eine Bemerkung über Lieblingspfleger Fritz: „Der Fritz, der kann auch ganz schön gemein sein. Der war auch dabei – bei der Sache mit den Zähnen“. Und er hat Dich nicht beschützt, war mein spontaner Gedanke, den ich aber dann doch nicht ausspreche.

Sie hatte ihm ja die Zahnprothese vor dem Schlafengehen gegeben. Von daher ist es natürlich nicht ganz falsch, dass er etwas damit zu tun hatte.

Jetzt verstehe ich auch eine Notiz, die sie sich vor einigen Tagen in ihrem Block gemacht hatte. Da stand: „Fritz = Pfleger? Fritz = Arzt?“

Als ich am Abend mit Günter darüber spreche, erinnert er mich: Neulich hat sie doch gesagt, als sie sich über das Heim beklagte: „Das ist ja hier wie im KZ. Da kann ich ja wieder ins KZ zurückgehen.“ Das mit den Zähnen passt doch genau in diese Linie, meint er.

Ich kenne sie nicht anders als mit Zahnprothesen. Schon als ich ein kleines Kind war, da war sie Anfang dreißig und hatte Zahnprothesen. Als ich sie danach fragte, meinte sie, manche Leute haben halt schlechte Zähne und dann haben sie früh dritte Zähne wie ich. Als Kind leuchtete mir das ein, denn mir war ja nicht klar, wie früh sie dritte Zähne hatte. Und später habe ich nicht weitergefragt.
17.8.06 00:09


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