Alzheimer - und dann?

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Ignoranz

27. Juni 2006

Über die Google News Alerts kommen jeden Tag unterschiedliche Meldungen und Artikel zum Thema Alzheimer / Demenz. Bei den meisten Artikeln wird über eine neue Methode spekuliert, die zur Vorbeugung beitragen soll (Mittelmeerdiät, irgendein an Mäusen getestetes Medikament etc.) oder es wird über öffentliche Vorträge für Angehörige berichtet, wo irgendein Fachmann referiert, was er für hilfreich befindet. Das sind so 90 % der Artikel.

Von einem Provinzblättchen kam ein Bericht herein, dass so ein vortragender Doktor meinte, Demenz sei „eigentlich eine angenehme Krankheit“, denn die Betroffenen wüssten nicht mehr, was mit ihnen los sei. Solche Leute auf die Öffentlichkeit loszulassen, finde ich bodenlos. Und dafür hat eine Provinzblatt auch noch Platz um das unkommentiert zu berichten.

Unabhängig davon, dass wir gar nicht wissen, was in den Betroffenen vorgeht, wenn sie für uns scheinbar nur noch wenig oder gar nicht erreichbar sind, dauert es doch einige Zeit, bis dieses Stadium erreicht ist. Und mir kann niemand erzählen, dass das Anfangsstadium von Alzheimer nicht mit vielen Verunsicherungen und Ängsten verbunden ist. Angst ist eines der dominierenden Themen, über die meine Mutter spricht. Und sie gehört zu den wenigen, denen relativ lange das Sprachvermögen erhalten bleibt.

Und für uns Angehörige ist Demenz alles andere als „eine angenehme Krankheit“. Solchen Ignoranten sollte man die Zulassung als Arzt aberkennen. So jemand gehört nicht auf die Öffentlichkeit losgelassen. Wer eine so hochgradige Verweigerungshaltung hat, sich anzunähern und teilweise – mehr geht sowieso nicht – einzufühlen, hat in Berufen, die mit Menschen zu tun haben, nichts zu suchen.
27.6.06 02:17


Verschwunden, verbrüht, verstorben ...

18. Juni 2006

… so titelt der Spiegel einen Artikel, in dem Ereignisse aus der letzten Woche berichtet werden:

Die skandalösen Nachrichten aus den Kliniken der Hauptstadt häufen sich: Erst steckte ein Patient drei Tage im Aufzug fest, dann starb ein anderer wohl nach einem zu heißen Bad. Nun wurde im Heizungsraum einer Klinik die Leiche eines Patienten gefunden. Die Berliner Medizin wird zum Kriminalfall…“ weiter hier

Der alte Herr, der 80 Stunden in einem Aufzug saß, war früher selber Aufzugmonteur. Er habe den Notrufknopf gedrückt, ließ er wissen. Nur ein paar Kekse und anscheinend eine sehr gute Konstitution hatte er. Der, der in einem Pflegeheim bei einem Bad verbrüht wurde, hatte einen Schlaganfall gehabt und konnte sich verbal nicht mehr äußern. Und der, der tot im Heizungsraum einer anderen Klinik nach sieben Tagen gefunden wurde, hatte Alzheimer. Auf Demenzkranke, obwohl ihre Zahl ständig steigend ist, sind normale Krankenhäuser nicht eingestellt. Der massive Abbau der Pflegekräfte führt im Gegenteil dazu, dass es für die Mitarbeiterinnen im Pflegedienst immer schwieriger wird die normalen Abläufe zu gewährleisten.

Als meine Mutter im März eine Woche wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus war, habe ich bereits unter den Überschriften „indirekte Aggressionen “ und „Entlassungsturbulenzen “ zwei Erfahrungen aus dem Krankenhausalltag beschrieben. Die habe ich nun aus aktuellem Anlass mit einem Begleittext versehen und an die Leitung sowie an das Qualitätsmanagement des Krankenhauses geschickt.
18.6.06 09:13


Die Welt zusammenfügen

13. Juni 2006

“Was tun alle diese Leute hier in meiner Wohnung” kommentiert Mama ihre Mitbewohner. Sie kann nicht einordnen, dass sie in einem Heim ist und mehrere Leute sich im gemeinsamen Wohnzimmer befinden. „Wer sind diese Leute? Warum sind die da? Was haben sie hier zu suchen? Wann gehen die wieder? Hast Du die eingeladen? Der da in dem Gehstuhl, der soll gehen. Den mag ich gar nicht…“

Was ich ihr dazu sage, versteht sie für den Moment und ist dann schnell vergessen. Sie hat jahrelang für sich gelebt mit wenig Kontakt. Jetzt lebt sie in einer Gruppe, die sie sich nicht ausgesucht hat,
13.6.06 08:42


emotionales Gedächtnis

12. Juni 2006

Gesprächsfragmente vom gestrigen Besuch:

Vor einigen Tagen war ich beim Friseur. Meine Haare sind jetzt wesentlich kürzer. Während meines Besuches stellt Mama fest: „Deine Haare sind kürzer als beim letzten Mal.“ Ich bin erstaunt, dass sie das merkt, denn in ihrem Langzeitgedächtnis, das ja im Gegensatz zum Kurzzeitgedächtnis funktioniert, müsste doch eher meine jetzige Haarlänge gespeichert sein. So lange Haare wie in den letzten Wochen hatte ich vorher nie in meinem Leben.

„Hast Du eigentlich einen ständigen Begleiter?“ fragt sie mich. Ja, den Günter. Der kommt ja manchmal mit zu Dir zu Besuch. „Ja, den Günter mag ich gern“. Warum magst Du denn den Günter so gern? „Weil er so ist, wie er ist“. Günter kennt sie erst seit sie in Berlin ist und verbindet etwas mit ihm. Von ihm lässt sie sich sehr kritische Worte sagen. Sie ist jetzt ein Jahr im Heim. Wo die Toilette ist, weiß sie immer noch nicht.

Pfleger Fritz macht eine Bemerkung zu einer Kollegin, dass noch „Sauerkohl im Kühlschrank“ ist. Ich weiß nicht, was „Sauerkohl“ ist und frage Mama: „Weißt Du, was Sauerkohl ist. Ich kenn` das nicht“. Doch, meint sie – „Sauerkraut halt“. Mama mag Sauerkraut und hat diesen Ausdruck gelernt. Ich mag Sauerkraut nicht und bin deshalb in den ganzen Jahren, die ich in Berlin lebe noch nicht in die Situation gekommen, es kaufen zu wollen.

Einige Minuten später meint sie: „Was wäre jetzt, wenn ich mich in das gleiche Flugzeug setzen würde wie Du, und mit Dir zurück nach Kanada zu Dir nach Hause fliegen würde“. Sie hält mich offensichtlich für ihre Kusine, die kurz vor meiner Geburt nach Kanada ausgewandert ist. „Du kennst ja beides“ fügt sie hinzu „wie es hier ist und wie es dort ist“.

Während meiner Kindheit bin ich oft auf die Ähnlichkeit mit der Tante in Kanada hingewiesen worden. „Ich bin doch Deine Tochter und nicht Deine Kusine“. Es ist unglaublich, wie schnell sie darauf reagiert: „Ja, das weiß ich doch. Aber Du bist doch soviel gereist. Du warst doch sicher auch in Kanada und weißt, wie es dort und wie es hier ist“. Nein – in Kanada war ich nie.
12.6.06 07:03


Tatort: Hundeleben

11. Juni 2006

Mir fällt auf, daß in den letzten Wochen und Monaten in verschiedenen Fernsehkrimis das Thema Alzheimer und Pflegebedürftigkeit berührt wird.

Heute ermitteln Freddy Schenk und Max Ballauf im Seniorenstift Abendrot nachdem eine Bewohnerin ermordet worden ist. Ich habe diesen Tatort-Krimi, in dem das Thema "Pflegenotstand" breiten Raum einnimmt, als beklemmend in Erinnerung.

Erstausstrahlung 2004

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11.6.06 10:22


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