Alzheimer - und dann?

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Früher - heute

5. Dezember 2005

?Fr?her habe ich immer viel gemeckert? sinniert Mutti vor sich hin.Wie wahr ? denke ich. Ich konnte ihr fast nie etwas recht machen. ?Fr?her?? gebe ich fragend zur?ck und warte, von was sie erz?hlt. ?Ja, fr?her als ich noch was zu sagen hatte. Jetzt hab? ich nichts mehr zu sagen ? Pause ? zumindest denk? ich, dass ich nichts mehr zu sagen hab?. Sie sagt das nicht anklagend oder resigniert, sondern einfach als Feststellung.

Ich schlucke. Was soll ich auch darauf sagen. Sie ist zwar in einem Heim, in dem so weitgehend wie m?glich die W?nsche der Bewohner ber?cksichtigt werden und die Mitarbeiter ihr M?glichstes tun, um jedem Individuum sein eigenes Leben zu erm?glichen.

Ihr fehlt ihr eigenes Leben in ihrer eigenen Wohnung ? und das ist unwiederbringlich verloren. Jetzt ist so ein Moment, wo ihr das bewusst ist.

5.12.05 08:43


wieder handlungsfähig

2. Dezember 2005

Uffffz: Nie h?tte ich gedacht, dass ein Gerichtsbeschlu? mit einem solchen Gef?hl von Erleichterung verbunden sein kann. In Berlin gilt der Spruch: Freitag um eins macht jeder seins. Da geht gar nichts mehr, und schon gleich gar nicht bei Beh?rden, doch: Soeben kam der Bote vom Amtsgericht Abteilung Vormundschaften und hat mir den Beschlu? ?ber die Betreuung meiner Mutter ausgeh?ndigt, die bis 2012 l?uft, weil gesetzlich eine ?berpr?fung alle sieben Jahre vorgesehen ist. Nun bin ich im Hinblick auf meine Mutter ? juristisch gesehen ? wieder handlungsf?hig.

Meine Rechte sind insofern noch erweitert worden als bei der Verm?genssorge, die ich auch bisher hatte, ein Einwilligungsvorbehalt eingerichtet worden ist. Normalerweise bekommt man die Verm?genssorge. Das hei?t, man kann f?r den Betreuten ein Konto einrichten und die entsprechenden finanziellen Transaktionen durchf?hren. Der Betreute kann das Gleiche tun. Betreuer und Betreuer haben also im Hinblick auf das Bankkonto gleiche M?glichkeiten. Wenn also jemand den Betreuten zur Bank schleppen w?rde und ihn veranlasst, dieses und jenes zu unterschreiben, dann ist es rechtsg?ltig. Damit wird viel Schindluder getrieben.

Wenn das Gericht einen Einwilligungsvorbehalt verf?gt, dann kann der Betreute nur mit ausdr?cklicher schriftlicher Einwilligung des Betreuers finanzielle Verf?gungen treffen. Mit dem Betreuerausweis kann es noch etwas dauern ? die Richterin meinte bis zu einem Monat.
2.12.05 14:35


Erklärungsversuch 1

1. Dezember 2005

Eugen betreut seit vielen Jahren eine Bekannte, die im mittleren Stadium an Demenz erkrankt ist. Auch in seiner beruflichen T?tigkeit in der Altenpflege hat er viel mit Alzheimer-Kranken zu tun. In einer Email, aus der ich mit seiner Erlaubnis zitiere, schreibt er:

?Die Vorstellung eines linear verlaufenden Verlustes an geistiger F?higkeit und bewu?ter (Eigen-)Wahrnehmung im Gefolge der Demenzerkrankung widerspricht meinen bisherigen Erfahrungen. Vielmehr erlebe ich immer wieder auch im weit fortgeschrittenen Krankheitsstadium Reaktionen, die von einem eher diffusem Ausdruck dar?ber, da? etwas nicht mehr zusammenpassen will bis zu einer auch verbal klaren ?u?erung dar?ber reichen kann, was nicht stimmt - auch wenn ansonsten kein klares Wort mehr ge?u?ert werden kann. Dies gilt um so mehr, je weniger Neuroleptika zum Einsatz kommen. Dies kommt nat?rlich selten vor, aber es kommt vor.

Meine Phantasie dazu ist die, da? das Bewu?tsein durch die Krankheit nicht zerst?rt wird - sondern da? seine sinnvolle Verkn?pfung zunehmend mi?lingt. Aber unter bestimmten, nicht kausal herbeizuf?hrenden Bedingungen ein kurzes Erwachen (denke oft dabei an den Film 'Awakening') m?glich wird.

Im meinem praktischen Bezug versuche ich mich deshalb so zu stellen, da? ich ein intaktes Bewu?tsein auch dort anspreche, wo es v?llig verloren scheint. Zudem erlaubt mir diese Haltung, die Atmosph?re und das Gef?hl von Normalit?t herzustellen, die das kranke Gegen?ber braucht, um sich in seinem Menschsein zu erfahren.?
1.12.05 08:13


Erkennt sie ihn?

30. November 2005

Mamas Wohngruppe plant den Besuch eines Weihnachtsmarkts. Weil mich eine Erk?ltung erwischt hat, bietet G. an, den Wintermantel vorbeizubringen.

Ob Mama G. erkennen wird wenn er alleine kommt? Die kennt ihn erst seit Berlin. Er kommt immer wieder mal mit, wenn ich sie besuche und war auch bei ihrem Geburtstag dabei.

Ich vermute, dass sie ihn nicht wieder erkennt. ?Wer ist denn der Mann?? fragte sie sogar einmal als wir zusammen kamen.
Ich war v?llig platt als er mich anrief: ?Sie hat mich erkannt und sich gefreut?. Wir k?nnen das beide nicht einordnen, denn die Zeitdauer, die sie ihn kennt, f?llt doch in den Zeitraum, in dem sie Schwierigkeiten mit dem Kurzzeitged?chtnis hat.

30.11.05 09:45


Forget your career - vergiß Deine Karriere

28. November 2005

In der New York Times vom letzten Freitag beschreibt ein Artikel vom letzten Freitag einen neuen Trend unter amerikanischen Oberschichtfrauen jenseits von Mitte 40:

Forget the Career. My Parents Need Me at Home (Vergi? die Karriere. Meine Eltern brauchen mich zuhause)

Frauen schmei?en ihre sehr lukrativen Jobs hin ? werden angeblich von zur?ckbleibenden Kollegen ob dieser Wahl beneidet und widmen sich in den beschriebenen Beispielen an Alzheimer erkrankten Eltern. Schon gibt es soziologische Untersuchungen, die daf?r ein Etikett haben: ?Daughter?s Track? (frei ?bersetzt: Tochter-Schiene) ? im Gegensatz zu Mother?s Track (Mutter-Schiene).

Da ist unter anderem die Rede von einer Journalistin und Radiomoderatorin mit 6stelligem Jahreseinkommen. Sie kehrt in ihr Elternhaus zur?ck. Der jetzt an Alzheimer erkrankte Vater stellte Autoersatzteile her. Damit sie ?etwas Geld in der Tasche hat?, bekommt sie von Mama 22 000 Dollar Taschengeld im Jahr und nat?rlich die Krankenversicherung bezahlt.

Papa ist bis zum Nachmittag in einer Tagespflege-Einrichtung. Mutter und Tochter nehmen in dieser Zeit Malstunden, gehen ins Fitness-Studio und zu Starbucks Kaffee trinken. Davon kann die Mehrzahl der Angeh?rigen nur tr?umen.

Bei den 4 Millionen an Demenz erkrankten Amerikanern wird es sicher auch einige solche Familienkonstellationen geben, aber die werden eine Minderheit betreffen. Die ?Normalit?t? einer Alzheimer-Erkrankung wird auch bei den meisten amerikanischen Familien anders aussehen ? noch dazu, wo dort das Gesundheitssystem viel weniger absichert als bei uns. Und schon bei uns ist Demenz eine sehr teure Krankheit.

Ich frage mich nur, was an diesem Oberschicht-Ph?nomen so wichtig ist, dass die New York Times dem eine ganze Seite an zentraler Stelle widmet? Wenn ich mich in meiner Selbsthilfegruppe umschaue, wo meist ?ber 70j?hrige Menschen den an Alzheimer erkrankten Partner pflegen, dann schaut das ganz anders aus. F?r die ? und das sind meist Mittelschichtfamilien ? ist es schon was besonderes, wenn sie alle 14 Tage in die Selbsthilfegruppe gehen k?nnen und w?hrend der Zeit der Angeh?rige betreut wird. Ansonsten sind sie rund um die Uhr im Einsatz und k?nnen oft keine Nacht durchschlafen.

Drei Wochen Kurzzeitpflege in einer entsprechenden Einrichtung zahlt die Krankenkasse im Jahr ? egal ob der pflegende Angeh?rige dann Urlaub macht oder wegen eigener Erkrankung im Krankenhaus behandlungsbed?rftig ist. Dieses Gespenst sitzt allen, die zu Hause pflegen, im Nacken. Neulich erlebte ich eine ?ltere Frau, die sich ? nach Meinung der ?rzte ? zu fr?h aus dem Krankenhaus entlassen lie?, in das sie wegen eines k?rperlichen Zusammenbruchs eingeliefert worden war: ?Was soll ich machen ? es muss ja irgendwie gehen?.
28.11.05 16:24


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