Alzheimer - und dann?

  Startseite
    alltäglich
    Bücher / Medien
    tierisches
    merkwürdig
    künstlerisch
    lyrisch-literarisch
    personelles
    medizinisches
    Humor
    Begehren
    spirituell-religiös
    Praktisches
    wissenschaftlich
    Rechtliches
    Amtsschimmel
    Politisches
    Projekte
    Promis
    Veranstaltungen
    Interkulturelles
    Kurioses
    Meta-Blog
  Über...
  Archiv
  Blogroll
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



  Links
   Alzheimer und Demenz
   Alzheimerforum
   Altern in Würde
   Kunst des Alterns
   Patientenleitlinien Demenz
   Deutsche Alzheimer Gesellschaft
   Betreuungsrecht
   Spirituality and Dementia Ressources
   Nahrungsverweigerung bei Demenzkranken



gratis Counter by GOWEB
Gratis Counter by GOWEB
Locations of visitors to this page

https://myblog.de/alzheimer

Gratis bloggen bei
myblog.de





Zutrauen und staunen können

27. November 2006

Manche Gespr?che scheinen immer wieder gleich abzulaufen ? und doch ist manchmal etwas anders. Mama denkt wieder mal, dass sie noch in M. wohnt. ?Wann ziehe ich jetzt nach Berlin?? will sie wissen. Sie ist wieder mal beunruhigt, ob sie dort zurechtkommen wird, ob man sie dort verstehen wird und ob sie die Leute verstehen wird. Und diese Aussage hat ja mehr Ebenen als das sprachliche Verst?ndnis zwischen Bayern und Berlinern, die im Allgemeinen schnell eine Ebene miteinander finden.

Es ist als ob die letzten Monate in Berlin weggeblasen sind. Sie wei? in diesem Moment nicht, dass sie schon seit Monaten in Berlin lebt. ?Ich denke schon, dass Du zurecht kommen wirst? sage ich. Ich rede mir leicht, denn ich habe ja die Erfahrung, zu der sie keinen Bezug herstellen kann. ?Wei?t Du, mit den Kollegen, die aus Berlin waren, bist Du immer besonders gut ausgekommen. Und Pfleger Dieter ? und jetzt tue ich auch so als ob wir noch nicht in Berlin w?ren ? mit dem kommst Du doch prima zurecht. Sie nickt. Der ist auch aus Berlin, und Du verstehst ihn und er versteht Dich. Also, ich denke schon, dass Du in Berlin klarkommen wirst. Und ich bin auch da, und helfe Dir so gut ich kann.

Eine ganze Weile ist es still. Ich denke schon, dass sie wieder in sich versinkt, doch sie ?ffnet langsam den Mund, schaut mich intensiv an und sagt: ?Mein Kind traut mir mehr zu als ich mir zutraue.? In ihrer Stimme liegt eine Mischung aus Staunen und Fassungslosigkeit.

Dieses Erlebnis liegt schon einige Tage zur?ck, aber das Aufschreiben hat mich getr?stet, nachdem die Geburtstagsfeier so schwierig und ich dar?ber entt?uscht war.
27.11.05 16:07


Gebrochen oder nicht gebrochen?

26. November 2005

?Hier Pfleger Gerald? t?nt es mir vom Anrufbeantworter entgegen. ?Es ist nichts Schlimmes. Wir haben ihre Mutter ins DRK zum R?ntgen gebracht, weil die Schmerzen in der H?fte st?rker wurden?. Ich rufe an. Mutti sei in der Nacht vom 20. auf 21. gest?rzt. Deshalb sei sie auch die letzten Tage im Rollstuhl gesessen. Sein Dienst sei jetzt bald zu Ende. Er habe in den letzten Stunden beobachtet, dass ihre Entlastungsbewegungen st?rker georden seien. Das w?rde ihn beunruhigen. Deshalb m?sse durch eine R?ntgenaufnahme abgekl?rt werden, was los sei ? noch dazu wegen ihrer Osteoporose. Ich solle sp?ter noch mal beim Nachtdienst anrufen.

Als Pfleger Gerald mir das erz?hlt, wird mir erst klar, dass man einen demenzkranken Menschen nicht einfach so fragen kann, ob die Schmerzen st?rker sind als vor einer Stunde. Durch das Vergessen fehlt die Vergleichsm?glichkeit und die zeitliche Orientierung. Deshalb mu? er durch Beobachtung herausfinden, ob und wie sich die Entlastungsbewegungen ver?ndern und R?ckschl?sse auf das Schmerzgeschehen ziehen.

1 ? Stunden sp?ter rufe ich im Nachtdienst an. Schwester Inka sagt, sie h?tten noch nichts vom Krankenhaus geh?rt. Sie w?rden auch keine Auskunft bekommen, weil sie keine angeh?rigen seien. Aber mir k?nnte man in der Zwischenzeit etwas sagen. Wenn ich etwas w?sste, m?ge ich doch zur?ckrufen.

Ich komme gleich durch bei der ersten Hilfe. Der Doktor kennt meine Mutter bereits: ?Immer wenn ihre Mutter gebracht wird, habe ich Dienst. Ist auch ganz gut so, denn ich erschrecke nicht mehr, wenn ich ihre Unterschenkel sehe.? Die sind elefant?s , weil Mama sich im Winter 1944 Erfrierungen zugezogen hat. Die R?ntgenaufnahmen haben ergeben, dass nichts gebrochen ist, sondern ? wie bis jetzt vermutet ? eine Prellung vorliegt. Sie soll in den n?chsten Tagen ein leichtes Schmerzmittel bekommen. In ein paar Minuten wird sie ins Heim zur?ckgebracht.

Ein gutes Zeichen, dass Pfleger Gerald seine Beunruhigung ernst genommen hat. Wie oft habe ich es w?hrend meines Pflegepraktikums erlebt, dass ?rzte unliebsame Entscheidungen auf die n?chste Schicht verschoben haben.
26.11.05 11:29


Einrichtung einer dauerhaften Betreuung

25. November 2005

Mit gemischten Gef?hlen fahre ich ins Heim zum Anh?rungstermin. Wie w?rde dieses Gespr?ch ablaufen? Ich hatte allerlei Bef?rchtungen, denn die Zusendung des Gutachtens an meine Mutter, von der ich hier vor einigen Tagen berichtet hatte, versprach nichts Gutes. Wenn das Vorgehen bei der Vorbereitung dieses Termins schon so unsensibel und an der Realit?t vorbei war, wie w?rde dann erst die Anh?rung verlaufen?

Als ich um 9.00 Uhr ankam, war die Richterin noch nicht da. Die meisten Bewohner sa?en um den Fr?hst?ckstisch. Mama ? fr?her von der Fraktion der Langschl?fer ? war ausgesprochen munter. Sie tat Butter auf Herrn Ludwigs Brot und wollte ihm Brote streichen. Das wollte er aber nicht. ?So sind sie, die M?nner? kommentierte Schwester Silke.

Mutti war dann ganz besch?ftigt mit ihren eigenen Broten. Sie strich sich gleich drei Scheiben. Das erregte den Unmut ihrer Zimmergenossin Frau Holzapfel, die ihr gegen?ber sa?. Die zeterte los: ?Aber das geht doch nicht. Das tut man doch nicht. Man isst erst ein Brot auf und dann macht man sich das n?chste?. Schwester Silke meinte: ?Schauen Sie einfach auf Ihren Teller?.

Da treffen Welten aufeinander: Frau Holzapfel, bei der alles eine geordneten Gang gehen mu?: Erst ein Brot aufessen, dann gibt es das n?chste. Und Mutti, die sich immer mehrere Brote gemacht hat und den ganzen Teller dann mit ins Wohnzimmer nahm um alles gem?tlich zu verspeisen. Allerdings wunderte mich sehr, dass sie sich drei ganze Scheiben machte. Eine legte sie dann Herrn Ludwig auf sein Brettchen: ?Das ist f?r Dich mein Junge. Ich will Dich jetzt bemuttern?. Schwester Silke war etwas hin- und hergerissen, weil Herr Ludwig Diabetikermarmelade bekommt. Aber sie lie? es dann doch laufen.

Dann kam die Richterin und wir gingen aufs Zimmer. Ich war gespannt wie das Gespr?ch nun laufen w?rde. Wie verschafft sie sich einen Eindruck dar?ber, was meine Mutter kann oder nicht mehr kann? Die erste Betreuung ist immer eine vorl?ufige, die auf ein halbes Jahr befristet wird um dann herauszufinden, ob eine Verbesserung eingetreten ist oder eine dauerhafte Betreuung eingerichtet wird. Das ist nat?rlich bei Demenz / Alzheimer nicht der Fall, aber es gibt ja auch andere Anl?sse f?r die Einrichtung einer Betreuung.

?Wie gef?llt es Ihnen denn hier?? er?ffnet die Richterin das Gespr?ch. ?Gut? sagt Mama. ?Sie sind aus S?ddeutschland. Sie sprechen anders als die Leute hier. Wie lange sind Sie denn schon in Berlin?? Mama wei? es nicht: ?Keine Ahnung!?.
?Sie wissen warum ich hier bin?? fragt die Richterin. Mama schielt auf die Akte, auf der ?Amtsgericht? steht und sagt: ?Wegen meinem mentalen Zustand?.

?Was haben Sie denn fr?her gemacht?? Dar?ber kann Mama Auskunft geben, aber nicht wie hoch ihre Rente ist: ?Das wei? ich nicht. Das macht alles meine Tochter.?
Und wollen Sie, dass das weiterhin Ihre Tochter macht?
- Ja! Meine Tochter soll alles regeln.

Wir gehen die weiteren Aufgabenkreise durch (Gesundheitsf?rsorge, Aufenthaltsbestimmung, Verhandlung mit Beh?rden und Sozialleistungstr?gern ?). Nach einer halben Stunde verabschiedet sich die Richterin und sagt zu, dass ich den Beschlu? innerhalb einer Woche erhalte. Mit dem Betreuerausweis k?nne es noch etwas l?nger dauern ? etwa einen Monat. Die dauerhafte Betreuung wird nach sieben Jahren ?berpr?ft. Mama ist ganz angetan, wie nett die Richterin war.


Mehr zum Betreuungsrecht findet man hier
25.11.05 10:02


Geburtstagsvorbereitungen

22. November 2005

Mama, Du wirst am Samstag 79. Darauf meint sie trocken: ?Das kann man jetzt auch nicht mehr ?ndern?.
22.11.05 08:11


ver-rückt ?!?

21. November 2005

Eine Mitarbeiterin gibt mir einen an meine Mutter adressierten Briefumschlag vom Amtsgericht. Es wird die Benachrichtigung ?ber die Anh?rung zur Betreuung sein.

Warum aber ist ihr Briefumschlag so dick? Ich habe eine DIN-A-4 Seite bekommen, auf der mir Zeit und Ort des Geschehens mitgeteilt wurde. Als ich den Umschlag ?ffne, finde ich neben der erwarteten Benachrichtigung ein 10seitiges psychiatrisches Gutachten von vor f?nf Monaten vor, das noch im Bezirkskrankenhaus M. erstellt wurde.

Warum schickt das Gericht meiner Mutter, einer demenzkranken Frau ? und nicht mir ? ein solches Gutachten? Schon ich habe Schwierigkeiten mit der medizinischen Terminologie. Ein Arzt ? laut Unterschrift Facharzt f?r Psychiatrie und Psychotherapie ? der meine Mutter im Juni ?begutachtet? hat kommt zu dem Schlu?: ?Ebenfalls ist es zur Vermeidung erheblicher Nachteile f?r die Gesundheit von Frau XY nicht erforderlich bei der Bekanntmachung des Gutachtens oder der Entscheidungsgr?nde besondere Umst?nde zu beachten?.

Und deswegen kann man so ein Papier einfach mal so ein paar Monate sp?ter in einem Briefumschlag an einem dementen Menschen schicken. Da hei?t es einige Seiten vorher: ?Es gibt derzeit keine spezifische Therapie der zugrunde liegenden neurodegenerativen Prozesse? und es ist vom fortschreitenden Verlauf der Krankheit die Rede. Unabh?ngig davon, wie viel oder wie wenig meine Mutter davon beim Lesen verstehen w?rde, kann ich mir nicht vorstellen, dass man bei einer anderen unheilbaren Krankheit so mit Menschen umgeht. Im Krankenhaus konnte mir ?brigens vom Pflegepersonal niemand sagen, ob und wie mit meiner Mutter ?ber die Diagnose gesprochen worden ist.

Das Anschreiben des Gerichts ist abgesehen vom Namen und der Anschrift identisch mit dem, das ich bekommen habe. Ich gebe es Mama, die es liest und kommentiert: ?So ein Schmarrn. Da schreiben die ?bitte dieses Schreiben zum Termin mitbringen?. Wieso soll ich das zum Termin mitbringen, wenn der Termin doch da ist, wo ich bin??

Einige Minuten sp?ter ist sie verwirrt und desorientiert und denkt, dass sie in M. ist und in einiger Zeit nach Berlin ziehen wird. Mein Hinweis, dass sie doch schon einige Monate in Berlin ist, geht an ihrer Realit?t vorbei. ?Wann ziehe ich jetzt nach Berlin?? insistiert sie. ?In ein paar Wochen? sage ich. Sie macht sich Sorgen, ob sie sprachlich dort zurechtkommen wird. ?Ob mich die Leute da verstehen und ob ich die verstehe? Ich habe doch mein ganzes Leben in Bayern gelebt.? Ich erinnere sie an zwei Kollegen, die aus Berlin waren und mit denen sie sich besonders gut verstanden hat. Das scheint sie zu beruhigen. Dabei hat sie schon so einige Berliner W?rter gelernt. Sie sagt, dass sie ?noch eine Bulette? mag und redet nicht vom ?Fleischpflanzl?. Wenn Pfleger G. fragt: ?M?ssen Sie pullern?? dann antwortet sie ihm: ?Nein, ich muss jetzt nicht aufs Klo?.

Mir f?llt auf, dass sie wenig trinkt. Gerade ein paar Schl?ckchen hat sie vom geliebten Kaffee genippt. ?Magst Du heute gar keinen Kaffee? ? Soll ich Dir lieber was Kaltes zum Trinken holen?? ?Nein, ich mag gar nichts? und kurz darauf erz?hlt sie mir, dass sie ?die Hose nass gemacht? hat und eine neue brauchte, ?weil das Klo so weit weg war. Ich wei? gar nicht, warum ich einen so ?berm??igen Harndrang habe?. Sie sagt tats?chlich ??berm??igen Harndrang?. Da sie nur sehr langsam mit dem Stock gehen kann, kann ich mir gut vorstellen, dass der Weg zur Toilette zu weit war.
21.11.05 11:01


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter] s



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung