Alzheimer - und dann?

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Professor Blabla

29. Oktober 2005

?Andere L?nder ? anderes Sterben?? ? zu diesem Thema sollte ein Professor Gronemeyer aus Gie?en seine vergleichende Studie ? finanziert von der Robert-Bosch-Stiftung ? im Rahmen der Berliner Hospizwoche vorstellen.

Dazu hatte der Herr Professor anscheinend wenig Lust, und deshalb verwies er darauf, dass diejenigen, die sich f?r die Inhalte seiner Studie interessieren, seine Publikationen dar?ber lesen k?nnten. Wer h?tte das gedacht! Er kam nicht ?ber ein paar Allgemeinpl?tze hinaus, die ich mir auch ?ber eine 30min?tige Internet-Recherche zusammensuchen h?tte k?nnen:

- Es gibt ein Ost-West-Gef?lle in Europa in diesem Bereich (sprich Hospize und Palliativpflege); wer h?tte das gedacht!

- Tod und Sterben werden sich in Europa immer ?hnlicher (wie Geburtsprozesse) d.h. immer technisierter und dass zwar die Mehrzahl der Leute daheim sterben wollen aber faktisch genau der Prozentsatz, der daheim sterben will, letztlich in Institutionen stirbt

- Praxisbeispiel zur Illustration: einfaches Vierbettzimmer im Baltikum ? Luxusvariante mit Glaskuppel und k?nstlichen Landschaften in Italien

- Die Struktur der Arbeit ist ?berall sehr ?hnlich: Palliativmedizin durch m?nnliche Mitarbeiter besetzt, professionelle Pflege durch Frauen dominiert und ein hoher Stellenwert der ehrenamtlich Mitarbeitenden

- In Italien ist die Zahl der Hospize in den letzten vier Jahren explosiv von 50 auf 150 gestiegen, was ? nach Meinung des Professors ? haupts?chlich finanzielle Gr?nde haben d?rfte.

Und daf?r habe ich mir einen Nachmittag freigeschaufelt. Wundert einen, dass die Veranstalter nicht einfordern, was wohl als Referatsthema abgesprochen war, aber wenn die Referenten kein Honorar bekommen traut man sich anscheinend nix zu sagen,

Der Gro?teil des Auditoriums im Festsaal klatschte dennoch begeistert. Der Professor hatte es der Ideologie von Dignitas, ein Schweizer Verein, der aktive Sterbehilfe leistet und jetzt ein B?ro in Hannover er?ffnet hat, kr?ftig gegeben: Sterbebegleitung (im Hospiz) versus aktiver Sterbehilfe (durch Dignitas)!

Ich teile die Position des Professors in dieser Frage fast vollst?ndig, und verstehe auch, wenn er aus aktuellem Anla? darauf eingehen will (Er?ffnung des besagten B?ros von Dignitas), aber deswegen die Veranstaltung inhaltlich umfunktionieren ist nicht fair. Schlie?lich hat ihn niemand gezwungen, sich zum eigentlichen Thema des Nachmittags einladen zu lassen.

Es gab danach noch Kurzvortr?ge ?ber die Hospizarbeit in Deutschland, Ungarn, Amerika, Frankreich, Polen und den Niederlanden. Ich bin nicht mehr geblieben, weil ich hundem?de und genervt war.

G. war auch dabei und hatte den Eindruck: ?Der hat nur Angst vor der Konkurrenz?.


8. Berliner Hospizwoche 2005
29.10.05 22:33


Ich denk, mich tritt ein Pferd

27. Oktober 2005

Es ist vormittags um 10.00 h. Mama bl?ttert in einer Illustrierten. Irgendeine blonde Promifrau, die ein Kind bekommen at, wurde in einem tr?gerlosen Kleid mit tiefem Ausschnitt abgelichtet. ?Wia des Kleid hoit, des tat i scho gern wissen. So was dat ma a gfoin? (Wie das Kleid h?lt, w?rde ich schon gern wissen; das w?rde mir auch gefallen).

Einige Minuten sp?ter will sie wissen, wann sie endlich aus dem Kinderheim rauskommt, denn schlie?lich sei sie kein Kind mehr. Und kurz darauf sagt sie: ?Und um meine Berufsausbildung mu? ich mir auch Gedanken machen. Was Mama und Papa dazu meinen??

Dann spreche ich mit Pfleger D. Als ich nach einer Stunde wiederkomme, kommentiert sie? Du warst aber lang weg. Was gibt es denn Neues?. Ich erz?hle vom 50. Geburtstag der Bundeswehr gestern, gro?er Zapfenstreich, viel Prominenz und Rede des Nato-Generalsekret?rs. Sie fragt: ?Wie lang bin ich jetzt eigentlich schon bei dem Verein dabei??. Sie hat Mitte der 60iger Jahre bei der Bundeswehr zu arbeiten angefangen und war bis zur Rente dort. Ihr ?dog-tag? (das ist im internen Jargon die ?Hundemarke? sprich ?Identifizierungsmarke? falls man versch?ttet wird oder anders zu Tode kommt und anhand dieser Plakette identifiziert werden muss) h?lt sie hoch in Ehren.

Welches Datum haben wir heute? Als ich den 27. Oktober nenne, sagt sie: ?Dann ist n?chste Woche Allerheiligen?.

Als ich mich verabschiede, will sie, dass ich ihr aufschreibe, wann ich wiederkomme. Sie nimmt dann einen Bleistift und macht eine Welllenlinie. Dann sehe ich einige Rundungen und Striche und denke: Sie will schreiben und kann nicht mehr bis ich erkenne: Sie macht sich Notizen in Steno-Schrift. Ich denke, mich tritt ein Pferd. Das war wieder eine emotionale Achterbahn.
27.10.05 14:11


Zurechtweisung

26. Oktober 2006

Lieblingspfleger F. ? der mit den rehbraunen Augen - ist nach l?ngerer krankheitsbedingter Abwesenheit wieder da. Er sagt zu meiner Mutter: ?Jetzt ist ihre Tochter da ? die k?nnen Sie jetzt ja fragen nach dem, was ich Ihnen vorher nicht beantworten konnte?. Mutti wei? nicht mehr, was sie vorher fragen wollte, aber sie ?berbr?ckt das ganz clever.

Etwas arrogant-herablassend, was ?berhaupt nicht ihrem Naturell entspricht ? meint Sie zu Pfleger F: ?Wenn Sie meine Frage nicht beantworten k?nnen, Sir, dann leiten Sie sie doch weiter?. Er grinst und meint ?Ihre Mutter wollte wissen, wie das mit dem Geld geregelt ist und ob das mit der Rente alles richtig l?uft?.

Etwas sp?ter kommt Pfleger F. mit einer wundersch?n garnierten Wurst- und K?seplatte und fragt Mama: ?Suchen Sie sich mal aus. Was m?chten Sie denn auf Ihr Brot draufhaben?? ? Pause - ?K?se essen Sie nicht?? Mama nickt. ?Welche Wurst?? Mama entscheidet sich langsam ob der vielen M?glichkeiten. ?M?gen Sie auch Hackepeter?? Mama nickt ?ja ? und ein egg?, womit sie das halbe Ei meint, das den Hackepeter kr?nt. Das versteht Pfleger F. aber nicht gleich, denn manchmal wenn es ihr Spa? macht oder sie vornehm sein will, verwendet sie einzelne englische W?rter. Pfleger F. versteht ?Eck? und fragt nach: ?die Wurst, die an der Ecke liegt?. ?Nein? und sie deutet auf das halbe Ei. Jetzt ist alles klar. "Der ist doch ganz reizend" meint sie zu mir.
26.10.05 21:05


Herrenabend im Seniorenheim

25. Oktober 2005

Mama sitzt mit Herrn L. beim Fernsehen. Pfleger F. fragt: ?Herr L., heute ist Herrenabend. Wollen Sie runter?? Herr L. strahlt und nickt. Wollen Sie Zigaretten mitnehmen? Herr L. greift zu der Schachtel Zigaretten, die vor ihm liegt und Pfleger F. rollt mit ihm weg.

?Was ist ein Herrenabend?? fragt mich Mutti. Wei? ich auch nicht ? k?nnen wir dann ja Pfleger F. fragen, wenn er wieder zur?ckkommt. Auf der Pinwand im Wohnzimmer sehe ich eine ?Einladung zum Herrenabend am Dienstag, den 25. Oktober von 17.00 ? 19.00 h?. Was da aber n?her passiert, ist dem Blatt nicht zu entnehmen.

Also Pfleger F. fragen: ?Meine Mutter und ich w?rden gerne wissen, was ein Herrenabend ist und was da passiert?. ?Die Herren sind ja in unseren Wohngruppen in der Minderheit. Beim Herrenabend sind sie unter sich. Da gibt es dann Bier, was zum Rauchen und es werden schmutzige Witze erz?hlt, von denen, die noch reden k?nnen ? und was M?nner halt so reden wenn sie unter sich sind? gibt Pfleger F. Auskunft. Als ich eine Stunde sp?ter gehe, sehe ich im Erdgescho? in gem?tlicher Atmosph?re im Treffpunktraum eine muntere Runde von etwa 20 Herren bei Bier und Knabbereien sitzen.

25.10.05 19:37


Will ich das wirklich wissen?

Weil der Sonntagskrimi noch l?uft als 3Sat den Dokumentarfilm ?Rosen im Winter? bringt, bitte ich G. den Beitrag f?r mich aufzuzeichnen. Es geht um die demenzkranke Mia, ?die in den letzten drei Monaten ihres Lebens alle Phasen der Krankheit durchleidet: Verwirrung, Depressionen, Halluzinationen, physischer Verfall? wie es in der Programmzeitschrift hei?t. Fast zwei Stunden dauert die Doku.

Gut dass wir in Zeiten leben, den denen man Sendungen aufzeichnen kann. Denn inzwischen frage ich mich: Will ich das wirklich wissen? Welches Ma? an Informationen tut mir gut und was ist mir zuviel und belastet mich unn?tig?

Die Reaktionen in der Alzheimer-Mailingliste waren unterschiedlich. Alle fanden den Film sehr gelungen und ber?hrend. Diejenigen, deren Angeh?rige in der Anfangsphase der Krankheit sind, waren entsetzt und schockiert ?ber das, was noch auf sie zukommen wird. Die anderen, die schon viele Jahre bettl?grige Angeh?rige pflegen, waren auch angetan, meinten aber, der Film sei eine Momentaufnahme. Der Verlauf sei sehr schnell gewesen: Die Kranke habe bis zum Schlu? ? wenn auch teilweise verwirrt _ Fragen beantworten k?nnen, kein Weglaufen, keine jahrelange Inkontinenz und Bettl?grigkeit

So unterschiedlich kann ein und derselbe Film bei pflegenden Angeh?rigen ankommen. Jedenfalls ist er gespeichert, und ich kann mir die Entscheidung offen lassen, ob und wann ich ihn ansehe.


24.10.05 16:08


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