Alzheimer - und dann?

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Zuhause oder ins Heim?

30. Juli 2005

Vor einem dreiviertel Jahr hätte mir diese Zusammenstellung geholfen. Mit Mamas Hausarzt, der ein bis zwei Mal wöchentlich kam, hatte ich Zoff. Er warf mir an den kopf, dass er sich nicht von Angehörigen (wie mir – das sagte er aber nicht dazu) „zum Komplizen machen“ lässt, die ihre Leute „per Heimunterbringung vergewaltigen“.

Meine Mutter könne noch lange zuhause bleiben und allein leben, wenn man nur die entsprechenden Hilfen veranlasst, die da wären: einmal täglich ambulanter Pflegedienst, hauswirtschaftliche Hilfe durch einen Zivi (Einkaufen, Fenster putzen), einmal wöchentlich Besuch durch Sozialarbeiterin des gerontopsychiatrischen Dienstes und ein bis zwei Hausbesuche durch ihn.

Und was ist in den durchschnittlichen restlichen 22 – 23 Stunden, wenn meine Mutter beispielsweise vergisst, dass sie Fett auf den Herd stehen hat, den Rauchmelder nicht hört und die Nachbarn die Feuerwehr rufen müssen, die meine Mutter aus dem verrauchten Wohnzimmer rausholen müssen. Mutti hat keinerlei Erinnerungen an diesen Feuerwehreinsatz.
In der Broschüre „Umgang mit Demenz“ gibt Ingo Füsgen unter dem Punkt „kann der Demenzkranke noch allen leben“ wichtige Hinweise:

- Nimmt der Patient regelmäßig seine Mahlzeiten ein?
Nein, aber meine Mutter hat nie regelmäßig gegessen. Ein Warnzeichen war, dass sie in den letzten Monaten auf 41 kg (bei 1,58 m Größe) abgemagert ist.
- Werden die verordneten Medikamente regelmäßig eingenommen.
Nein, darüber hatte sie keinen Überblick mehr. Das war einer der Gründe warum der ambulante Pflegedienst kommen sollte.
- Vernachlässigt der Patient die Körperpflege?
Ja, aber das ist bei älteren Leuten – so der Hausarzt – in gewissen Ausmaßen normal.
- Heizt der Patient bei kaltem Wetter?
Ja, aber selbst im Hochsommer läuft die Heizung auf höchster Stufe.
- Gefährdet sich der Kranke durch Umgang mit Feuer oder elektrischen Geräten?
Von Brandflecken durch Zigaretten in Kleidung, Bettwäsche und Möbeln bis zum Feuerwehreinsatz war alles geboten, aber laut Hausarzt ist ein Rauchmelder „völlig ausreichend“.
- Wie verhält sich der Patient anderen Menschen gegenüber? Zeigt er eine kritiklose Zutraulichkeit Fremden gegenüber? Oder ist er Bekannten gegenüber sehr misstrauisch und fühlt sich von anderen verfolgt?
Letzteres: Bis dahin, dass Mama Verarmungsängste hat, anderen Manipulationen ihres Bankkontos unterstellt, mich nachts zeitweise am Telefon nicht erkennt und nicht weiß, dass sie eine Tochter hat („Interessant, dass ich mit fast 80 Jahren erfahre, dass ich eine Tochter habe“). Die Mitarbeiter des Pflegedienstes lässt sie desöfteren nicht rein, aber das ist – laut Hausarzt – die Autonomie, die man alten Menschen zugestehen muss. Wir suchen uns ja auch aus, wen wir wann sehen wollen oder nicht.
- Ist die Wohnung in einem gepflegten Zustand oder herrscht ein unübersehbares Chaos?
Wohnung und Wäsche hat Mama bis zum Schluß prima in Ordnung gehalten – wie auch immer.

Professor Füsgen meint: Fallen die Antworten zu Ungunsten des Erkrankten aus, ist ein Alleinleben kaum mehr möglich“ (Seite 16).

In Bayern ist es politischer Wille, dass Demenzkranke so lange wie möglich zuhause bleiben bis es gar nicht mehr anders geht. Das ist billiger. Nur wann ist „bis es gar nicht mehr anders geht“? Müssen sich die Nachbarn erst das Haus über dem Kopf abfackeln lassen – wie mich Nachbar E. einmal fragte.

Broschüre Umgang mit dem Demenzkranken
30.7.05 23:57
 
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