Alzheimer - und dann?

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Angst vor Alzheimer

20. September 2005

Wir wollten uns treffen, wenn ich die Wohnungsauflösung von meiner Mutter und allen möglichen anderen Verwaltungs- und Behördenkram hinter mich gebracht haben würde.

„Ich bin so zugeknallt, ich brauche erstmal wieder Luft und dann komme ich zu Euch.“ Das war mein letzter Satz in einem Telefongespräch mit F. Ihn kannte ich nicht so gut – ein Bekannter würde man sagen. Wir liefen uns gelegentlich bei Kulturveranstaltungen über den Weg. Manchmal war er am Telefon, wenn ich eigentlich seine Lebensgefährtin R. anrufen wollte, und wir plauderten kürzer oder länger über dies oder jenes, wie es sich so ergab.

So auch bei unserem letzten Telefonat. Er – 80 Jahre alt – fragte, was es Neues bei mir gäbe. Ich erzählte von der Alzheimer-Erkrankung meiner Mutter, dass ich einen Heimplatz für sie gefunden habe und was ich alles um die Ohren habe: nächste Woche die Wohnungsauflösung. Er hörte verständnisvoll und Anteil nehmend zu, fragte nach und sagte unvermittelt. „Du, ich glaub’ ich habe das auch. Ich hab’ mich schon öfter gefragt, ob das Alzheimer ist bei mir. R. ist manchmal ganz verzweifelt und schimpft mit mir, weil sie mir Sachen schon 10mal gesagt hat und ich weiß es wirklich nicht mehr und frage wieder.

Ich fühle mich von dieser Mitteilung überrollt, versuche so gut ich kann darauf einzugehen. Ich sage ihm, dass das Vergessen verschiedene Ursachen haben kann. Auf jeden Fall wäre erstmal eine Diagnostik wichtig. Er bittet mich, R. nichts von diesem Gespräch zu sagen. Er weiß gar nicht, wie das weitergehen soll, was auf ihn zukommt und möchte das, was er sich vorstellt oder ahnt seiner Frau nicht zumuten.

Ich biete ihm an, dass wir uns – wenn ich wieder zurück sein werde – zusammensetzen können, wir beide und wenn er möchte mit seiner Frau. „Das würdest Du für mich tun“ meint er ganz ergriffen und ist hörbar erleichtert.

Vorgestern leitete ich eine eMail an R. weiter, die mir kurz darauf antwortete und mich wissen ließ, dass „F. nicht mehr unter uns“ ist. Einige Tage später – während ich in M. war – ist er verstorben. Er wurde immer müder – unendlich müde, wollte nicht mehr essen und dann scheint noch ein Infektion dazugekommen zu sein.

Eben habe ich den Text von R’s Beerdigungsansprache gelesen. Aufgefallen ist mir, wie sehr sie sein überragend gutes Gedächtnis für Personen, Orte und Details betonte, das er bis zum Schluss gehabt habe.

Bei unserem Telefonat heute habe ich sie nicht direkt darauf angesprochen, aber aus dem, was sie mir erzählte, wurde mir deutlich, dass sie nichts von seiner Alzheimer-Angst wusste.
Was wissen wir über die, die uns am nächsten sind?
20.9.05 00:31
 
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