Alzheimer - und dann?

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Ist der auch so nett wie er ausschaut?

22. Februar

Vor drei Wochen habe ich Muttis Hausarzt kennen gelernt. Er betreut sie im Heim. Er ist Ende drei?ig und sehr sympathisch. Er hat mir im Detail erkl?rt, wie und warum er Muttis Medikation ge?ndert hat und was welche Auswirkungen hat und sich in welcher Weise gegenseitig beeinflusst. Er meint, Mutti sei in der Gerontopsychiatrie mit Psychopharmaka zugeknallt worden. Das sei bei ihr v?llig unn?tig gewesen. Er sei durchaus f?r Psychopharmaka, wo sie n?tig sind, aber doch nicht auf diese Weise. Mutti bekommt ja auch jetzt einen Stimmungsaufheller.

Er ist auch sehr fit in Schmerztherapie. In den letzten 15 Jahren war Mutti, die chronische Gelenkschmerzen hat, noch nie so gut eingestellt gewesen. Der Winter besonders in seiner nasskalten Form war immer besonders schlimm f?r sie gewesen. Diesen Winter hat sie sich kaum ?ber Schmerzen beklagt. Er verschreibt ihr auch regelm??ig Krankengymnastik sowie Lymphdrainagen. Ich mu? mich darum gar nicht k?mmern. Er macht das ganz von selber. Ich bin dar?ber sehr erleichtert, denn ich hatte die Vorstellung, dass ich um jede Verschreibung und jede Kleinigkeit betteln und k?mpfen mu?, weil man ja dauernd h?rt, dass die Budgets f?r die ?rzte kleiner werden und die chronisch kranken Alten oft als Belastung f?r diese Budgets gesehen werden.

Und das Sch?rfste: Er erz?hlte mir, dass er in seiner haus?rztlichen Praxis und in einigen Heimen Alzheimerpatienten betreut. Mutti sei da in vielem untypisch. Sie habe ja Dinge in Berlin neu gelernt und behalten. Er fand deshalb, dass Mutti nochmals von einem Neurologen untersucht werden solle. Es sei unwahrscheinlich schwer, Fach?rzte zu finden, die in Heime gehen. Aber schlie?lich habe er einen Kollegen gefunden, der das gemacht habe. Mir blieb innerlich der Mund offen, dass dieser Arzt sich selber darum k?mmert. Wie oft h?re ich in der Selbsthilfegruppe, wie m?hsam es f?r die Angeh?rigen ist, einen guten Neurologen zu finden. Und dann m?ssen sie sich selber darum k?mmern, dass der sich ins Heim begibt oder nach Hause kommt und auch nur sofern der Kranke nicht transportf?hig ist.

Und das Allerallersch?rfste: Besagter Neurologe hat herausgefunden, dass Mama eine Demenz hat, aber kein Alzheimer. Ihre Demenz ist durch Durchblutungsst?rungen im Gehirn bedingt (vaskul?re Demenz). Bei dieser Form werden ihr ihre sprachlichen F?higkeiten l?nger erhalten bleiben als bei Alzheimer. F?r mich ist es eine Erleichterung, weil Alzheimer ja auch eine genetische Komponente hat.

Man m?chte es nicht f?r m?glich halten: Mama ist von einer Neurologin und Psychiaterin des Max-Planck-Institutes f?r Psychiatrie untersucht worden. Von dort kam die Diagnose Alzheimer. Dann war sie sechs Wochen in der Gerontopsychiatrie einer Universit?tsklinik zur Differentialdiagnostik. Die haben diese Diagnose best?tigt und ein Gutachten erstellt, das dann auch Grundlage f?r die Betreuung, die vom Gericht angeordnet wurde, war. Das Gutachten hat ?brigens mehr als dreihundert Euronen gekostet, die meine Mutter zu zahlen hatte.

Und weil das dem Hausarzt noch nicht genug war, hat er auch noch veranlasst, dass meine Mutter wegen der Gelenkschmerzen von einem Orthop?den untersucht wurde.

Mama fragt mich immer wieder, wer ihr Doktor ist und ob der nett ist. Wie alt er ist und wie er aussieht. Das habe ich ihm erz?hlt und gefragt, ob ich ein Foto von ihm machen darf f?r Mama. Dieses Anliegen war ihm noch nicht untergekommen, aber er war einverstanden. Als Mama das Foto sah, meinte sie: ?Der sieht aber nett aus. Ist der auch so nett wie er ausschaut??

22.2.06 16:44
 
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